Schuleingangsuntersuchung in München: Was passiert und wie Sie Ihr Kind wirklich vorbereiten

Die Gesundheitsuntersuchung zur Einschulung, in München in ihrer reformierten Fassung als rSEU bekannt, findet rund eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Schulstart statt, meist im vorletzten Kindergartenjahr. Der Termin läuft in zwei klar getrennten Stufen ab: Zuerst führt eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekraft ein rund 60-minütiges Screening durch, das Hören, Sehen, Größe, Gewicht und Kopfumfang, den Sprachstand sowie einfache, spielerisch verpackte Aufgaben zu Motorik und ersten Vorläuferfähigkeiten fürs Lesen und Schreiben abdeckt. Eine ärztliche Untersuchung von weiteren 30 bis 60 Minuten folgt nur, wenn das Screening etwas auffällig findet, kein aktueller Vorsorgenachweis vorliegt oder die Eltern selbst danach fragen. Zum Termin gehören das gelbe Untersuchungsheft mit eingetragenem U8 oder U9, der Impfausweis sowie der Anamnesebogen und Kita-Fragebogen aus dem Einladungsschreiben, denn ein fehlender Nachweis über U8 oder U9 macht die ärztliche Untersuchung ausdrücklich zur Pflicht statt zur Ausnahme. Was die Vorbereitung des Kindes angeht, sind sich offizielle Stellen und erfahrene Eltern einig: Nichts einüben. Die Untersuchung kennt kein Bestehen oder Durchfallen, die Aufgaben sind bewusst spielerisch angelegt, und ein ruhiger, unaufgeregter Umgang mit dem Termin bringt mehr als jede Übung am Vorabend.

Zwei Fragen, die jede Einladung auslöst

Sobald der Brief zur Gesundheitsuntersuchung zur Einschulung im Briefkasten liegt, stellen sich die meisten Eltern zwei Dinge gleichzeitig: Was genau passiert bei diesem Termin, und gibt es überhaupt etwas, das man vorher mit dem Kind üben sollte. Beide Fragen lassen sich klarer beantworten, als der eher trockene Ton des Einladungsschreibens vermuten lässt.

Die Untersuchung ist für jedes Kind in Bayern Pflicht, und München führt davon die reformierte Fassung durch. Grundlage ist Art. 80 BayEUG, wonach Kinder innerhalb der zwei Jahre vor der Aufnahme in die Jahrgangsstufe 1 auf Einladung des zuständigen Gesundheitsamts teilnehmen müssen. Die reformierte Schuleingangsuntersuchung, kurz rSEU, verschiebt den Fokus laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit stärker darauf, ob ein Kind Unterstützung für einen erfolgreichen Schulstart braucht, und der Termin liegt in aller Regel im vorletzten Kindergartenjahr, also ungefähr eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Schulbeginn. In München finden die Termine mittlerweile zentral im Haus für Kinder- und Jugendgesundheit in der Hackenstraße 12 statt, dem früheren städtischen Bürogebäude, das seit März 2026 als gemeinsamer Standort für den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst dient.

Der Ablauf selbst gliedert sich in zwei klar voneinander getrennte Stufen. Zuerst übernimmt eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekraft ein Screening von rund 60 Minuten: Dabei geht es um die Krankengeschichte des Kindes, einen Blick in Impfausweis und gelbes U-Heft, Hör- und Sehtests, das Messen von Größe, Gewicht und Kopfumfang, eine Sprachstandserhebung sowie spielerische Aufgaben, die Fein- und Grobmotorik zusammen mit ersten Vorläuferfähigkeiten fürs Lesen und Schreiben abdecken, etwa das Erkennen von Mengen oder das Beschreiben räumlicher Beziehungen. Erst danach, und auch nur unter bestimmten Voraussetzungen, folgt eine ärztliche Untersuchung von meist weiteren 30 bis 60 Minuten: wenn das Screening etwas auffällig findet, wenn kein aktueller Vorsorgenachweis vorliegt, oder wenn die Eltern selbst ausdrücklich darum bitten.

Was zum Termin gehört, und warum jedes Dokument zählt
UnterlageWarum sie gebraucht wird
Gelbes Untersuchungsheft (U-Heft)Muss die zuletzt fällige Vorsorgeuntersuchung, U8 oder U9, eingetragen zeigen
ImpfausweisWird zusammen mit dem U-Heft im Rahmen der Gesundheitsvorgeschichte geprüft
Anamnesebogen und Kita-FragebogenKommen mit dem Einladungsschreiben, bitte vorab ausfüllen
Brille, Hörgerät, Schwerbehindertenausweis oder AllergiepassNur mitbringen, falls für Ihr Kind zutreffend

Ein fehlender Nachweis über U8 oder U9 hat eine konkrete, oft übersehene Folge. Sowohl das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als auch die Landeshauptstadt München bestätigen auf ihren jeweils eigenen Seiten unabhängig voneinander denselben Punkt: Fehlt der Nachweis der altersgerechten Vorsorgeuntersuchung, wird die ärztliche Untersuchung zusätzlich zum Screening zur Pflicht, nicht zur Option. Damit ist klar, dass es sich um eine landesweite Regel handelt und nicht um eine bloße Einzelfallpraxis eines einzelnen Landkreises. Familien in dieser Lage haben zwei realistische Möglichkeiten: entweder die fehlende Vorsorgeuntersuchung vorab beim Kinderarzt nachholen, was außerhalb des üblichen Altersfensters mit einer Gebühr verbunden sein kann, oder einfach wie geplant zum Termin erscheinen, denn das Gesundheitsamt bietet für genau diesen Fall vor Ort eine kostenlose, gleichwertige Untersuchung an.

Bei der Frage, wie man das Kind vorbereitet, decken sich offizielle Hinweise und die Erfahrung von Eltern, die den Termin bereits hinter sich haben, ziemlich genau. Keine der beiden Seiten empfiehlt Pauken oder gezieltes Üben. Die Untersuchung ist nicht um Wissen herum aufgebaut, das sich kurzfristig antrainieren ließe, und die Aufgaben sind bewusst so angelegt, dass sie sich eher nach Spiel anfühlen als nach Test. Was tatsächlich hilft, ist eine ruhige, altersgerechte Erklärung dessen, was gleich passiert, ohne unnötiges Drama, und eine entspannte Haltung der Eltern selbst beim Betreten des Untersuchungsraums.

Ein heller Untersuchungsraum mit einer Größen- und Sehtafel an der Wand, daneben ein kleiner Tisch mit Buntstiften und einem Zeichenblock

Was Betroffene berichten

In deutschen Elternforen kehren rund um diese Untersuchung immer wieder dieselben Sorgen zurück, was schon zeigt, wie lohnend es ist, sie einmal direkt anzusprechen. Ein wiederkehrendes Thema dreht sich um Malaufgaben: Eltern berichten, ihr Kind male zwar gerne Ausmalbilder aus, verweigere aber freies Zeichnen, und fragen sich, ob das ein Problem sei. In einem länger laufenden Thread im urbia.de-Forum meldet sich dazu eine Nutzerin zu Wort, die sich als Kitaleitung zu erkennen gibt, und bringt die Sache auf den Punkt: Wer regelmäßig einen Stift richtig in der Hand hält, egal ob beim Ausmalen oder beim freien Zeichnen, erfüllt genau das, was hier eigentlich geprüft wird, nämlich die Stifthaltung und die Feinmotorik dahinter, nicht die künstlerische Qualität des Ergebnisses. Andere Eltern im selben Forum stellen ganz ähnliche Fragen, ob ein schüchternes oder ängstliches Kind Nachteile hat, was die eher kognitiven Aufgaben eigentlich abfragen, und ob kurzfristiges Üben überhaupt etwas bringt. Wer den Termin schon hinter sich hat, beschreibt ihn meist übereinstimmend als entspannte, spielerisch gehaltene Situation, in der die Pflegekraft aktiv versucht, dem Kind die Anspannung zu nehmen, und in der die eigene Gelassenheit als Elternteil vorab mehr zählt als alles andere.

Schritt für Schritt

  1. Prüfen Sie das gelbe U-Heft, sobald die Einladung eintrifft, und kontrollieren Sie, ob die zuletzt fällige Vorsorgeuntersuchung, U8 oder U9, tatsächlich eingetragen ist.
  2. Fehlt U8 oder U9, vereinbaren Sie vorab einen Termin beim Kinderarzt, oder planen Sie stattdessen mit der kostenlosen, gleichwertigen Untersuchung vor Ort.
  3. Füllen Sie Anamnesebogen und Kita-Fragebogen vorab aus, beide kommen normalerweise gemeinsam mit dem Einladungsschreiben.
  4. Verzichten Sie auf Lernkarten und gezieltes Üben, und lassen Sie Ihr Kind stattdessen die entspannten Mal-, Ausmal- oder Schreibaktivitäten machen, die es ohnehin gerne mag.
  5. Sprechen Sie vorab in einfachen, beruhigenden Worten mit Ihrem Kind darüber, was passieren wird, und gehen Sie selbst ruhig und unaufgeregt in den Termin.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt den allgemeinen Ablauf der Münchner Schuleingangsuntersuchung sowie die aktuelle bayerische Verwaltungspraxis, Stand Juli 2026, das ist aber keine medizinische oder rechtliche Beratung. Haben Sie zu einem konkreten medizinischen oder entwicklungsbezogenen Thema Fragen, die Sie schon vor dem Termin klären möchten, helfen Ihnen Ihre Kinderarztpraxis oder die Kita Ihres Kindes dabei, die richtigen Punkte gegenüber dem Gesundheitsamt anzusprechen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Was passiert bei diesem Termin eigentlich Schritt für Schritt?

Jedes Kind durchläuft zuerst dieselbe erste Stufe: ein rund 60-minütiges Screening durch eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekraft. Dazu gehören ein Blick in die Krankengeschichte, die Kontrolle von Impfausweis und gelbem U-Heft, ein Hör- und ein Sehtest, das Messen von Größe, Gewicht und Kopfumfang, eine Einschätzung des Sprachstands sowie einfache, spielerisch verpackte Aufgaben zur Fein- und Grobmotorik und zu ersten Vorläuferfähigkeiten fürs Lesen und Schreiben, etwa das Erkennen von Mengen oder Unterschieden. Eine ärztliche Untersuchung schließt sich nur in bestimmten Fällen an: wenn das Screening etwas auffällig findet, wenn kein aktueller Vorsorgenachweis vorliegt, oder wenn die Eltern selbst ausdrücklich danach fragen. Diese zweite Untersuchung dauert meist noch einmal 30 bis 60 Minuten.

Welche Unterlagen müssen wir zum Termin mitbringen?

Bringen Sie das gelbe Untersuchungsheft mit, in dem die zuletzt fällige altersgerechte Vorsorgeuntersuchung, U8 oder U9, eingetragen sein muss, dazu den Impfausweis sowie den Anamnesebogen und den Kita-Fragebogen, die beide bereits mit dem Einladungsschreiben verschickt werden und im Idealfall vorab ausgefüllt sind. Trägt Ihr Kind eine Brille oder ein Hörgerät, oder liegt ein Schwerbehindertenausweis beziehungsweise ein Allergiepass vor, gehören diese ebenfalls in die Tasche. Ein aktuelles Hör- oder Sehtestergebnis aus den letzten Monaten kann einen Teil der Untersuchung vor Ort mitunter ersetzen, es lohnt sich also, das ebenfalls mitzunehmen, falls vorhanden.

Was passiert, wenn der Nachweis über U8 oder U9 fehlt?

Genau das ist der Punkt, an dem Familien häufig überrascht werden, und die Konsequenz ist konkret. Sowohl das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als auch die Landeshauptstadt München selbst legen unabhängig voneinander fest, dass ein fehlender Nachweis über die zuletzt fällige Vorsorgeuntersuchung, U8 oder U9, die ärztliche Untersuchung zusätzlich zum üblichen Screening verpflichtend macht, statt sie der Wahl zu überlassen. Fällt Ihnen vorab auf, dass U8 oder U9 fehlt, gibt es zwei realistische Wege: Sie lassen die Untersuchung vorab beim Kinderarzt nachholen, was außerhalb des üblichen Altersfensters mit Kosten verbunden sein kann, oder Sie erscheinen einfach wie geplant, denn das Gesundheitsamt bietet für genau diesen Fall vor Ort eine kostenlose, gleichwertige Untersuchung an. In jedem Fall lohnt sich ein Blick ins U-Heft vor dem Termin, um nicht überrascht zu werden.

Sollten wir mit unserem Kind vorher üben oder es gezielt vorbereiten?

Die durchgängige Antwort, sowohl von offizieller Seite als auch von Eltern, die den Termin bereits hinter sich haben, lautet: Ein gezieltes Einüben bringt nichts. Die Untersuchung ist nicht um Wissen herum aufgebaut, das sich in letzter Minute nachholen ließe, und die Aufgaben sind bewusst so gestaltet, dass sie sich für das Kind wie Spiel anfühlen, nicht wie eine Prüfung. Wer trotzdem etwas tun möchte, kann ganz normale, entspannte Beschäftigungen weiterlaufen lassen, die das Kind ohnehin gerne macht, ein Beschäftigungsheft, gemeinsames Malen oder das Üben des eigenen Namens beim Spielen reicht völlig. Neues Material speziell für diesen Termin einzuführen, ist nicht nötig.

Unser Kind ist schüchtern oder mag nicht gerne malen, was können wir tun?

Diese Sorge taucht in deutschen Elternforen ständig auf, häufig gerade rund um die Malaufgaben, weil manche Kinder zwar gerne Ausmalbilder bearbeiten, freies Zeichnen aber ablehnen. Erfahrene Eltern und Fachkräfte beruhigen hier übereinstimmend: Entscheidend ist die Stifthaltung und die Feinmotorik dahinter, nicht das künstlerische Ergebnis, genau das wird bei diesen Aufgaben eigentlich geprüft. Bei allgemeiner Schüchternheit oder Anspannung vor neuen Situationen hilft eine einfache, altersgerechte Erklärung, was gleich passiert, ohne daraus eine große Sache zu machen, dazu ein selbst entspannter Auftritt der Eltern. Machen Sie Ihrem Kind ruhig klar, dass es kein Problem ist, wenn eine einzelne Aufgabe nicht perfekt gelingt, denn die Untersuchung ist als lockere, spielerische Situation angelegt und nicht als formeller Test.

Ist das eine Prüfung, bei der unser Kind durchfallen kann?

Nein. Die Untersuchung hält den aktuellen Entwicklungsstand Ihres Kindes fest, sie ist keine Zulassungsprüfung mit einem Alles-oder-nichts-Ergebnis. Der weit überwiegende Teil der Kinder durchläuft sie ohne jeden Befund, und bei den meisten übrigen Fällen läuft es auf eine konkrete, begrenzte Empfehlung hinaus, häufig Logopädie, Ergotherapie oder Physiotherapie, während Ihr Kind ganz normal auf dem Weg zur Einschulung bleibt. Nur eine kleinere Gruppe von Fällen führt zu einem tieferen Gespräch über sonderpädagogischen Förderbedarf oder, getrennt davon, darüber, ob ein Jahr Wartezeit dem Kind wirklich besser passen würde. Beide Situationen sind reale Möglichkeiten, die man kennen sollte, aber sie sind die Ausnahme, nicht das, was die Untersuchung standardmäßig hervorbringen soll.