Noch keine Schufa-Bonität? Trotzdem einen Stromvertrag in München bekommen

Wer gerade erst nach Deutschland gezogen ist, hat schlicht noch keine Schufa-Akte, das ist kein negativer Eintrag, sondern einfach fehlende Historie, und das versperrt trotzdem nicht den Weg zum eigenen Stromanschluss. § 36 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verpflichtet den örtlichen Grundversorger, in München ist das Stadtwerke München (SWM), jeden Haushaltskunden im eigenen Netzgebiet zu beliefern, unabhängig von der Bonität. Der Gesetzgeber lässt dafür nur eine sehr enge Ausnahme zu, nämlich wenn die Versorgung für das Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr zumutbar wäre, und genau für diesen Grenzfall sieht die Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) zwei Instrumente vor: Vorauskasse nach § 14 StromGVV, bei der die geschätzte Jahresmenge im Voraus bezahlt wird und damit kein offenes Zahlungsrisiko mehr übrig bleibt, oder eine Sicherheitsleistung (Kaution) nach § 15 StromGVV, die nur greift, wenn tatsächlich eine Rechnung unbezahlt bleibt, ansonsten aber verzinst liegen bleibt und danach unverzüglich zurückgezahlt wird. Ein Anbieter kann einen Kunden, der eine dieser beiden Absicherungen von sich aus anbietet, kaum noch mit Verweis auf eine fehlende Schufa-Auskunft ablehnen, und wer bei einem Anbieter abgewiesen wird, kann bei einem anderen anfragen, ohne dass das der eigenen Bonität schadet, kleinere und lokale Versorger zeigen sich dabei erfahrungsgemäß entgegenkommender als große bundesweite Rabattanbieter.

Die offizielle Regel

Wer gerade erst nach Deutschland gezogen ist, hat in aller Regel noch keine Schufa-Akte, einfach weil hier noch keine Zeit war, überhaupt eine Zahlungshistorie aufzubauen. Das ist kein Makel und keine schlechte Bonität, sondern schlicht eine leere Akte, und trotzdem sorgt diese Situation bei vielen Neuankömmlingen für echte Sorge vor dem ersten Stromanschluss.

§ 36 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verpflichtet den Grundversorger im jeweiligen Netzgebiet, jeden Haushaltskunden zu den allgemeinen Bedingungen zu beliefern, unabhängig von dessen Bonität. In München übernimmt Stadtwerke München (SWM) diese Rolle, weil SWM hier die meisten Haushaltskunden versorgt und laut Bundesnetzagentur damit automatisch als Grundversorger für das Netzgebiet gilt. Das ist keine freiwillige Kulanz, sondern eine echte gesetzliche Pflicht, eine pauschale Ablehnung allein wegen fehlender Schufa-Historie widerspricht ihr direkt.

Ganz ohne Ausnahme ist das Gesetz allerdings nicht: § 36 EnWG selbst erlaubt eine Verweigerung der Grundversorgung, wenn sie für das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr zumutbar wäre. Diese Ausnahme ist für echte Risikofälle gedacht, etwa wiederholt unbezahlte Rechnungen, nicht für eine schlicht noch nicht existierende Schufa-Akte. Und genau für diesen Grenzbereich hält die Stromgrundversorgungsverordnung (StromGVV) zwei konkrete, gesetzlich geregelte Werkzeuge bereit, statt dass ein Versorger einfach ablehnen dürfte.

Zwei gesetzlich geregelte Absicherungen ohne Schufa-Auskunft
OptionWie es funktioniert
Vorauskasse (§ 14 StromGVV)Geschätzte Jahresmenge im Voraus zahlen, damit entfällt das laufende Zahlungsausfallrisiko komplett
Sicherheitsleistung/Kaution (§ 15 StromGVV)Verzinste Hinterlegung für die Vertragslaufzeit, wird nur bei tatsächlich ausbleibender Zahlung genutzt und danach unverzüglich zurückgezahlt

Praktisch wird es dort spannend, wo ein einzelner Versorger ohne Schufa-Auskunft zögert, und für genau diesen Fall sind Vorauskasse und Kaution gemacht. Nach § 14 StromGVV darf der Grundversorger eine Vorauszahlung verlangen, wenn im Einzelfall Grund zur Annahme besteht, dass Zahlungen nicht rechtzeitig eingehen werden, muss dabei aber Beginn, Höhe und Grund der Vorauszahlung ausdrücklich und verständlich mitteilen. Die Höhe richtet sich nach dem Verbrauch der letzten Abrechnungsperiode oder, bei einem neuen Anschluss ohne eigene Historie, nach dem Durchschnittsverbrauch vergleichbarer Haushalte. Wer diese Vorauszahlung nicht leisten kann oder will, dem darf der Versorger laut § 15 StromGVV stattdessen eine Sicherheitsleistung in angemessener Höhe abverlangen: Eine Barkaution wird zum gesetzlichen Basiszinssatz verzinst, bleibt während der Vertragslaufzeit einfach liegen und wird unverzüglich zurückgezahlt, sobald keine Vorauszahlung mehr nötig ist, angetastet wird sie ausschließlich, wenn tatsächlich eine fällige Rechnung offenbleibt.

Ein moderner Stromzähler an einer Wand in einer Wohnung

Was echte Leute sagen

Der entscheidende Punkt, den sich viele Neuankömmlinge zu selten trauen: Ein Versorger kann einen Kunden, der von sich aus Vorauskasse oder eine Kaution anbietet, kaum noch mit dem Argument fehlender Schufa-Auskunft ablehnen, denn genau dieses Risiko ist damit ja bereits abgedeckt. Lehnt ein Anbieter trotzdem ab, schadet diese eine Absage der eigenen Bonität nicht, und bei einem anderen Anbieter anzufragen ist ein völlig normaler nächster Schritt, kein Zeichen dafür, dass mit dem eigenen Antrag etwas nicht stimmt.

Kleinere, lokal verwurzelte Versorger, dazu zählt in vielen Fällen auch der Grundversorger selbst, zeigen sich bei diesem Thema erfahrungsgemäß entgegenkommender als große bundesweite Rabattanbieter, deren Anmeldeprozesse oft stark automatisiert sind und wenig Spielraum für eine individuelle Vorauskasse- oder Kautionslösung lassen.

Schritt für Schritt

  1. Zuerst direkt bei Stadtwerke München anfragen, denn als Grundversorger trägt SWM die gesetzliche Pflicht, unabhängig von der Bonität zu beliefern.
  2. Fällt die Schufa-Prüfung leer oder negativ aus, von sich aus Vorauskasse oder eine Kaution anbieten, statt abzuwarten, bis danach gefragt wird.
  3. Direkt nach der konkreten Höhe von Kaution oder Vorauszahlung fragen, diese richtet sich nach Verbrauch und Anbieter statt einem festen bundesweiten Betrag zu folgen.
  4. Lehnt ein Anbieter ab, bei einem anderen anfragen statt von einer Sackgasse auszugehen, das schadet weder der Schufa-Auskunft noch der eigenen Bonität.
  5. Kleinere oder lokal ausgerichtete Versorger in Betracht ziehen, sie zeigen sich bei diesem Thema tendenziell entgegenkommender als große bundesweite Rabattanbieter.

Rechtlicher Hinweis

Diese Seite erklärt den allgemeinen gesetzlichen Rahmen und die übliche Praxis rund um einen Stromvertrag ohne Schufa-Auskunft in Deutschland, Stand Mitte 2026. Es handelt sich nicht um eine Rechtsberatung. Konkrete Kautionshöhen, Vorauszahlungsbeträge und die Praxis einzelner Anbieter können abweichen, aktuelle Bedingungen sollten direkt bei Stadtwerke München oder dem jeweils gewählten Versorger bestätigt werden.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Kann SWM mir wirklich Strom verweigern, nur weil ich noch keine Schufa-Historie habe?

Praktisch nicht. § 36 EnWG legt fest, dass der Grundversorger, in München also Stadtwerke München, jeden Haushaltskunden im eigenen Netzgebiet zu den allgemeinen Bedingungen beliefern muss, unabhängig von der Bonität. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Versorgung für das Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr zumutbar wäre, und dafür sieht das Gesetz eigene Werkzeuge vor, Vorauskasse oder eine Sicherheitsleistung, statt einer kompletten Ablehnung. Wer noch gar keine Schufa-Akte hat, weil er gerade erst zugezogen ist, fällt ohnehin nicht in dieselbe Kategorie wie jemand mit tatsächlicher Zahlungshistorie voller Rückstände.

Was genau ist Vorauskasse, und warum spielt Schufa dabei keine Rolle mehr?

Vorauskasse nach § 14 StromGVV bedeutet, dass der geschätzte Jahresverbrauch komplett im Voraus bezahlt wird, statt über monatliche Abschläge verteilt zu werden. Der Versorger hat das Geld also schon, bevor überhaupt geliefert wird, und genau dieses Ausfallrisiko ist es, das eine Schufa-Auskunft normalerweise einschätzen soll. Ist das Risiko durch die Vorauszahlung bereits beseitigt, bleibt für den Versorger kein Grund mehr, auf der Auskunft zu bestehen.

Wie hoch ist eine typische Kaution, und bekomme ich sie zurück?

§ 15 StromGVV schreibt nur vor, dass die Sicherheitsleistung in angemessener Höhe verlangt werden darf, einen festen bundesweiten Betrag gibt es nicht, die Höhe richtet sich nach dem geschätzten Verbrauch und variiert von Anbieter zu Anbieter, direktes Nachfragen bei der Antragstellung lohnt sich also. Eine Barkaution wird zum gesetzlichen Basiszinssatz verzinst und muss unverzüglich zurückgezahlt werden, sobald keine Vorauszahlung mehr verlangt werden darf, angetastet wird sie nur, wenn tatsächlich eine Rechnung offen bleibt.

Schadet es mir, wenn ich nach einer Absage einen anderen Anbieter anfrage?

Nein. Eine Anfrage bei einem weiteren Anbieter nach einer Absage verschlechtert weder die eigene Bonität noch die Schufa-Auskunft selbst. Kleinere, lokal ausgerichtete Versorger, dazu zählt oft auch der Grundversorger selbst, zeigen sich bei diesem Thema erfahrungsgemäß entgegenkommender als große bundesweite Rabattanbieter, es lohnt sich also, mehr als eine Option durchzuprobieren, bevor man von einer Sackgasse ausgeht.