Der Abschlag merkt nichts von Elternzeit, Homeoffice oder einem größer werdenden Kind

Ihr monatlicher Abschlag für Strom oder Gas wird einmal im Jahr aus dem tatsächlichen Verbrauch des Vorjahres berechnet und bleibt danach einfach stehen, bis Sie selbst etwas ändern oder die nächste Jahresabrechnung kommt. Ihr Versorger hat keine Möglichkeit zu erkennen, dass sich der Verbrauch in Ihrem Haushalt zwischenzeitlich verändert hat. Drei ganz gewöhnliche Familienübergänge schieben den echten Verbrauch nach oben, ohne dass der Abschlag mitzieht: Ein Elternteil geht in Elternzeit und ist plötzlich tagsüber zuhause, jemand arbeitet regelmäßig im Homeoffice, oder ein Kind wird einfach älter, braucht mehr eigene Geräte, duscht länger und verbringt mehr Zeit in der Wohnung statt in Kita oder Schule. Keine dieser Veränderungen ist für sich genommen dramatisch, Homeoffice allein schlägt laut Anbieterangaben grob mit 65 bis 140 Euro im Jahr zu Buche, je nach Geräteausstattung, aber zusammengenommen entsteht genau die Art von schleichendem Anstieg, die am Ende der Jahresabrechnung als unangenehme Nachzahlung sichtbar wird. Sie können Ihren eigenen Abschlag jederzeit über das Online-Portal Ihres Anbieters ändern, bei Stadtwerke München über Meine SWM, bei anderen Versorgern über das entsprechende Pendant, ohne auf die nächste Abrechnung warten zu müssen.

Die offizielle Regel

Ihr Abschlag, der monatliche Vorauszahlungsbetrag für Strom oder Gas, wird einmal berechnet, aus Ihrem tatsächlichen Verbrauch des Vorjahres und den aktuellen Preisen Ihres Tarifs, und bleibt dann bis zur nächsten Jahresabrechnung fest stehen, sofern Sie ihn nicht selbst aktiv ändern. Er hat schlicht keine Möglichkeit zu erkennen, dass sich der tatsächliche Verbrauch Ihres Haushalts zwischen diesen beiden Zeitpunkten verändert hat. Genau diese Lücke zwischen dem, wovon Ihr Abschlag ausgeht, und dem, was Ihr Haushalt wirklich verbraucht, wird laut SWM bei der Jahresabrechnung zur Nachzahlung, und drei ganz gewöhnliche Familienübergänge weiten diese Lücke auf eine Weise aus, die sich zu planen lohnt, statt sie erst ein Jahr später zu entdecken.

Elternzeit bedeutet, dass ein Elternteil, der werktags meist außer Haus war, jetzt fast den ganzen Tag zuhause ist. Das zeigt sich in mehr Waschmaschinenläufen, in Licht und Heizung, die jetzt auch zu Stunden laufen, in denen die Wohnung früher leer stand, und generell in einem höheren Grundverbrauch, einfach weil mehr wache Stunden zuhause verbracht werden. Einen festen Umrechnungsfaktor dafür gibt es nicht, weil zu viel von der individuellen Heiz- und Kochsituation abhängt, aber es handelt sich um eine echte, anhaltende Verschiebung, kein einmaliges Ereignis.

Homeoffice trägt für sich genommen einen kleineren, aber tatsächlich messbaren Anteil bei. Nach Berechnungen von Vattenfall kostet ein Laptop an einem vollen Arbeitstag rund 28 Cent, hochgerechnet auf ein Jahr Vollzeit-Homeoffice etwa 64 Euro, ein PC mit externem Monitor (175 Watt) liegt mit rund 60 Cent pro Tag deutlich höher, was sich auf etwa 138 Euro im Jahr summiert. Polarstern Energie kommt für ein typisches Homeoffice-Setup aus Laptop, Monitor, Schreibtischlampe und Kaffee- oder Wasserkocher auf rund 25 bis 43 Cent Mehrkosten pro Arbeitstag, je nach Geräten deutlich unter einem Euro. Über ein Jahr gerechnet und je nach Ausstattung sowie Zahl der Homeoffice-Tage pro Woche ergibt das insgesamt grob 65 bis 140 Euro Mehrkosten.

Drei häufige Veränderungen im Haushalt und ihre Wirkung auf den Stromverbrauch
VeränderungWas sich wirklich ändertWas das für Ihren Abschlag bedeutet
ElternzeitMehr Stunden zuhause, mehr Wäsche, mehr Heizen und Kochen während früherer ArbeitszeitenErhöhen, es gibt keinen festen Faktor, richten Sie sich nach Ihrem tatsächlichen Alltag
HomeofficeRund 65 bis 140 Euro Mehrkosten im Jahr, je nach Ausstattung und Zahl der Homeoffice-TageEine moderate Erhöhung, wird erst im Zusammenspiel mit anderen Veränderungen wirklich relevant
Älter werdendes KindMehr eigene Geräte, längere Duschen, mehr Zeit zuhause über die Jahre hinwegRegelmäßig neu prüfen, statt von einem gleichbleibenden Verbrauch auszugehen

Ein älter werdendes Kind bringt eine langsamere, sich aufsummierende Veränderung statt eines einzelnen Ereignisses. Ein Kleinkind und ein zehnjähriges Kind verbrauchen in einem Haushalt schlicht nicht dieselbe Menge Strom, mehr eigene Geräte, längere Duschen, mehr Zeit zuhause statt in Kita oder bei einer Betreuungsperson, all das summiert sich so allmählich, dass es sich selten wie ein einzelner Moment anfühlt, auf den reagiert werden müsste. Genau deshalb lohnt es sich, den Abschlag von Zeit zu Zeit neu zu prüfen, statt anzunehmen, dass eine vor Jahren festgelegte Zahl noch stimmt.

Den eigenen Abschlag anzupassen ist tatsächlich einfach und erfordert nicht, dass der Versorger irgendetwas von selbst bemerkt. Über das Online-Portal Ihres Anbieters, bei Stadtwerke-München-Kunden Meine SWM, bei anderen Versorgern das jeweilige Pendant, lässt sich der monatliche Betrag direkt anpassen, jederzeit im Jahr, nicht nur wenn eine neue Rechnung eintrifft.

Eine Küchenarbeitsplatte mit einem Laptop während eines Videoanrufs, einem daneben befestigten Kinderbild und einem kleinen Stapel gefalteter Wäsche auf einem Stuhl

Was echte Leute sagen

Elternforen wie die urbia.de-Diskussion zu monatlichen Abschlägen für 4-Personen-Haushalte zeigen, wie stark die Vorstellung von einem normalen Betrag tatsächlich schwankt: Familien berichten von etwa 63 Euro im Monat für eine kleinere Wohnung bis über 130 Euro für einen größeren Haushalt mit mehr laufenden Geräten, mit vereinzelten Ausreißern deutlich darüber bei besonders hohem Verbrauch oder ungünstiger Heizart. Das ist selbst schon eine nützliche Realitätsprüfung: Es gibt keinen universell richtigen Abschlag, nur die Frage, ob Ihrer vernünftig zu Ihrem eigenen, aktuellen Haushalt passt.

Ein wiederkehrendes Muster in diesen Diskussionen ist, dass kaum jemand von sich aus auf die Idee kommt, den Abschlag proaktiv zu überprüfen, das Thema kommt meist erst zur Sprache, nachdem eine überraschende Jahresabrechnung bereits eingetroffen ist. Eltern, die vor einer absehbaren Veränderung angepasst haben, etwa vor dem Start der Elternzeit oder vor einer festen Homeoffice-Regelung, beschreiben das als eine Sache von wenigen Minuten im Portal des Anbieters, die einen andernfalls deutlich größeren Schock bei der Abrechnung monatelang später spürbar abgefedert hat.

Schritt für Schritt

  1. Erkennen Sie den eigentlichen Auslöser, nicht nur die Rechnung: Der Beginn der Elternzeit, regelmäßige Homeoffice-Tage oder ein einfach älter werdendes Kind sind alles echte Gründe zur Überprüfung, nicht erst eine neue Jahresabrechnung.
  2. Denken Sie in Kategorien statt eine einzelne Zahl zu raten: mehr Stunden zuhause, mehr Gerätenutzung während früherer Arbeitszeiten, mehr eigene Geräte mit wachsendem Kind.
  3. Loggen Sie sich im Online-Portal Ihres Anbieters ein (Meine SWM oder das Pendant Ihres Versorgers) und passen Sie Ihren monatlichen Abschlag direkt an, das dauert nur wenige Minuten.
  4. Setzen Sie im Zweifel lieber moderat zu hoch als zu niedrig an: Ein zu hoher Abschlag kommt als Guthaben zurück, ein zu niedriger führt zu einer Nachzahlung in einer Summe.
  5. Prüfen Sie erneut, sobald die nächste Jahresabrechnung eintrifft, und nutzen Sie sie als Anlass zur Feinjustierung, nicht nur als zu begleichende Rechnung.
  6. Kommen mehrere Veränderungen gleichzeitig zusammen (etwa ein neues Baby und eine neue Homeoffice-Regelung), passen Sie den Abschlag an die Kombination an, statt jede einzelne Veränderung für zu klein zum Reagieren zu halten.

Rechtlicher Hinweis

Diese Seite erklärt allgemeine Muster beim Stromverbrauch von Haushalten und wie Sie Ihren eigenen Abschlag anpassen, sie ersetzt nicht die Berechnungswerkzeuge oder den Kundenservice Ihres eigenen Anbieters. Wie stark sich Ihr tatsächlicher Verbrauch verändert, hängt von der Heiz- und Kochart Ihrer Wohnung, der Effizienz Ihrer Geräte und der Haushaltsgröße ab, nutzen Sie für eine auf Ihre Situation zugeschnittene Zahl das Portal oder den Kundenservice Ihres Anbieters.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Um wie viel sollte ich meinen Abschlag erhöhen, wenn ich in Elternzeit gehe?

Dafür gibt es keine offizielle Kennzahl, weil zu viel von Ihrer Wohnung abhängt: ob Sie elektrisch oder mit Gas heizen und kochen, wie viele Stunden Sie tatsächlich zusätzlich zuhause sind im Vergleich zu vorher, und in welcher Jahreszeit die Elternzeit beginnt. Sinnvoller als eine geratene Pauschalzahl ist es, in Kategorien zu denken: mehr Waschmaschinenläufe durch ein Baby im Haushalt, Licht und Heizung, die jetzt auch in den früheren Arbeitsstunden laufen, und schlicht ein höherer Grundverbrauch, weil mehr wache Stunden zuhause verbracht werden. Ein vernünftiger erster Schritt ist, sich an dem zu orientieren, was andere Eltern in ähnlichen Haushalten berichten, statt gar nichts anzupassen und die Lücke erst bei der nächsten Jahresabrechnung zu entdecken.

Lohnt sich eine Anpassung wirklich schon bei ein oder zwei Homeoffice-Tagen pro Woche?

Für sich genommen ist der Effekt tatsächlich klein. Laut [Polarstern Energie](https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/home-office-stromverbrauch/) entstehen an einem normalen Arbeitstag durch Laptop, Monitor, Schreibtischlampe und Kaffeemaschine zusammen rund 25 bis 43 Cent Mehrkosten, [Vattenfall](https://www.vattenfall.de/infowelt-energie/strom-ratgeber/stromkosten-im-homeoffice) beziffert einen Laptop allein mit etwa 28 Cent pro Arbeitstag (rund 64 Euro im Jahr bei Vollzeit-Homeoffice) und einen PC mit externem Monitor mit rund 60 Cent pro Tag (rund 138 Euro im Jahr). Wirklich relevant wird das erst, wenn Homeoffice mit anderen Veränderungen im Haushalt zusammenfällt, ein neues Baby, ein Partner, der ebenfalls öfter von zuhause arbeitet, eine kältere Heizperiode als sonst. Keine dieser Größen ist einzeln dramatisch, zusammen ergeben sie aber genau den schleichenden Anstieg, der bei der Jahresabrechnung überrascht.

Verliere ich Geld, wenn ich meinen Abschlag zu hoch ansetze?

Nein, ein zu hoher Abschlag ist kein echtes Risiko so wie ein zu niedriger. Zahlen Sie über das Jahr mehr an, als Sie tatsächlich verbraucht haben, weist Ihre Jahresabrechnung einfach ein Guthaben aus, und dieser Betrag wird Ihnen erstattet, direkt, wenn ein SEPA-Lastschriftmandat hinterlegt ist, sonst sobald Sie Ihre Bankverbindung angeben. Der eigentliche Unterschied liegt woanders: Ein zu niedriger Abschlag führt zu einer einzigen, größeren Nachzahlung, die Sie auf einen Schlag aufbringen müssen, ein zu hoher kommt einfach als Rückzahlung zurück. Genau deshalb ist es bei einer echten Veränderung im Haushalt vernünftiger, eher etwas zu hoch als zu niedrig zu schätzen.

Woher weiß ich, ob mein aktueller Abschlag überhaupt noch zu meinem Haushalt passt?

Einen allgemeingültigen richtigen Betrag gibt es nicht, Elternforen zeigen das sehr deutlich. In einer [urbia.de-Diskussion zu monatlichen Abschlägen für 4-Personen-Haushalte](https://www.urbia.de/forum/28-finanzen-beruf/3268523-wie-hoch-ist-euer-monatlicher-abschlag-fuer-strom-4-personen) reichen die Angaben von rund 63 Euro für eine kleinere Wohnung bis über 130 Euro für einen größeren Haushalt mit mehr laufenden Geräten, mit einzelnen Ausreißern nach oben je nach Heizart und Verbrauch. Ein sinnvoller Maßstab ist daher nicht ein bestimmter Zielbetrag, sondern ob Ihr eigener Abschlag noch zu Ihrem aktuellen, tatsächlichen Verbrauch passt, gerade nach einer Veränderung wie Elternzeit, Homeoffice oder einem älter werdenden Kind.