Wo man das Zuhause findet: Berlins türkische, arabische, vietnamesische und russische Marktkarte

REWE, Edeka und Aldi lösen die Frage nach einem günstigen Wocheneinkauf, sie lösen selten die Frage, wo man die konkreten Zutaten findet, die die eigene Küche tatsächlich braucht. Berlins Antwort auf diese zweite Frage konzentriert sich auf eine kleine Zahl von Vierteln, statt sich gleichmäßig über die Stadt zu verteilen. Neukölln trägt mit Abstand die dichteste Schicht: Die Sonnenallee, ein rund 5 Kilometer langer Straßenzug mit dem Spitznamen 'Arabische Straße', vermischt türkische Läden aus der Zeit der Gastarbeiter-Ansiedlung der 1950er/60er-Jahre mit syrischen, libanesischen und palästinensischen Geschäften, die aus den Fluchtbewegungen ab den frühen 1980er-Jahren entstanden, und die Karl-Marx-Straße ein paar Blocks weiter beherbergt Eurogida, eine der beiden großen türkischen Supermarktketten, die man stadtweit wiedererkennt (die andere ist Bolu). Für die schärfsten Preise bei frischem Obst, Gemüse und Kräutern läuft der Freiluft-Türkische-Markt am Maybachufer jeden Dienstag und Freitag. Weddings Müllerstraße ist das nördliche Gegenstück, aufgebaut um halal-zertifizierte Läden wie den Habibi Supermarkt. Außerhalb dieser beiden Bezirke ist Lichtenbergs Dong Xuan Center Berlins wichtigster vietnamesischer, chinesischer und südasiatischer Großhandels- und Einzelhandelsmarkt, und Charlottenburgs Rossiya Supermarkt am Stuttgarter Platz ist die bekannteste Adresse für russische und osteuropäische Lebensmittel.

Die Lage der Dinge

Fragt man, wo man in Berlin günstig den Wocheneinkauf erledigt, antworten REWE, Edeka, Aldi oder Lidl in einem Satz. Fragt man, wo man die konkreten Zutaten findet, die die eigene Küche tatsächlich braucht, sieht die ehrliche Landkarte völlig anders aus, aufgebaut um eine kleine Zahl von Vierteln, die ihre eigene Lebensmittelinfrastruktur über Jahrzehnte der Migration hinweg aufgebaut haben, statt eines gleichmäßig verteilten Netzes.

Neukölln trägt die dichteste Schicht, und hat zwei unterschiedliche Schwerpunkte. Die Sonnenallee, ein rund 5 Kilometer langer Straßenzug durch den Bezirk, ist die Straße, die Einheimische und Reportagen gleichermaßen “Arabische Straße” nennen. Der Name untertreibt, wie vielschichtig sie tatsächlich ist: Neuköllns türkische Gemeinschaft geht auf die Gastarbeiter-Ära der 1950er/60er-Jahre zurück, und der spezifisch arabische Charakter der Sonnenallee baute sich größtenteils erst ab den frühen 1980er-Jahren auf, als sich libanesische und palästinensische Geflüchtete hier niederließen und später von vor dem Bürgerkrieg fliehenden Syrerinnen und Syrern begleitet wurden. Türkischstämmige und arabischstämmige Menschen machen heute jeweils rund ein Zehntel der Bezirksbevölkerung aus, und die Läden beider Gruppen liegen auf derselben Straße: Stände mit eingelegten Weinblättern im Glas, arabisch beschrifteten Instantnudeln, Hummus im Großgebinde, getrockneten Koralllinsen lose zum Abwiegen und Tabletts mit getrockneten Datteln, direkt neben türkischen Gemüseläden und Halal-Metzgereien, die schon deutlich länger dort sind.

Ein paar Blocks weiter, an der Karl-Marx-Straße, findet man den wiedererkennbaren Kettennamen. Laut visitBerlins eigenem Straßenführer mischt sie türkische Gemüseläden und arabische Bäckereien zwischen ihre Cafés und Shisha-Lounges, und der Ankerladen hier ist Eurogida Neukölln I an der Karl-Marx-Straße 225, eine von zwei großen türkischen Supermarktketten, die man stadtweit wiedererkennt (die andere, mit ihrem rot-blauen Logo, ist Bolu). Beide führen ein spürbar breiteres Sortiment an türkischen, persischen, arabischen und deutschen Produkten als ein Standardsupermarkt, dazu standardmäßig eine Halal-Fleischtheke.

Berlins wichtigste ethnische Einkaufsviertel auf einen Blick
Bezirk / OrtCommunityWas es besonders macht
Sonnenallee, NeuköllnTürkisch und arabisch (syrisch, libanesisch, palästinensisch)~5km-Streifen, dichte kleine Läden und Bäckereien nebeneinander
Karl-Marx-Straße, NeuköllnTürkischEurogida-Kettensupermarkt, breites türkisch/persisch/arabisches Sortiment
Maybachufer (Kreuzkölln)TürkischFreiluft-Wochenmarkt, schärfste Obst- und Kräuterpreise
Müllerstraße, WeddingTürkisch und arabischHalal-zertifizierter Korridor, Habibi Supermarkt und Bolu
Dong Xuan Center, LichtenbergVietnamesisch, chinesisch, südasiatischSechshalliger Groß- und Einzelhandelsmarkt, 400+ Händler
Stuttgarter Platz, CharlottenburgRussisch und osteuropäischRossiya Supermarkt, lange tägliche Öffnungszeiten

Bei frischem Obst und Gemüse schlägt der Freiluftmarkt jeden Supermarkt auf dieser Liste. Der Türkische Markt am Maybachufer, direkt am Landwehrkanal in Kreuzkölln, läuft jeden Dienstag und Freitag von 11:00 bis 18:30 Uhr, mit bis zu 180 Händlerinnen und Händlern und einer ganzen Gasse allein für Kräuter und Gewürze. Buntes Obst, Gemüse und Kräuterbündel liegen hier durchgehend unter den Preisen der Standardsupermärkte, und der Fleischstand EL-FI taucht in Erfahrungsberichten von Käuferinnen und Käufern immer wieder als der Ort auf, an dem eine volle Tüte rund 10 Euro kostet. Türkische Supermarktketten wie Eurogida und Bolu halten denselben Preisvorteil bei Obst, Gemüse und Fleisch im Alltagsgeschäft, auch wenn er sich bei verpackten importierten Spezialitäten verengt oder umkehrt, wo eine längere Lieferkette sich im Preisschild niederschlägt.

Weddings Müllerstraße ist das nördliche Gegenstück zur Sonnenallee, ruhiger, aber auf demselben Halal-Fundament aufgebaut. Der Habibi Supermarkt an der Müllerstraße 157 ist vollständig halal-zertifiziert und laut seinem Eintrag im Halal-Verzeichnis Zabihah täglich von 9:00 bis 21:00 Uhr geöffnet, und Bolu Helal Et Pazarı betreibt weiter unten an derselben Straße eine Halal-Fleischtheke. Wedding beherbergt seit derselben Gastarbeiter-Ära, die auch Neukölln geprägt hat, eine türkische und arabische Arbeiterbevölkerung, und die Müllerstraße ist dort, wo diese Geschichte in den Ladenfronten bis heute am sichtbarsten ist.

Kisten mit frischem Obst und Gemüse, hängende getrocknete Paprikaschoten und Gläser mit Eingelegtem vor einem ebenerdigen Marktstand

Außerhalb von Neukölln und Wedding haben zwei weitere Communities jeweils eine klare Ankeradresse. Lichtenbergs Dong Xuan Center, bestätigt auf Berlins eigener offizieller Tourismusseite, ist mit Abstand das größte: sechs Markthallen auf einem Gelände von rund 165.000 Quadratmetern an der Herzbergstraße 128-139, mit mehr als 400 Unternehmerinnen und Unternehmern und weiteren rund 2.000 Beschäftigten aus Vietnam, China, Indien und Pakistan, die Lebensmittel, Textilien und Haushaltswaren verkaufen, dazu vietnamesische Restaurants und Dienstleistungen von Reisebüros bis zu Steuerberatungen. Geöffnet ist montags sowie mittwochs bis sonntags, 10:00 bis 20:00 Uhr, dienstags geschlossen, und die Straßenbahnhaltestelle direkt am Eingang, bedient von den Linien M8, 18 und 21, heißt buchstäblich Dong Xuan.

Für russische und osteuropäische Lebensmittel ist Charlottenburgs Rossiya Supermarkt fast immer die zuerst genannte Adresse. Am Stuttgarter Platz 36, direkt am S-Bahnhof Charlottenburg gelegen, wird er vom langjährigen Slow-Travel-Berlin-Blog als der Ort beschrieben, an dem Auslandsberlinerinnen und -berliner koschere Gurken und Medowik-Torte suchen, dazu Buchweizen, Räucherfisch, eine Fertiggerichte-Theke für Pelmeni und Blini, sowie eine Wodka- und Cognac-Auswahl, die der Blog als in der Stadt anderswo unerreicht bezeichnet. Der Laden hat außerdem ungewöhnlich lange tägliche Öffnungszeiten, nützlich, wenn der eigene Zeitplan nicht in einen üblichen Einkaufstag passt.

  1. 1 Sonnenallee, "Arabische Straße", türkische und syrische/libanesische/palästinensische Läden, Neukölln
  2. 2 Eurogida Neukölln I, türkische Supermarktkette, Karl-Marx-Straße 225
  3. 3 Türkischer Markt, Freiluftmarkt, Maybachufer, nur dienstags und freitags
  4. 4 Habibi Supermarkt, halal-zertifiziert, Müllerstraße 157, Wedding
  5. 5 Dong Xuan Center, vietnamesischer/chinesischer/südasiatischer Markt, Lichtenberg
  6. 6 Rossiya Supermarkt, russische und osteuropäische Lebensmittel, Charlottenburg

Was die Praxis noch zeigt

Berichte über die Sonnenallee, einschließlich der Reportage von Middle East Eye über die Straße, kommen immer wieder auf denselben Punkt zurück: Die Straße wurde nicht geplant zur “Arabischen Straße”, sie baute sich in Schichten auf, zuerst türkisch, dann libanesisch und palästinensisch, dann syrisch, und langjährige Ladeninhaberinnen und -inhaber beschreiben Kundschaft aus all diesen Hintergründen, die heute an denselben Ständen einkauft, statt sich in getrennte Blöcke zu sortieren. Diese Schichtung ist mit ein Grund, warum ein einzelnes generisches Etikett unterschätzt, was dort tatsächlich angeboten wird.

Käuferinnen und Käufer, die den Maybachufer-Markt mit Supermarktpreisen vergleichen, beschreiben durchgehend dasselbe Muster: Frisches Obst, Gemüse und Kräuterbündel sind dort spürbar günstiger, oft genug, dass Menschen einen Wochenausflug fest darum herum planen, statt es als einmaligen Ausflug zu behandeln. Der Rossiya-Beitrag auf Slow Travel Berlin liest sich für seine eigene Nische ähnlich, weniger als Supermarktkritik denn als Beschreibung dessen, was eine bestimmte Community als Anlaufstelle für ein Stück Zuhause fernab der Heimat betrachtet, bis hin dazu, dass die fertigen Pelmeni und die Wodka-Auswahl als Gründe genannt werden, warum Stammkundschaft wiederkommt, nicht der Preis.

Schritt für Schritt

  1. Von der konkreten Küche oder Community ausgehen, für die eingekauft wird, nicht von einer generischen Suche nach “internationalem Supermarkt”. Berlins ethnische Marktkarte ist nach Viertel und Community organisiert, nicht nach einer einzigen vermischten Kategorie.
  2. Für türkische und arabische Grundzutaten zusammen zuerst zur Sonnenallee in Neukölln. Es ist der dichteste Streifen der Stadt für beide, und die Läden beider Communities liegen nur wenige Türen voneinander entfernt.
  3. Für einen türkischen Supermarkt mit dem breitesten Alltagssortiment an einem Ort, Eurogida (Karl-Marx-Straße 225) oder die nächste Bolu-Filiale nutzen, beide führen eine Halal-Fleischtheke und ein spürbar breiteres türkisch/persisch/arabisches Sortiment als eine Standardkette.
  4. Für die schärfsten Preise bei frischem Obst, Gemüse und Kräutern einen Ausflug zum Türkischen Markt am Maybachufer auf einen Dienstag oder Freitag, 11:00 bis 18:30 Uhr legen, den Rest der Woche ist er geschlossen.
  5. Für Halal-Lebensmittel und -Fleisch im Norden der Stadt deckt die Müllerstraße in Wedding dasselbe Terrain wie die Sonnenallee ab, Habibi Supermarkt (Müllerstraße 157) und Bolu Helal Et Pazarı sind die zwei Namen, die man kennen sollte.
  6. Für vietnamesische, chinesische oder andere süd-/ostasiatische Zutaten direkt zum Dong Xuan Center in Lichtenberg gehen, statt viertelweise zu suchen, nur merken, dass es dienstags geschlossen ist.
  7. Für russische oder osteuropäische Lebensmittel zum Rossiya Supermarkt am Stuttgarter Platz in Charlottenburg, die täglichen Öffnungszeiten reichen ungewöhnlich weit in den Abend, falls abends eingekauft werden muss.

Hinweis zur Verlässlichkeit

Diese Seite spiegelt eine Momentaufnahme unabhängiger und Ketten-Lebensmittelgeschäfte, Stand Mitte 2026, wider, und Details wie genaue Öffnungszeiten, Adressen und Produktsortimente können sich ohne große Vorankündigung ändern. Aktuelle Öffnungszeiten bitte direkt bei einem Laden oder Markt bestätigen, bevor ein gezielter Ausflug geplant wird, besonders für den nur dienstags und freitags geöffneten Maybachufer-Markt und das dienstags geschlossene Dong Xuan Center.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Ist die Sonnenallee nur für arabische Lebensmittel da, oder auch für türkische?

Beides, und genau diese Schichtung lohnt sich zu verstehen, statt sich auf ein einzelnes Etikett festzulegen. Neuköllns türkische Bevölkerung geht auf die Gastarbeiter-Ära der 1950er/60er-Jahre zurück, und die Sonnenallee entwickelte ihren spezifisch arabischen Charakter größtenteils erst ab den frühen 1980er-Jahren, als sich libanesische und palästinensische Geflüchtete im Bezirk niederließen und später von Syrerinnen und Syrern begleitet wurden. Türkischstämmige und arabischstämmige Menschen machen heute jeweils rund ein Zehntel der Bezirksbevölkerung aus, und die Straße spiegelt diese Mischung direkt wider: Ein türkischer Gemüseladen und ein Geschäft mit syrischen Weinblättern und libanesischem Za'atar können nur wenige Türen voneinander entfernt liegen.

Sind türkische Märkte und Supermärkte tatsächlich günstiger als REWE, Edeka oder Aldi?

Bei frischem Obst und Gemüse, Kräutern, Oliven und Halal-Fleisch generell ja, und der Unterschied zeigt sich am deutlichsten auf dem Freiluft-Türkischen-Markt am Maybachufer, wo die Preise der Händler für Obst, Gemüse und Kräuterbündel regelmäßig unter denen der Standardsupermärkte liegen, und Stände wie der Fleischhändler EL-FI werden in Erfahrungsberichten häufig als der Ort beschrieben, an dem eine volle Tüte rund 10 Euro kostet. Türkische Supermarktketten wie Eurogida und Bolu halten denselben Preisvorteil bei Obst, Gemüse und Fleisch im Alltag. Wo sich die Preislücke schließt oder umkehrt, ist bei verpackten importierten Spezialitäten: Ein Glas einer bestimmten Tahini-Marke oder ein bestimmter importierter Snack kann genauso viel oder mehr kosten wie ein vergleichbares Produkt bei einer großen Kette, einfach weil es einen längeren Weg hierher zurückgelegt hat.

Was, wenn ich speziell vietnamesische, chinesische oder andere süd- oder ostasiatische Zutaten brauche?

Direkt zum Dong Xuan Center in Lichtenberg gehen, statt viertelweise zu suchen. Es ist mit deutlichem Abstand Berlins größter asiatischer Markt: sechs Markthallen auf einem Gelände von rund 165.000 Quadratmetern, davon rund 39.000 Quadratmeter reine Verkaufsfläche in den Hallen, mit mehr als 400 Unternehmerinnen und Unternehmern und weiteren rund 2.000 Beschäftigten aus Vietnam, China, Indien und Pakistan, die Lebensmittel, Textilien und Haushaltswaren verkaufen, dazu vietnamesische Restaurants und Dienstleistungen von Reisebüros bis zu Steuerberatungen. Geöffnet ist montags sowie mittwochs bis sonntags von 10:00 bis 20:00 Uhr, dienstags geschlossen, und die Straßenbahnhaltestelle direkt am Eingang, bedient von den Linien M8, 18 und 21, heißt buchstäblich Dong Xuan.

Wo finde ich russische oder andere osteuropäische Lebensmittel?

Der Rossiya Supermarkt am Stuttgarter Platz 36 in Charlottenburg, direkt am S-Bahnhof Charlottenburg, ist die Adresse, die in fast jeder Beschreibung von Berlins russischer Marktlandschaft zuerst genannt wird. Zu erwarten sind russische, polnische und andere osteuropäische Grundnahrungsmittel nebeneinander, Buchweizen und andere Getreidesorten für die slawische Küche, Räucherfisch, eine Fertiggerichte-Theke mit vorbereiteten Pelmeni und Blini, sowie eine Wodka- und Cognac-Auswahl, die als in der Stadt anderswo unerreicht beschrieben wird. Der Laden hat auffallend lange tägliche Öffnungszeiten bis weit in den Abend hinein, wichtig für alle, deren Zeitplan nicht in ein übliches 9-bis-18-Uhr-Schema passt.

Brauche ich Deutschkenntnisse, um in diesen Läden einzukaufen?

Selten eine echte Hürde. Entlang der Sonnenallee und der Müllerstraße wechselt das Personal je nach Gegenüber regelmäßig zwischen Deutsch, Türkisch, Arabisch und Englisch, und im Dong Xuan Center sowie bei Rossiya sind Produktbeschriftungen ohnehin oft eher in der Ursprungssprache als auf Deutsch, das Erkennen der Verpackung zählt also mehr als fließendes Deutsch. Die Kartenzahlung kann bei den kleinsten unabhängigen Ständen uneinheitlich funktionieren, besonders auf Freiluftmärkten, etwas Bargeld dabeizuhaben lohnt sich also.