FTTB oder FTTH? Warum Münchens Glasfaser-Vorteil komplizierter ist, als er klingt
München hat gegenüber den meisten deutschen Großstädten einen echten Vorteil: statt der üblichen Wahl zwischen Telekom und Vodafone gibt es mit M-net ein drittes, kommunal verankertes Netz. M-net, mehrheitlich der Stadtwerke München (SWM) gehörend, hat bereits rund 650.000 Münchner Haushalte und Geschäfte mit Glasfaser bis ans Gebäude (FTTB) erschlossen, 2026 startet der Ausbau in weiten Teilen von Maxvorstadt und Schwabing, mit Wohnungsanschlüssen (FTTH) von bis zu 5.000 Mbit/s. Parallel baut die Telekom eigene Glasfaser aus, mit dem erklärten Ziel von rund 1 Million Münchner Haushalten bis 2032, davon 674.000 allein im Innenstadtbereich, und Vodafones Kabelnetz erreicht nach Angaben von Vergleichsportalen schätzungsweise 90 Prozent der Münchner Bevölkerung mit bis zu 1.000 Mbit/s. Keines davon garantiert, dass die eigene Adresse tatsächlich alle drei Netze zur Auswahl hat, das bleibt eine Frage von Straße zu Straße. Und ein technisches Detail wird beim Vergleichen oft übersehen: Ein als 'Glasfaser verfügbar' gemeldetes Gebäude hat oft nur FTTB, Glasfaser bis zum Keller, nicht zwangsläufig FTTH bis in die eigene Wohnung, ein Unterschied, der bei den beworbenen Höchstgeschwindigkeiten sehr wohl eine Rolle spielt. Ist die Verfügbarkeit erst geklärt, gelten deutschlandweit dieselben Vertragsregeln: Erstlaufzeit maximal 24 Monate, danach jederzeit mit einem Monat Frist kündbar, und seit Juli 2022 ein gesetzlich vorgeschriebener Kündigungsbutton auf jeder Anbieter-Website.
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Drei Netze statt zwei, aber mit einem Haken
Die meisten deutschen Großstädte bieten beim Heiminternet nur eine Wahl: Deutsche Telekom oder Vodafone. München ist die Ausnahme, und der Grund liegt eher in der Kommunalpolitik als in der Telekommunikationsstrategie.
M-net gehört mehrheitlich den Stadtwerken München (SWM), demselben kommunalen Unternehmen, das Wasser, Stromnetz und Teile des öffentlichen Nahverkehrs betreibt. Statt darauf zu warten, dass ein bundesweiter Anbieter München priorisiert, haben SWM und M-net bereits Mitte der 2000er Jahre begonnen, ein eigenes, unabhängiges Glasfasernetz aufzubauen. Heute erreicht M-net nach eigenen Angaben rund 650.000 Haushalte und Geschäfte in München mit Glasfaser bis zum Gebäude (FTTB).
FTTB oder FTTH: Das Detail, das beim Tarifvergleich oft untergeht
Hier liegt eine technische Unterscheidung, die bei den meisten Vergleichsportalen zu kurz kommt. FTTB, Fiber to the Building, bedeutet, dass die Glasfaser bis zum Haus oder bis in den Keller verlegt ist, die letzten Meter bis in die einzelne Wohnung laufen dann noch über die klassische Kupfer-Hausverkabelung (VDSL). FTTH, Fiber to the Home, bringt die Glasfaser direkt bis zur eigenen Wohnungstür. Der Großteil von M-nets rund 650.000 erschlossenen Adressen läuft aktuell auf FTTB-Basis. Erst die neuere, echte FTTH-Erschließung erlaubt laut M-nets eigener Produktseite Geschwindigkeiten von bis zu 5.000 Mbit/s.
Praktisch heißt das: Ein Gebäude, das ein Vergleichstool als “glasfaserversorgt” anzeigt, hat damit noch nicht zwangsläufig FTTH in der eigenen Wohnung. Wer eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit fest einplant, etwa weil mehrere Personen im Haushalt gleichzeitig im Homeoffice arbeiten, sollte beim Anbieter konkret nachfragen, welche der beiden Technologien an der eigenen Adresse tatsächlich verfügbar ist, statt sich auf die allgemeine Verfügbarkeitsmeldung zu verlassen.
M-net kündigt für 2026 den Ausbaustart in weiten Teilen von Maxvorstadt und Schwabing an, als Teil einer schrittweisen Strategie, die bestehenden FTTB-Gebiete Stadtteil für Stadtteil auf echtes FTTH umzustellen. Wer in einem dieser beiden Viertel wohnt oder plant, dorthin zu ziehen, sollte diesen Zeitplan im Blick behalten, auch wenn er sich verschieben kann.
| Anbieter | Netz in München | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|---|
| M-net | Eigenes Glasfasernetz, seit Mitte der 2000er mit den Stadtwerken München aufgebaut | Rund 650.000 Haushalte und Geschäfte, meist FTTB, FTTH-Umstellung läuft Stadtteil für Stadtteil (2026: Maxvorstadt, Schwabing) |
| Telekom | Eigenes Glasfaser- (FTTH) und DSL-Netz, bundesweit | Ziel: rund 1 Million Münchner Haushalte bis 2032, davon 674.000 allein im Innenstadtbereich |
| Vodafone | Eigenes Kabelnetz, bundesweit | Größte bestehende Reichweite, schätzungsweise 90 Prozent der Münchner Bevölkerung bereits gigabitfähig per Kabel |
| O2 und 1&1 | Verkaufen meist Zugang zum Telekom- oder Vodafone-Netz weiter | Oft der günstigere Listenpreis für eine ähnliche Leitung |
Die Telekom baut parallel, nicht in direkter Konkurrenz um dieselben Straßenzüge, und peilt insgesamt rund 1 Million Münchner Haushalte und Unternehmen auf Glasfaser (FTTH) bis 2032 an, davon 674.000 allein im Innenstadtbereich, ein Gebiet, das die Telekom zusätzlich zum bereits laufenden Ausbau außerhalb der City neu erschließt. Nach eigenen Angaben kooperiert die Telekom dabei mit der Stadt München bei Flächen- und Standortfragen. Vodafones Kabelnetz wiederum, laut Vergleichsportal-Daten von internetanbieter.de, erreicht schätzungsweise 90 Prozent der rund 1,51 Millionen Münchner Einwohner mit bis zu 1.000 Mbit/s, ein älteres Netz, das beiden Glasfaser-Vorstößen vorausgeht und weiterhin die größte Flächendeckung der drei Anbieter hat.
Keines davon garantiert, dass eine bestimmte Adresse Zugriff auf alle drei Netze hat. Jedes wurde Straße für Straße aufgebaut, oft mit Jahren Abstand, eine Wohnung in Sendling kann im M-net-Gebiet und im Vodafone-Kabelgebiet liegen, aber jahrelang auf Telekom-Glasfaser warten müssen, während ein neuerer Bau anderswo vom ersten Tag an Telekom-Glasfaser hat und sonst nichts.
Foto: Brett Sayles, Pexels
Adresse prüfen, dann den Vertrag lesen
Mit drei statt zwei Netzen lohnt sich die adressgenaue Prüfung in München noch mehr als anderswo. Der DSL-Vergleich von Verivox prüft M-net, Telekom, Vodafone, O2 und 1&1 gegen die exakte Hausnummer, erspart den Aufwand, fünf einzelne Anbieterseiten zu besuchen, und ist der einzige verlässliche Weg zu erfahren, welche Technologie tatsächlich am eigenen Gebäude ankommt statt drei Straßen weiter.
Ist die Verfügbarkeit geklärt, gelten die Vertragsbedingungen unabhängig vom gewählten Netz bundesweit gleich. Seit einer Reform des Telekommunikationsgesetzes, die zum 1. Dezember 2021 in Kraft trat, darf ein Anbieter die Erstlaufzeit auf höchstens 24 Monate festlegen, und sobald diese Mindestlaufzeit endet, ist eine Kündigung mit einem Monat Frist jederzeit möglich, statt stillschweigend in eine weitere Mehrjahresbindung zu rutschen. Verpasst man die Kündigung und der Vertrag verlängert sich automatisch, darf der Anbieter laut Bundesnetzagentur höchstens einen weiteren Monat binden.
Zwei separate Sonderkündigungsrechte kommen hinzu. Erstens: Zieht man um und der bisherige Anbieter kann die vertraglich zugesicherte Geschwindigkeit an der neuen Adresse nachweislich nicht liefern, ist eine Kündigung mit einem Monat Frist möglich, unabhängig davon, wie viel von der Mindestlaufzeit noch übrig ist. Zweitens: Erhöht der Anbieter mitten im Vertrag den Preis, entsteht ein eigenständiges Recht auf Kündigung innerhalb von drei Monaten nach Zugang der Ankündigung, ganz ohne Frist.
Was echte Leute sagen
Eine praktische Neuerung hat den Kündigungsprozess spürbar verbessert, und sie geht in älteren Ratgebern leicht unter. Seit dem 1. Juli 2022 muss laut § 312k BGB jeder Anbieter eines Online-Vertrags einen leicht auffindbaren Kündigungsbutton auf seiner Website bereitstellen, unmissverständlich beschriftet und ohne Login erreichbar. Bietet ein Anbieter diesen Button gar nicht an, besteht das Recht auf sofortige Kündigung ohne jede Frist, ein Vorteil, den viele Neuankömmlinge nicht kennen. Die einzige Ausnahme: Verträge, die vor dem 1. März 2022 unterschrieben wurden, können noch ältere, weniger verbraucherfreundliche Verlängerungsklauseln enthalten, ein Punkt, der sich lohnt zu prüfen, wenn man einen bestehenden Vertrag von einem Vormieter übernimmt.
Erfahrungsberichte zu M-net lesen sich wie die meisten Bewertungen deutscher Internetanbieter, eine echte Mischung statt eines klaren Urteils: Viele schildern eine reibungslose Glasfaserinstallation und danach eine stabile Verbindung, andere berichten von Technikern, die nach einem Termin nie wieder anriefen, oder von Router-Problemen, die mehrere Besuche brauchten. Nichts davon deutet darauf hin, dass M-net schlechter ist als die bundesweiten Anbieter, aber auch nichts darauf, dass es gegen dieselbe Termin-Problematik immun wäre. Stiftung Warentests breitere Tests über deutsche Anbieter hinweg fanden reale Wartezeiten von über zehn Wochen in einem relevanten Anteil der Fälle, meist weil ein geplanter Termin verschoben wurde, manchmal mehrfach, nicht weil die ursprüngliche Schätzung von ein bis drei Wochen von Anfang an falsch war.
Bei der reinen Netzqualität bewertete CHIPs Netztest 2025/26 das Telekom-Netz insgesamt am besten, Vodafone knapp dahinter, und O2 verzeichnete die größte Verbesserung im Jahresvergleich. M-net und 1&1 waren nicht Teil dieser bestimmten Rangliste, und der Test misst explizit Mobilfunknetz-Leistung, nicht Festnetz-Internet, weshalb er eher als allgemeiner Reputationskontext zu lesen ist, nicht als direktes Urteil über eine bestimmte Heiminternet-Leitung.
Schritt für Schritt
- Prüfen Sie die genaue Adresse bei einem Vergleichstool, bevor Sie irgendetwas als verfügbar annehmen. München hat drei echte Netze im Spiel, aber die Abdeckung schwankt weiterhin von Straße zu Straße und manchmal von Gebäude zu Gebäude.
- Fragen Sie gezielt nach FTTB oder FTTH. Ein als glasfaserversorgt gemeldetes Gebäude kann noch auf FTTB laufen, mit den letzten Metern über Kupfer, statt auf echtem FTTH bis in die Wohnung.
- Vergleichen Sie Technologie, nicht nur Preis. M-net-Glasfaser, Telekom-Glasfaser und Vodafone-Kabel sind keine austauschbaren Produkte. Wer im Homeoffice arbeitet oder mit mehreren Personen gleichzeitig Videocalls führt, für den zählt die Upload-Geschwindigkeit oft mehr als die beworbene Download-Zahl.
- Lesen Sie die Mindestlaufzeit und das Kündigungsfenster vor der Unterschrift, nicht erst, wenn die erste Rechnung mit einem Preis kommt, der nicht mehr dem entspricht, was Sie in Erinnerung hatten.
- Prüfen Sie vor der Unterschrift, ob der Anbieter tatsächlich einen Online-Kündigungsbutton anbietet. Fehlt er später beim Kündigen, ist genau diese Abwesenheit ein eigenständiger Grund für eine fristlose Kündigung.
- Bestellen Sie den Anschluss so früh wie möglich, idealerweise vor dem Einzug, und kündigen Sie einen bestehenden Vertrag erst, wenn die neue Leitung nachweislich funktioniert.
Rechtlicher Hinweis
Diese Seite erklärt den allgemeinen Rahmen für die Wahl und den Wechsel eines Heiminternet-Anbieters in München, Stand Sommer 2026. Sie ist keine Rechts- oder Finanzberatung. Abdeckung, Preise und Vertragsbedingungen ändern sich je nach Adresse und Anbieter, bestätigen Sie die aktuelle Verfügbarkeit und die Bedingungen direkt bei M-net, der Telekom, Vodafone oder Ihrem gewählten Vergleichstool, bevor Sie etwas unterschreiben.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Was ist M-net, und warum hat nicht jede deutsche Stadt so etwas?
M-net gehört mehrheitlich den Stadtwerken München (SWM), demselben kommunalen Unternehmen, das auch Wasser, Strom und einen Teil des öffentlichen Nahverkehrs der Stadt betreibt. Statt darauf zu warten, dass Telekom oder Vodafone München priorisieren, hat SWM zusammen mit M-net bereits Mitte der 2000er Jahre ein eigenes, unabhängiges Glasfasernetz aufgebaut. Deshalb hat München ein echtes drittes großes Netz, während die meisten deutschen Städte bei der üblichen Zweierwahl bleiben. Nicht jede Kommune hat den politischen Willen oder die finanzielle Kraft für ein solches Projekt, weshalb M-net auf Bayern konzentriert bleibt statt bundesweit zu expandieren.
Was ist der Unterschied zwischen FTTB und FTTH, und warum ist das für mich wichtig?
FTTB (Fiber to the Building) bedeutet, dass die Glasfaser bis zum Gebäude, meist bis in den Keller oder Hausanschlussraum, verlegt ist, während die letzten Meter bis in die Wohnung oft noch über klassische Kupferleitungen (VDSL) laufen. FTTH (Fiber to the Home) bringt die Glasfaser direkt bis in die Wohnung. Der Großteil von M-nets rund 650.000 erschlossenen Haushalten läuft aktuell noch auf FTTB-Basis, während neuere FTTH-Anschlüsse Geschwindigkeiten bis zu 5.000 Mbit/s ermöglichen. Ein Gebäude als 'glasfaserversorgt' gelistet zu sehen, sagt also noch nicht, welche der beiden Varianten tatsächlich in der eigenen Wohnung ankommt, das lohnt sich, beim Anbieter konkret nachzufragen, bevor man sich auf eine bestimmte Geschwindigkeit verlässt.
Wenn M-net, Telekom und Vodafone alle in München aktiv sind, heißt das, jede Adresse hat alle drei?
Nein. Jedes Netz wurde Straße für Straße aufgebaut, oft mit Jahren Abstand, deshalb kann eine Wohnung in M-nets FTTB-Gebiet und im Vodafone-Kabelgebiet liegen, aber noch Jahre auf Telekom-Glasfaser warten, während ein Neubau anderswo vom ersten Tag an Telekom-Glasfaser hat und sonst nichts. Prüfen Sie die konkrete Adresse bei einem Vergleichstool, statt aus Münchens insgesamt starker Netzabdeckung auf das eigene Gebäude zu schließen.
Was passiert 2026 konkret beim Glasfaserausbau in München?
M-net beginnt 2026 mit dem Ausbau in weiten Teilen der Maxvorstadt sowie Schwabing, ein Teil der schrittweisen Stadtteil-für-Stadtteil-Strategie hin zu FTTH. Parallel hat die Telekom angekündigt, zusätzlich zum bereits laufenden Ausbau außerhalb der Innenstadt jetzt auch den Innenstadtbereich selbst mit einem eigenen Glasfasernetz für rund 674.000 Haushalte und Unternehmen zu erschließen, mit Zielhorizont Ende 2032, und dabei mit der Stadt München bei Flächen- und Standortfragen zu kooperieren. Ein festes Datum für eine bestimmte Straße lässt sich daraus trotzdem nicht ableiten, die adressgenaue Prüfung bleibt der verlässlichere Schritt.
Ist ein 24-Monats-Vertrag wirklich zwei volle Jahre lang bindend?
Die Erstlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen, das ist korrekt, aber sobald diese Mindestlaufzeit endet, verlängert sich der Vertrag nicht automatisch um eine weitere lange Periode. Ab diesem Zeitpunkt können Sie mit einer Frist von einem Monat jederzeit kündigen, laut Bundesnetzagentur eine Regel, die seit Dezember 2021 im Telekommunikationsgesetz (§ 56 Absatz 3 TKG) verankert ist. Verpassen Sie die Kündigung und der Vertrag verlängert sich automatisch, darf der Anbieter Sie höchstens einen weiteren Monat binden, keine neue Mehrjahresperiode.
Stimmt es, dass Anbieter jetzt eine Ein-Klick-Kündigung online anbieten müssen?
Ja, seit dem 1. Juli 2022 muss jeder Anbieter eines Online-Vertrags nach § 312k BGB einen leicht zugänglichen, unmissverständlich beschrifteten Kündigungsbutton auf seiner Website bereitstellen, ohne Login und ohne im Kundenbereich versteckt zu sein. Fehlt dieser Button, können Sie sofort und ohne jede Kündigungsfrist aussteigen. Eine Ausnahme betrifft Verträge, die vor dem 1. März 2022 abgeschlossen wurden, diese können noch nach älteren, weniger verbraucherfreundlichen Verlängerungsregeln laufen.
