Nicht eine Straße: Wo Hamburgs türkische, afghanische, portugiesische und asiatische Lebensmittelläden wirklich sind
REWE, Edeka und Aldi decken den Wocheneinkauf ab, nicht die eine bestimmte Zutat, die die eigene Küche tatsächlich braucht. Hamburg konzentriert seine internationale Lebensmittelszene nicht auf eine einzige Straße, wie Berlin es mit der Sonnenallee in Neukölln tut, sie verteilt sich stattdessen auf mehrere Stadtteile, jeder geprägt von der Ansiedlungsgeschichte einer anderen Community. Der Steindamm, die Straße, die vom Hauptbahnhof aus nach Norden durch St. Georg führt, kommt einem einzelnen Zentrum am nächsten: Rund um die Straße finden sich türkische Gemüseläden neben indischen, iranischen und afghanischen Geschäften und Imbissen, darunter der afghanische Lebensmittelladen Pamir Bazar am Steindamm 122 sowie ein afrikanischer Obst- und Gemüsestand mit Waren wie Okra und Süßkartoffeln, die ein gewöhnlicher Supermarkt nicht führt. Wilhelmsburg, der Elbinsel-Stadtteil mit dem höchsten Ausländeranteil Hamburgs (33,6 Prozent Ende 2025, gegenüber 21,2 Prozent stadtweit), bietet eine andere Mischung: den türkischen Supermarkt Ideal Market am Reinstorfweg und SUL Portugal an der Jaffestraße, einen der größten Importeure portugiesischer und spanischer Produkte in Deutschland, mit eigener täglicher Bäckerei. Billstedt im Osten hat die türkischen Ladenketten Öncü Supermarkt und Meydan Markt gleich neben dem rund 100 Geschäfte umfassenden Billstedt-Center. Harburg, südlich der Elbe, hat mit Adese Markt und Hao Asia Markt seine eigenen türkischen und asiatischen Lebensmittelläden, internationales Einkaufen in Hamburg ist also keine reine Innenstadt-Angelegenheit. Anders als Berlins einzelnes Dong-Xuan-Center ist Hamburgs asiatische Ladenszene verstreut statt konzentriert, kleine Märkte in Eimsbüttel, Eppendorf, Barmbek und Harburg statt einer einzigen Großhandelshalle. Diese Geografie folgt genau der Bevölkerung: Ende 2025 waren Menschen ohne deutschen Pass aus der Türkei und aus Afghanistan die größte beziehungsweise drittgrößte Gruppe unter den 419.509 ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt, genau der Grund, warum türkische und afghanische Läden am häufigsten begegnen.
Die Lage der Dinge
Wer nach dem günstigsten Wocheneinkauf in Hamburg fragt, bekommt in einem Satz die Antwort: Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl. Wer dagegen nach der einen bestimmten Zutat fragt, die das eigene Kochen tatsächlich braucht, bekommt eine Antwort, die Berlins Muster nicht ähnelt. Berlin hat eine dominante Achse, die Sonnenallee in Neukölln, umringt von ein paar sekundären Ankerpunkten. Hamburg hat keine derartige einzelne Straße. Die internationale Lebensmittelszene der Stadt verteilt sich auf mehrere Stadtteile, die mit unterschiedlichen Einwanderungswellen gewachsen sind, und zu wissen, welcher Stadtteil zu welcher Küche passt, zählt hier mehr als ein einzelner Straßenname.
Der Steindamm, der vom Hauptbahnhof aus nach Norden durch St. Georg führt, kommt einem einzelnen Zentrum der Stadt am nächsten. Reiseführer beschreiben St. Georg als lebendige, multiethnische Nachbarschaft mit einer Reihe türkischer, indischer, iranischer und afghanischer Imbisse und Minimärkte entlang des Steindamms und rund um den Hansaplatz. Auf der Lebensmittelseite konkret finden sich rund 10 türkische Gemüseläden entlang der Straße neben indischen Geschäften und einem afrikanischen Obst- und Gemüsestand mit Waren wie Okra und Süßkartoffeln, die ein gewöhnlicher deutscher Supermarkt schlicht nicht führt. Die eine Adresse, die man kennen sollte, ist Pamir Bazar, ein afghanischer Lebensmittelladen am Steindamm 122, im selben kurzen Abschnitt wie die afghanischen, türkischen und iranischen Imbisse, für die die Straße bekannt ist. All das liegt fünf bis zehn Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, was den Steindamm zur einfachsten ersten Anlaufstelle macht, wer neu in der Stadt ist und noch keinen eigenen Stadtteilladen gefunden hat.
| Stadtteil / Ort | Community | Was ihn auszeichnet |
|---|---|---|
| Steindamm, St. Georg | Türkisch, afghanisch, indisch, iranisch | ~10 türkische Gemüseläden, Pamir Bazar (afghanisch), afrikanischer Produktestand, 5 Min. vom Hauptbahnhof |
| Wilhelmsburg | Türkisch, portugiesisch, gemischt (höchster Ausländeranteil Hamburgs) | Ideal Market (türkischer Supermarkt), SUL Portugal (iberischer Importhändler) |
| Billstedt | Türkisch | Öncü Supermarkt und Meydan Markt, direkt beim Billstedt-Center |
| Harburg | Türkisch, asiatisch | Adese-Markt-Filiale, Hao Asia Markt, Beweis, dass Läden nicht nur in der Innenstadt liegen |
| Eimsbüttel / Eppendorf / Barmbek | Asiatisch (vietnamesisch, chinesisch, thailändisch, koreanisch, japanisch) | Verstreute unabhängige Läden, kein zentraler Hub wie Berlins Dong-Xuan-Center |
Wilhelmsburg, der Elbinsel-Stadtteil südlich des Hafens, trägt die dichteste demografische Schicht aller Hamburger Viertel. Nach Statistik Nords eigenen regionalen Daten hatte Wilhelmsburg Ende 2025 53.767 Einwohnerinnen und Einwohner, von denen 33,6 Prozent einen ausländischen Pass hielten und 63,7 Prozent insgesamt einen Migrationshintergrund hatten, beides deutlich über dem städtischen Durchschnitt. Hamburg insgesamt lag zum selben Stichtag bei 21,2 Prozent ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern, laut Statistik Nords stadtweiter Veröffentlichung, Wilhelmsburg liegt damit mehr als 12 Prozentpunkte über dem städtischen Schnitt. Diese Dichte zeigt sich direkt im Regal. Ideal Market am Reinstorfweg ist ein türkischer Supermarkt mit frischem Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Gewürzen und Süßwaren, vieles davon direkt aus der Türkei importiert. Ein paar Straßen weiter betreibt SUL Portugal an der Jaffestraße 10 einen Groß- und Einzelhandel für portugiesische und spanische Produkte, nach eigener Angabe einer der größten iberischen Importbetriebe des Landes, mit eigener Bäckerei für portugiesische Backwaren und Kuchen neben Marken wie Delta-Kaffee, Sagres-Bier und Sumol-Erfrischungsgetränken.
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Billstedt, weiter östlich, gruppiert sich um ein anderes Namenspaar. Öncü Supermarkt an der Billstedter Hauptstraße 49 und Meydan Markt am Hermannstal 103 sind die beiden türkischen Adressen, die Ortskundige im Stadtteil am häufigsten nennen. Beide liegen einen kurzen Fußweg vom Billstedt-Center an der Möllner Landstraße 3 entfernt, einem Einkaufszentrum, das größtenteils auf Mode- und Elektronikketten statt auf Lebensmittel ausgerichtet ist, weshalb die unabhängigen türkischen Supermärkte in der Nähe die eigentliche Antwort sind, wer bestimmte Zutaten sucht statt eines Foodcourts.
Harburg, am Südufer der Elbe, wird leicht übersehen, wenn man internationales Einkaufen für eine reine Innenstadtsache hält, und diese Annahme ist falsch. Hamburgs amtliches Branchenverzeichnis listet unter seinen 24 stadtweiten Einträgen zu türkischen Lebensmittelgeschäften eine Adese-Markt-Filiale an der Rieckhoffstraße in Harburg, und Übersichten zu asiatischen Supermärkten in Hamburg nennen den Hao Asia Markt am Reetwerder im selben Stadtteil. Keiner der beiden ist ein Ausflugsziel wie der Steindamm oder Wilhelmsburg, aber beide zeigen: Wer südlich der Elbe wohnt, muss für einen richtigen Einkauf nicht zwingend über den Fluss fahren.
Die asiatische Lebensmittelszene verdient eine eigene Anmerkung, weil sie wirklich einem anderen Muster folgt als die übrigen. Berlin konzentriert fast sein gesamtes vietnamesisches, chinesisches und südasiatisches Einkaufsangebot an einem einzigen Ort, dem Dong-Xuan-Center in Lichtenberg. Hamburg hat nichts Vergleichbares. Die asiatischen Lebensmittelläden der Stadt verteilen sich auf einzelne Geschäfte in Eimsbüttel, Eppendorf, Barmbek, Uhlenhorst und Harburg, jedes bedient eher das eigene Viertel als Kundschaft aus der ganzen Stadt anzuziehen. Wer vietnamesische, chinesische, thailändische, koreanische oder japanische Zutaten sucht, fährt in Hamburg praktischerweise zum nächstgelegenen Laden statt eine eigene Fahrt zu einem stadtweiten Zentrum zu planen, denn dieses Zentrum gibt es hier schlicht nicht.
- 1 Steindamm / Pamir Bazar, afghanischer Laden, St. Georg, wenige Minuten vom Hauptbahnhof
- 2 Ideal Market, türkischer Supermarkt, Reinstorfweg, Wilhelmsburg
- 3 SUL Portugal, portugiesisch-spanischer Importhändler, Jaffestraße 10, Wilhelmsburg
- 4 Öncü Supermarkt und Meydan Markt, türkische Läden, Billstedt
- 5 Adese Markt und Hao Asia Markt, türkischer und asiatischer Laden, Harburg
Was Betroffene berichten
Stadtteilführer, die den Steindamm beschreiben, kehren immer wieder zum selben Wort zurück: geschichtet, nicht einheitlich. Die Straße gilt als multiethnische Nachbarschaft statt als Ein-Küchen-Meile, ein kurzer Spaziergang, der sich anfühlt, als würde man wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt in eine andere Stadt eintreten.
Die portugiesische Ladenszene wird in persönlicheren Worten beschrieben. Der langjährige Hamburger Kulturblog Mit Vergnügen behandelt SUL Portugal, Comércio Lagos und Weinkost Portugal ebenso als Orte gegen Heimweh wie als Zutatenquellen, Orte, an denen eine bestimmte Kaffeemarke oder ein bestimmter portugiesischer Wein mehr zählt als der Preis. Dieses Muster zieht sich durch die gesamte Liste: Wer hier einkauft, sucht nicht den billigsten Kohlkopf, sondern das eine Produkt, das ein Gericht richtig schmecken lässt, und genau diese Lücke schließen REWE und Edeka nicht.
Praktische Übersichten zu Hamburgs türkischen Supermärkten lesen sich weniger wie Restaurantkritiken und mehr wie eine Arbeitsliste: welcher Laden, welche Straße, welche Öffnungszeiten, weil genau das ein Neuankömmling zuerst braucht, noch vor der Stadtteilstimmung.
Der Reihe nach vorgehen
- Von der Küche oder Community ausgehen, für die eingekauft wird, nicht von einer allgemeinen Suche nach „internationalem Supermarkt"Hamburgs Karte ist nach Stadtteil und Community organisiert, nicht nach einer einzigen Sammelkategorie.
- Für türkische, afghanische, indische oder iranische Grundzutaten zusammen zuerst zum Steindamm in St. Georg gehendas kommt einer einzelnen dichten Einkaufsmeile am nächsten und liegt kurz vom Hauptbahnhof entfernt.
- Für speziell afghanische Zutaten ist Pamir Bazar am Steindamm 122 die bekannte Adresseim selben Abschnitt wie die afghanischen und iranischen Imbisse der Straße.
- Für portugiesische oder spanische Lebensmittel ist SUL Portugal an der Jaffestraße 10 in Wilhelmsburg die größte einzelne Anlaufstellemit Comércio Lagos in Ottensen als zweite Option, falls Wilhelmsburg nicht praktisch liegt.
- Für türkische Lebensmittel im Osten der Stadt Öncü Supermarkt oder Meydan Markt in Billstedt nutzenbeide liegen einen kurzen Fußweg vom Billstedt-Center entfernt.
- Nicht davon ausgehen, dass die Elbe überquert werden musswer in oder bei Harburg wohnt, sollte die dortige Adese-Markt-Filiale und den Hao Asia Markt prüfen, bevor eine Fahrt in die Innenstadt geplant wird.
- Für asiatische Zutaten stadtteilweise suchen, Eimsbüttel, Eppendorf, Barmbek, statt eine große Halle zu erwartenHamburg hat kein zentrales asiatisches Markt-Zentrum wie Berlins Dong-Xuan-Center.
Rechtlicher Hinweis
Dieser Beitrag spiegelt einen Stand unabhängiger und kettengebundener Lebensmittelgeschäfte sowie stadtteilbezogener Bevölkerungsdaten, Stand Mitte 2026. Ladenadressen, Öffnungszeiten und Sortimente können sich ohne große Vorankündigung ändern, und Bevölkerungszahlen werden jährlich aktualisiert. Aktuelle Öffnungszeiten direkt beim jeweiligen Laden bestätigen, bevor eine eigene Fahrt geplant wird. Für Sonntags- und Feiertagsregeln siehe SettledIns eigenen Beitrag zu Hamburgs Feiertagskalender und Sonntagsschluss.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Gibt es in Hamburg ein Gegenstück zu Berlins Sonnenallee, der sogenannten 'arabischen Straße'?
Nicht ganz, und der Unterschied lohnt ein genaueres Hinsehen statt der Annahme, der Steindamm sei eine direkte Kopie. Der Steindamm ist das, was Hamburg einer einzelnen dichten Einkaufsmeile am nächsten kommt, aber es ist eine Mischung aus türkischen, indischen, iranischen und afghanischen Minimärkten und Imbissen statt einer dominanten arabischen Identität, wie sie sich an der Sonnenallee speziell um syrische, libanesische und palästinensische Ansiedlung herum entwickelt hat. Hamburgs größte ausländische Staatsangehörigengruppen sind türkisch und afghanisch, nicht arabisch im levantinischen Sinne, wie es Berlins Neukölln widerspiegelt, und die Ladenmischung am Steindamm folgt genau dieser Bevölkerung.
Wo finde ich speziell afghanische Lebensmittel?
Pamir Bazar am Steindamm 122 in St. Georg ist der Name, der in lokalen Verzeichnissen durchgängig auftaucht. Der Laden liegt im selben kurzen Abschnitt wie die türkischen Gemüseläden der Straße und die afghanischen, iranischen und indischen Imbisse, ein wirklich fußläufiges Cluster wenige Minuten vom Hauptbahnhof statt eines Ausflugsziels. Afghanistan gehört zu Hamburgs größten ausländischen Staatsangehörigengruppen, der demografische Grund, warum ein spezialisierter afghanischer Laden hier echten Zulauf hat.
Wo finde ich portugiesische Lebensmittel, und ist Wilhelmsburg die einzige Option?
SUL Portugal an der Jaffestraße 10 in Wilhelmsburg ist die größte einzelne Adresse: ein familiengeführter Importeur und Einzelhändler portugiesischer und spanischer Produkte mit eigener täglicher Bäckerei für Pastéis de Nata und andere Backwaren, nach eigener Angabe einer der größten iberischen Importbetriebe des Landes. Es ist aber nicht die einzige Option. Laut dem langjährigen Hamburger Kulturblog Mit Vergnügen führt Comércio Lagos in Ottensen über 500 portugiesische Produkte mit angeschlossenem Café, und Weinkost Portugal in Hafennähe bietet portugiesische Weine und Feinkost. Wenn Wilhelmsburg nicht praktisch liegt, lohnt sich ein Blick auf die näher gelegene Alternative.
Gibt es in Hamburg einen großen asiatischen Supermarkt wie Berlins Dong-Xuan-Center?
Nein, und das ist ein echter struktureller Unterschied, keine Lücke in dieser Liste. Berlins Dong-Xuan-Center in Lichtenberg ist ein einzelner, sechs Hallen umfassender Großhandels- und Einzelhandelskomplex mit Hunderten von Händlern unter einem Dach. Hamburg hat nichts in dieser Größenordnung. Stattdessen verteilen sich die asiatischen Lebensmittelläden hier auf einzelne Geschäfte in Eimsbüttel, Eppendorf, Barmbek, Uhlenhorst und Harburg, jedes bedient eher das eigene Viertel als ein stadtweites Ziel zu sein. Wer hier einkauft, sollte eher den nächstgelegenen Laden wählen als eine eigene Fahrt zu einem zentralen asiatischen Markt zu planen, denn den gibt es in Hamburg nicht.
Haben die Stadtteil-Lebensmittelläden sonntags geöffnet?
Grundsätzlich nein. Unabhängig geführte Läden in St. Georg, Wilhelmsburg, Billstedt und Harburg sind gewöhnliche Einzelhandelsgeschäfte nach Hamburgs Ladenöffnungsgesetz, genau wie jeder Edeka oder Rewe, und schließen deshalb sonntags und an Feiertagen mit denselben engen Ausnahmen wie alle anderen, keine davon hat damit zu tun, dass der Laden türkisch, afghanisch oder portugiesisch geführt wird. Was tatsächlich von Laden zu Laden variiert, sind die Werktags- und Samstagsöffnungszeiten, da es sich größtenteils um unabhängige Betriebe statt kettenweit standardisierte handelt, deshalb lohnt sich ein Blick auf die tatsächlich ausgehängten Zeiten des jeweiligen Ladens statt eine supermarktübliche Zeit anzunehmen. Den vollständigen Rahmen zu Sonntags- und Feiertagsregeln, einschließlich der Orte, die tatsächlich offen bleiben, behandelt SettledIns eigener Beitrag zu Hamburgs Feiertagskalender und Sonntagsschluss.
