Wenn Video-Ident den ausländischen Pass ablehnt: So bekommen Sie trotzdem eine deutsche SIM-Karte

Seit dem 1. Juli 2017 verlangt Deutschland für jede SIM-Karte, ob Prepaid oder Vertrag, eine Identitätsprüfung, und ein ausländischer Reisepass oder Aufenthaltstitel wird dafür grundsätzlich akzeptiert. In der Praxis scheitert genau diese Prüfung aber überraschend oft an den automatisierten Systemen dahinter, an Video-Ident per Webcam-Anruf und an den Dokumentenscannern von PostIdent in der Postfiliale. Manche EU-Dokumente, darunter neuere polnische Reisepässe und britische Personalausweise, tragen schlicht keine gedruckte deutsche Adresse, nach der die Prüfsoftware aber sucht. Bei anderen Pässen schlägt die Software Alarm, weil sie angeblich keinen ausreichenden Fälschungsschutz bieten, ein dokumentierter Fall betrifft indische Reisepässe, die sowohl bei Video-Ident als auch bei PostIdent abgelehnt wurden. Aufenthaltstitel im Papierformat ohne maschinenlesbaren Bereich lassen sich von den Scannern häufig überhaupt nicht einlesen, selbst wenn der Reisepass derselben Person problemlos funktionieren würde. Welche Länder Video-Ident-Anbieter wie WebID im Einzelnen zulassen, wird nicht als einfache Verbraucherliste veröffentlicht, ältere Schätzungen von rund 50 Ländern kursieren zwar seit Jahren, aktuellere Branchenunterlagen deuten inzwischen auf eine deutlich breitere, wenn auch technisch für Geschäftskunden verwaltete Länderabdeckung hin. Für den einzelnen Neuankömmling bleibt es trotzdem unmöglich, den eigenen Pass vorab zu prüfen. Wird man abgelehnt, hilft meist der Wechsel vom automatisierten Verfahren zur Aktivierung vor Ort in einem Laden, Supermarkt oder Kiosk, wo eine Person das Dokument mit eigenen Augen prüft, statt es durch einen Scanner laufen zu lassen, auch wenn dieser Weg je nach Anbieter und Dokument nicht in jedem einzelnen Fall sofort klappt und manchmal sogar ein Anbieterwechsel nötig ist. Unabhängig davon lässt sich die alte Rufnummer aus dem Heimatland nicht mitnehmen: Die Rufnummernmitnahme (MNP) funktioniert in Deutschland ausschließlich zwischen deutschen Anbietern, eine ausländische Nummer hat eine andere Ländervorwahl und kann nicht importiert werden, wer am Ende erfolgreich registriert, bekommt in jedem Fall eine neue deutsche Nummer.

Die offizielle Regel

Seit dem 1. Juli 2017 braucht jede in Deutschland verkaufte SIM-Karte, ob Prepaid oder mit Vertrag, eine Identitätsprüfung. Im Prinzip ist das für jeden unkompliziert: deutsche Staatsangehörige legen einen gültigen Personalausweis oder Reisepass vor, wer keine deutsche Staatsangehörigkeit hat, weist sich mit Reisepass, Aufenthaltstitel oder Ankunftsnachweis aus. Für die eigentliche Prüfung stehen drei Wege offen: Video-Ident per Webcam-Anruf, PostIdent in der Postfiliale, oder die persönliche Aktivierung in einem Laden, der den Ausweis direkt vor Ort prüft.

In der Praxis hakt es genau bei den automatisierten Varianten dieser Prüfung, bei Video-Ident und beim Dokumentenscanner von PostIdent, die bestimmte ausländische Dokumente aus Gründen ablehnen, die mit der Echtheit des Dokuments nichts zu tun haben. Ein dokumentiertes Muster betrifft direkt einige EU-Bürger: Neuere polnische Reisepässe tragen keine gedruckte deutsche Adresse, weil polnische Behörden keine deutschen Adressdaten eintragen und deutsche Meldebehörden umgekehrt nicht befugt sind, in ein ausländisches Dokument etwas einzutragen. Britische Personalausweise (Identity Cards) haben dieselbe Lücke. Video-Ident-Systeme prüfen aber gezielt genau dieses Adressfeld, die Prüfung scheitert also, bevor überhaupt geklärt wird, wer da eigentlich vor der Kamera sitzt.

Prüfverfahren und was passiert, wenn Ihr ausländisches Dokument nicht durchkommt
VerfahrenWas bei Ablehnung eines ausländischen Dokuments passiert
Video-Ident (Webcam-Anruf)Direkte Ablehnung, wenn der Pass nicht auf der unveröffentlichten Länderliste des Anbieters steht, oder wenn die von der Prüfung erwartete gedruckte deutsche Adresse fehlt
PostIdent (Postfiliale)Der automatische Scanner lehnt manchmal Pässe ab, die er als nicht ausreichend fälschungssicher einstuft, oder Aufenthaltstitel im Papierformat, die er gar nicht erst einlesen kann
Aktivierung vor Ort (Laden, Supermarkt, Kiosk)Personal prüft das physische Dokument mit eigenen Augen, kein automatischer Scanner ist im Spiel, der es ablehnen könnte

Ein zweites, davon unabhängiges Ablehnungsmuster betrifft nicht ein fehlendes Adressfeld, sondern bestimmte Pässe direkt. Indische Reisepässe wurden bei o2 sowohl von Video-Ident als auch von PostIdent abgelehnt, ein Beitrag in der Community zitiert die Erklärung der Deutschen Post direkt: „Die Software der Post lässt keine indischen Pässe zu, denn scheinbar gelten diese als nicht fälschungssicher.” Nirgendwo ist das als offizielle Regel veröffentlicht, es taucht nur auf, wenn jemand tatsächlich darüber stolpert und nachfragt. Interessanterweise listet WebID, einer der größeren Video-Ident-Anbieter, indische Reisepässe in seiner eigenen, für Geschäftskunden bestimmten Länderliste durchaus als zulässig, es ist also oft weniger eine Frage des Passes selbst als der Software und der Konfiguration, mit der ein bestimmter Anbieter sie einsetzt. Eine einfache, für Endkunden gedachte Übersicht, welches Land bei welchem Anbieter funktioniert, wird trotzdem nirgendwo veröffentlicht. Ältere Schätzungen sprachen von rund 50 insgesamt abgedeckten Ländern, neuere Branchenunterlagen deuten inzwischen auf eine deutlich breitere Abdeckung hin, für den Einzelnen ändert das aber wenig: Ob der eigene Pass durchkommt, lässt sich vorab kaum verlässlich prüfen.

Ein drittes Muster hängt nicht am Pass, sondern am Dokumenttyp: Aufenthaltstitel im Papierformat lassen sich von Scannern häufig überhaupt nicht einlesen. Ein dokumentierter Fall betraf eine Kundin, deren Schweizer Personalausweis im Kreditkartenformat und deren Aufenthaltstitel im Papierformat bei demselben Besuch in der Postfiliale beide vom PostIdent-Lesegerät zurückgewiesen wurden, wie die Postmitarbeiterin es formulierte: „es würde beides vom Leser nicht akzeptiert”. Der Wechsel zum eigenen Schweizer Reisepass löste die Prüfung rund drei Stunden nach der Anfrage nach einem neuen Gutschein.

Ein geschlossener Reisepass liegt neben einem Smartphone und einer kleinen SIM-Karte auf einem Schreibtisch

Scheitert eine dieser automatisierten Prüfungen, lohnt es sich meist, das Online-Verfahren nicht wieder und wieder zu versuchen, sondern persönlich zu erscheinen. Ein Prepaid-Startpaket in einem Handygeschäft, an einer Supermarktkasse oder an einem Kiosk zu kaufen bedeutet, dass eine Person den Reisepass oder Aufenthaltstitel mit eigenen Augen prüft, statt ihn durch einen Scanner oder ein Webcam-System laufen zu lassen, also genau den Schritt zu umgehen, an dem es online gescheitert ist. PostIdents eigene Prozessbeschreibung bestätigt, dass die Aktivierung im Laden neben Video-Ident und PostIdent als gleichwertige Standardoption existiert, gerade weil nicht jede Situation zu den automatisierten Wegen passt. Eine hundertprozentige Garantie ist das trotzdem nicht: In der dokumentierten Geschichte um den indischen Reisepass scheiterte sogar ein Versuch direkt im Laden des ursprünglichen Anbieters sowie in drei verschiedenen Postfilialen. Andere Nutzer rieten in derselben Diskussion zu einem Startpaket bei einem großen Elektronikmarkt oder zum Wechsel zu einem Anbieter mit einem anderen Video-Ident-System, ob das am Ende tatsächlich funktioniert hat, bleibt in der Diskussion selbst offen. Bei anhaltender Ablehnung lohnt sich also, sowohl den Kanal, online zu persönlich, als auch notfalls den Anbieter zu wechseln, eine Garantie für den Erfolg ist aber auch das nicht.

Unabhängig davon sollte man nicht erwarten, all das durch die Mitnahme der alten Rufnummer zu umgehen. Die Rufnummernmitnahme (MNP) funktioniert in Deutschland nur beim Wechsel zwischen deutschen Anbietern, für eine im Ausland vergebene Nummer gibt es keinen Mechanismus, sie zu importieren. Das wird jedem, der nachfragt, klar bestätigt: Eine ausländische Nummer trägt eine andere Ländervorwahl als eine deutsche, und genau dieser strukturelle Unterschied, keine änderbare Politik, ist der Grund dafür. Welcher Verifizierungsweg am Ende funktioniert, es kommt in jedem Fall eine neue deutsche Nummer mit dazu.

Was echte Leute sagen

Das Muster, das in den dokumentierten Fällen immer wieder auftaucht: Die Ablehnung kommt gerade dann, wenn man den schwierigen Teil eigentlich schon für erledigt hält, mit einem gültigen, echten Pass in der Hand und trotzdem an einer Wand, die mit der Echtheit des Dokuments überhaupt nichts zu tun hat. Fälle mit polnischen und britischen Dokumenten beschreiben die Frustration, dass ein Adressfeld, das auf dem eigenen Ausweis schlicht nicht existiert, so behandelt wird, als müsste es da sein.

Die praktische Reaktion, die in dokumentierten Fällen am schnellsten zum Ziel führt, ist nicht das ewige Wiederholen desselben Online-Verfahrens, sondern ein kompletter Wechsel des Weges: zu einer physischen Verkaufsstelle zu gehen, wo ein Mensch statt einer Software das Dokument prüft, und wenn selbst das an einer Stelle scheitert, notfalls auch die Verkaufsstelle oder den Anbieter zu wechseln. Im Fall des Papier-Aufenthaltstitels war es der Wechsel vom Aufenthaltstitel zum Reisepass, nicht ein erneuter Versuch mit demselben Dokument, der die Sache tatsächlich löste.

Schritt für Schritt

  1. Zuerst Video-Ident oder PostIdent versuchen, die meisten Pässe kommen ohne Probleme durch, und wenn es klappt, ist das der schnellste Weg.
  2. Bei Ablehnung nicht einfach dasselbe Verfahren mit demselben Dokument wiederholen. Darauf achten, ob die Ablehnungsmeldung eine Adresse erwähnt, das deutet eher auf die EU-Dokument-Adresslücke hin als auf ein Problem mit dem Pass selbst.
  3. Als verlässlichen Ausweg zur persönlichen Aktivierung in einem Laden, Supermarkt oder Kiosk wechseln, das ersetzt den automatischen Scanner durch eine Person, die das Dokument direkt prüft.
  4. Hat nur ein Aufenthaltstitel im Papierformat versagt, beim nächsten Versuch den Reisepass mitbringen, falls vorhanden, Papierdokumente ohne maschinenlesbaren Bereich sind ein deutlich zuverlässigerer Stolperstein als Reisepässe.
  5. Nicht davon ausgehen, die Rufnummer aus dem Heimatland behalten zu können. Unabhängig davon, welcher Verifizierungsweg am Ende klappt, mit einer neuen deutschen Nummer rechnen, MNP deckt nur den Wechsel zwischen deutschen Anbietern ab.

Rechtlicher Hinweis

Diese Seite erklärt allgemeine, dokumentierte Muster bei der Identitätsprüfung für deutsche SIM-Karten, Stand Mitte 2026. Sie ersetzt keine Rechtsberatung. Anbieterspezifische Regeln, Listen zugelassener Dokumente und die eingesetzte Prüfsoftware können sich ändern, bei einer Ablehnung, die diese Seite nicht abdeckt, am besten direkt beim gewählten Anbieter die aktuellen Anforderungen bestätigen lassen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Wir hören ständig, dass bestimmte Pässe bei Video-Ident scheitern. Gibt es eine Liste, welche wirklich funktionieren?

Eine öffentlich einsehbare Verbraucherliste gibt es nicht, und genau das macht die Sache so mühsam. WebID, ein Video-Ident-Anbieter, auf den mehrere Netzbetreiber zurückgreifen, pflegt intern eine Länderliste für seine Geschäftskunden, sie wird aber nirgendwo als einfache Checkliste für Endkunden veröffentlicht. Ältere Schätzungen sprachen von rund 50 zugelassenen Ländern, aktuellere Branchenunterlagen deuten inzwischen auf eine deutlich größere Abdeckung hin, konkrete Zahlen ändern sich also über die Zeit. Was tatsächlich dokumentiert ist, ist konkreter: Neuere polnische Reisepässe und britische Personalausweise scheitern häufig, weil diese Dokumente keine gedruckte deutsche Adresse tragen und die Prüfung genau danach sucht. Separat davon wurden indische Reisepässe sowohl bei Video-Ident als auch bei PostIdent abgelehnt, ein Support-Forum zitiert die Erklärung der Deutschen Post direkt: Die Scansoftware akzeptiere sie offenbar nicht, weil sie nicht als ausreichend fälschungssicher gelten, obwohl WebID denselben Pass in seiner eigenen Geschäftskundenliste durchaus zulässt. Nichts davon garantiert, dass der eigene Pass scheitert, es bedeutet nur, dass man sich auf ein reibungsloses Online-Verfahren nicht verlassen sollte.

Unser Pass wurde von Video-Ident oder PostIdent online abgelehnt. Was ist der eigentliche Ausweg?

Die SIM-Karte stattdessen persönlich kaufen und aktivieren, in einem Handygeschäft, an einer Supermarktkasse oder an einem Kiosk, der Prepaid-Startpakete verkauft. Dort prüft eine Person den physischen Reisepass mit eigenen Augen, statt ihn durch einen Scanner oder ein Webcam-System laufen zu lassen, also genau den Schritt zu umgehen, an dem die Online-Prüfung gescheitert ist. Dieser Weg ist gut dokumentiert und funktioniert in den meisten Fällen zuverlässig, ist aber keine hundertprozentige Garantie: In einem dokumentierten Fall mit einem indischen Reisepass scheiterte sogar ein Versuch direkt im Laden des eigenen Anbieters, in drei verschiedenen Postfilialen ebenso. Andere Nutzer in derselben Diskussion rieten stattdessen zu einem Startpaket bei einem großen Elektronikmarkt oder zum Wechsel zu einem Anbieter, dessen Video-Ident-System indische Pässe grundsätzlich zulässt, ob das im konkreten Fall tatsächlich geklappt hat, geht aus der Diskussion selbst nicht mehr hervor. Es lohnt sich also, bei anhaltender Ablehnung notfalls nicht nur den Kanal, sondern auch den Anbieter zu wechseln, eine Garantie ist aber auch das nicht.

PostIdent hat unseren Aufenthaltstitel im Papierformat abgelehnt. Was jetzt?

Wenn vorhanden, mit dem Reisepass selbst erneut versuchen. Ein dokumentierter Fall aus der o2-Community betraf genau dieses Szenario: Ein Schweizer Personalausweis im Kreditkartenformat und ein Aufenthaltstitel im Papierformat wurden beim selben Besuch in der Postfiliale beide vom PostIdent-Lesegerät zurückgewiesen, die Postmitarbeiterin formulierte es so: „es würde beides vom Leser nicht akzeptiert”. Die Kundin forderte über den Support-Chat des Anbieters einen neuen PostIdent-Gutschein an und kehrte stattdessen mit dem Schweizer Reisepass zur Post zurück, die Prüfung gelang innerhalb von etwa drei Stunden. Papierdokumente ohne maschinenlesbaren Bereich sind in diesen Systemen ein deutlich zuverlässigerer Stolperstein als Reisepässe selbst.

Können wir nicht einfach unsere alte Rufnummer mitnehmen, statt uns damit herumzuschlagen?

Nein. Die Rufnummernmitnahme (MNP) funktioniert in Deutschland ausschließlich beim Wechsel zwischen deutschen Anbietern, für eine im Ausland vergebene Nummer gibt es keinen Mechanismus, sie hereinzuholen. Die Nummer aus dem Heimatland trägt eine andere Ländervorwahl als eine deutsche, und genau dieser strukturelle Unterschied, keine Politik, die sich mit der richtigen Anfrage ändern ließe, ist der Grund dafür. Welcher Verifizierungsweg am Ende erfolgreich ist, es kommt in jedem Fall eine neue deutsche Nummer dazu, die an die letztlich erfolgreich registrierte SIM-Karte gebunden ist.