Zeckenstiche und die FSME-Impfung: Was Familien beim Wandern in Bayern wissen müssen
Fast der gesamte Freistaat Bayern gilt als amtliches FSME-Risikogebiet (Frühsommer-Meningoenzephalitis), 95 der 96 Landkreise und kreisfreien Städte, seit 2023 auch die Stadt München selbst. Das Robert Koch-Institut (RKI) zählt bundesweit 185 Risikokreise, Stand der Kartenaktualisierung vom Februar 2026. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für alle, die in einem Risikogebiet leben oder sich dort regelmäßig aufhalten, Kinder eingeschlossen: Zwei Kinderimpfstoffe, FSME-Immun Junior und Encepur Kinder, sind ab dem ersten Geburtstag zugelassen. Die vollständige Grundimmunisierung im Standardschema von FSME-Immun braucht drei Dosen, die zweite 1 bis 3 Monate nach der ersten, im Schnellschema schon nach 14 Tagen, die dritte 5 bis 12 Monate nach der zweiten. Nach einer 2023 veröffentlichten Studie, auf die sich das RKI beruft, erreichen danach rund 97 Prozent der Geimpften vollständigen Schutz, der mindestens drei Jahre hält, bevor die erste Auffrischung fällig wird. Zecken sind von etwa März bis Oktober aktiv, sobald die Temperatur dauerhaft über rund 5 Grad Celsius liegt, mildere Winter halten sie aber zunehmend fast ganzjährig aktiv. Bayern meldete 2025 282 FSME-Fälle, nur wenig weniger als der Rekordwert von 312 im Jahr 2024, trotzdem sind nur etwa ein Fünftel der Erwachsenen und 42 Prozent der bayerischen Einschulungskinder vollständig geimpft. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für Menschen, die in einem Risikogebiet leben. Gegen FSME selbst gibt es keine ursächliche Behandlung, nur unterstützende Therapie, genau deshalb zählen Impfung und konsequente Zeckenkontrolle so sehr.
Die offizielle Regel
Fast der gesamte Freistaat Bayern gilt als amtliches FSME-Risikogebiet, und dazu zählt inzwischen auch die Stadt München selbst. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI), der zentralen deutschen Behörde für Infektionsschutz, sind mit Stand der Kartenaktualisierung vom Februar 2026 bundesweit 185 Land- und Stadtkreise als FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, Kene ensefaliti)-Risikogebiet ausgewiesen, zwei davon, Nordsachsen und die Stadt Halle (Saale), sind erst mit diesem Update neu dazugekommen. Davon liegen 95 der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern selbst, wie das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (stmgp.bayern.de) bestätigt. Die einzige Ausnahme im ganzen Freistaat ist die kreisfreie Stadt Schweinfurt. Die eigene Stadtverwaltung Münchens bestätigt, dass die Landeshauptstadt seit 2023 als FSME-Risikogebiet gilt, das Thema betrifft also nicht nur das Umland: Zecken leben auch in Stadtparks, entlang der Isar und im hohen Gras an Gartenrändern.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für alle, die in einem Risikogebiet leben oder sich dort regelmäßig aufhalten, Kinder eingeschlossen. Laut der offiziellen RKI-Impfempfehlung gilt das ausdrücklich auch für beruflich exponierte Gruppen und Reisende in Risikogebiete, im Kern aber für jeden, der dort wohnt. Zwei kindgerechte Impfstoffe, FSME-Immun Junior und Encepur Kinder, sind ab dem ersten Geburtstag zugelassen, wie auch infektionsschutz.de, das Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, bestätigt. Die Impfung wird in der Regel gut vertragen, die häufigste Reaktion bei kleinen Kindern ist ein kurzes Fieber, das laut der aktuellen RKI-FAQ zu Wirksamkeit und Sicherheit bei bis zu 15 Prozent der geimpften Kinder unter 3 Jahren auftritt.
| Dosis | Standardschema | Schnellschema |
|---|---|---|
| 1. Dosis | Tag 0 | Tag 0 |
| 2. Dosis | 1 bis 3 Monate nach Dosis 1 | 14 Tage nach Dosis 1 |
| 3. Dosis | 5 bis 12 Monate nach Dosis 2 | 5 bis 12 Monate nach Dosis 2 |
| Erste Auffrischung | 3 Jahre nach Dosis 3 | 3 Jahre nach Dosis 3 |
| Spätere Auffrischungen | Alle 5 Jahre (unter 60) / alle 3 Jahre (ab 60) | Gleich |
Der zweite zugelassene Kinderimpfstoff, Encepur, folgt laut der RKI-FAQ zum Impfschema einem etwas anderen Zeitplan: die zweite Dosis 14 Tage bis 3 Monate nach der ersten, die dritte 9 bis 12 Monate später, oder im beschleunigten Schema an Tag 0, Tag 7 und Tag 21, also in nur rund 3 Wochen. Fragen Sie beim Kinderarzt nach, welches Präparat verwendet wird, bevor Sie sich auf ein bestimmtes Datum verlassen. Ein Schutz entsteht frühestens 7 bis 14 Tage nach einer Dosis, und die volle Wirksamkeit setzt erst nach Abschluss aller drei Grunddosen ein, eine sofortige Schutzwirkung am Tag der Spritze gibt es also nicht.
Eine abgeschlossene Grundimmunisierung bietet einen starken, langanhaltenden Schutz, deshalb lohnt sich die Planung vor der Saison und nicht erst eine Woche vor einer Reise. Nach einer 2023 veröffentlichten Studie, auf die sich das RKI in seiner aktuellen Wirksamkeits-FAQ beruft, kann bei rund 97 Prozent der vollständig Geimpften von einem vollständigen Schutz vor FSME ausgegangen werden, selbst bei überschrittenen Impfabständen lag der Schutz noch bei 91 Prozent, solange die letzte Dosis weniger als 10 Jahre zurücklag. Der Basisschutz hält mindestens drei Jahre, bevor die erste Auffrischung fällig wird. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für alle, die in einem ausgewiesenen Risikogebiet leben oder dorthin reisen.
Die Zeckenaktivität in Bayern hält sich längst nicht mehr an einen festen Kalender. Das Gesundheitsministerium gibt an, dass Zecken ab etwa 5 Grad Celsius aktiv werden, mit März bis Oktober als Hauptsaison, doch Münchens eigenes Gesundheitsreferat warnt inzwischen, dass milde Winter Zecken nahezu ganzjährig aktiv halten. In der Praxis bedeutet das: Ein milder Dezembernachmittag im Englischen Garten ist nicht automatisch zeckenfrei.
Die Fallzahlen erklären, warum das Ministerium dieses Thema jedes Frühjahr erneut anspricht. Bayern meldete 2025 282 FSME-Erkrankungen, nur wenig weniger als der Rekordwert von 312 Fällen im Jahr 2024, damit bleibt es der zweithöchste Wert seit Einführung der Meldepflicht. Trotzdem hinkt die Impfquote dem Risiko deutlich hinterher: Nur etwa ein Fünftel der Erwachsenen verfügt über einen aktuellen FSME-Impfschutz, und lediglich 42 Prozent der bayerischen Einschulungskinder hatten im Schuljahr 2023/24 ihre Grundimmunisierung abgeschlossen, deutlich weniger als bei Masern, Mumps und Röteln mit rund 97 Prozent im selben Jahrgang.
FSME selbst hat keine ursächliche Behandlung, nur unterstützende Therapie, genau deshalb ist Vorbeugung die zentrale Strategie. Laut LGL Bayern (Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) entwickeln nur bis zu etwa 30 Prozent der tatsächlich mit dem Virus Infizierten überhaupt Krankheitszeichen. In symptomatischen Fällen verläuft die Erkrankung meist zweiphasig: eine erste, grippeähnliche Phase mit mäßigem Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen, gefolgt in manchen Fällen, nach einem symptomfreien Intervall, von einer zweiten Phase mit Beteiligung von Gehirn und Nervensystem. Laut dem RKI-Ratgeber FSME verläuft die Erkrankung bei rund 1 Prozent der Erkrankten tödlich, und obwohl das RKI festhält, dass FSME bei Kindern generell milder verläuft als bei Erwachsenen, wird nach RKI-Daten noch immer rund ein Viertel der kindlichen Fälle, die die neurologische Phase erreichen, als schwerwiegend eingestuft, gegenüber etwa der Hälfte bei Erwachsenen. „Meistens mild” ist also keine Garantie. Das ist eine andere Krankheit als die Borreliose (Lyme-Krankheit), eine häufigere, ebenfalls durch Zeckenstiche übertragene bakterielle Infektion ohne Impfstoff, die aber bei früher Erkennung gut auf Antibiotika anspricht, genau deshalb bleibt die Zeckenkontrolle auch bei einem vollständig geimpften Kind wichtig.

Was Betroffene berichten
Reale deutsche Elternforen zeigen, dass diese Frage auch unter Familien in offiziellen Risikogebieten keineswegs entschieden ist. In einer langen Diskussion im Kindergartenalter-Forum von urbia.de, ausgelöst durch eine bevorstehende Reise ins Vogtland, entscheiden sich die meisten Eltern ohne große innere Debatte für die Impfung, mehrere berichten, ihre Kinder hätten alle drei Dosen problemlos vertragen. Der Widerstand, der in solchen Threads auftaucht, stützt sich meist auf die reinen Fallzahlen: etwa 265 gemeldete FSME-Fälle im Jahr 2021 bei rund 80 Millionen Einwohnern werden dort als Beruhigung angeführt, das individuelle Risiko wirke klein, zusammen mit einem oft zitierten RKI-Satz, FSME verlaufe bei Kindern nahezu ausnahmslos gutartig. Eine Mutter widerspricht dem im selben Thread deutlich und schildert den Fall ihrer fünfjährigen Tochter, die nach einer durch eine Zecke übertragenen Anaplasmose von August bis Ende November krank war, kein FSME-Fall, aber eine Erinnerung daran, dass Zeckenstiche unabhängig von der FSME-Impfung Folgen haben können. In einem separaten Thread im Kleinkind-Forum von urbia.de berichten mehrere Eltern, sie hätten bewusst bis zum vierten Geburtstag mit der ersten Dosis gewartet, weil die Wahrscheinlichkeit einer Fieberreaktion mit zunehmendem Alter spürbar sinkt. Ein in einem ländlichen bayerischen Risikogebiet lebendes Elternpaar berichtete zudem von einem Kind mit vier Zeckenstichen in einem einzigen Jahr, von denen einer zu einer Borreliose führte, ein Hinweis darauf, dass Borreliose, gegen die es keinen Impfstoff gibt, für viele Eltern mindestens ebenso viel Sorge auslöst wie FSME und deshalb Repellent, bedeckende Kleidung und der abendliche Zeckencheck unabhängig von der Impfentscheidung Teil der Routine bleiben.
Schritt für Schritt
- Prüfen Sie im Zweifel, ob Sie wirklich in einem Risikogebiet leben, mit der interaktiven FSME-Karte des RKI; wer in München oder praktisch überall sonst in Bayern lebt oder sich dort regelmäßig aufhält, kann von Ja ausgehen.
- Vereinbaren Sie die erste FSME-Dosis beim Kinderarzt oder Hausarzt, sobald Ihr Kind ein Jahr alt geworden ist, idealerweise im Spätwinter, damit die Serie schon läuft, bevor die Saison richtig beginnt.
- Halten Sie sich genau an das Dreidosenschema: die zweite Dosis 1 bis 3 Monate nach der ersten im Standardschema (oder nach nur 14 Tagen im Schnellschema, falls schnellerer Schutz nötig ist), die dritte Dosis 5 bis 12 Monate nach der zweiten.
- Kleiden Sie sich bei jeder Wanderung oder jedem Waldbesuch zeckengerecht: geschlossene Schuhe, lange Hosen in die Socken gesteckt, helle Kleidung, auf der eine Zecke leichter zu erkennen ist, bevor sie sticht.
- Machen Sie nach jedem Aufenthalt im Freien eine vollständige Körperkontrolle, geimpft oder nicht: Kopfhaut, hinter den Ohren, Achseln, Leiste und Kniekehlen sind die von Zecken bevorzugten Stellen.
- Entfernen Sie eine Zecke sofort mit einer feinen Pinzette oder einer Zeckenkarte, möglichst nah an Haut und Zeckenkopf ansetzen, gerade herausziehen ohne zu drehen; verzichten Sie auf Öl, Nagellack oder Alkohol, diese Tricks helfen nicht und können die Situation verschlimmern.
- Desinfizieren Sie die Stelle, notieren Sie das Datum, und beobachten Sie sie 4 bis 6 Wochen lang. Ein sich ausbreitender roter Ring um die Einstichstelle deutet auf eine mögliche Borreliose hin und braucht einen Arztbesuch (bei früher Behandlung spricht sie gut auf Antibiotika an); Fieber, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome in den Tagen oder Wochen nach einem Stich erfordern noch am selben Tag einen Besuch beim Kinderarzt oder, außerhalb der Sprechzeiten, Münchens Kindernotdienst.
Rechtlicher Hinweis
Diese Seite fasst die offizielle bayerische und bundesdeutsche Orientierung zu FSME-Risikogebieten, Impfschemata und Zeckenschutz zusammen, Stand Mitte 2026. Risikogebiets-Einstufungen, Fallzahlen und Impfpläne werden jährlich überprüft und können sich ändern. Dies ist eine allgemeine Information, keine medizinische Beratung. Bevor Sie ein Kind impfen lassen oder bei einem vermuteten Zeckenstich beziehungsweise einer zeckenübertragenen Erkrankung handeln, bestätigen Sie aktuelle Details und holen Sie persönlichen Rat bei Ihrem Kinderarzt, Ihrer Hausärztin oder der aktuellen veröffentlichten Orientierung des bayerischen Gesundheitsministeriums unter stmgp.bayern.de ein.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Unser Kind ist noch keine 1 Jahr alt. Gibt es etwas, das es schützt, bis es alt genug für die Impfung ist?
Kein FSME-Impfstoff ist vor dem ersten Geburtstag zugelassen, bei Säuglingen bleibt also nur Vermeidung als Strategie: Kinderwagen und Tragen in hohem Gras oder Waldgebieten mit feinmaschigem Netz abdecken, auch im Sommer lange Ärmel und lange Hosen anziehen, und nach jedem Aufenthalt im Freien die freie Haut, den Haaransatz und die Stelle hinter den Ohren kontrollieren. Gerade in diesem Altersfenster zählt die konsequente Zeckenkontrolle am meisten, weil es noch keine Impfung als Rückfallebene gibt.
Wir sind erst mitten im Sommer nach München gezogen. Lohnt sich der Start der Impfserie jetzt noch?
Ja, jeder Startzeitpunkt ist besser als das Warten auf das nächste Frühjahr. Wer schneller Schutz will, kann beim Kinderarzt oder Hausarzt nach dem beschleunigten FSME-Immun-Schema fragen, dabei folgt die zweite Dosis schon 14 Tage statt 1 bis 3 Monate nach der ersten. In beiden Fällen brauchen die schützenden Antikörper nach einer Dosis rund 7 bis 14 Tage, eine sofortige Schutzwirkung gibt es also nicht, aber ein Start mitten in der Saison senkt das Risiko für den Rest dieser Saison und darüber hinaus spürbar.
Ist die FSME-Impfung dasselbe wie ein Schutz vor Borreliose?
Nein, und diese Verwechslung passiert häufig. FSME wird durch ein Virus verursacht und hat, sobald Symptome auftreten, keine ursächliche Behandlung, genau deshalb ist die Impfung so wichtig. Borreliose (Lyme-Krankheit) wird durch einen anderen Erreger verursacht, ein Bakterium, das durch denselben Zeckenstich übertragen wird, dagegen gibt es keine Impfung, aber die Krankheit spricht bei früher Erkennung gut auf Antibiotika an. Ein vollständig geimpftes Kind ist also weiterhin nicht vor Borreliose geschützt, deshalb bleiben Zeckenkontrolle und schnelles Entfernen unabhängig vom Impfstatus notwendig.
Müssen wir uns wegen Zecken auch innerhalb Münchens Sorgen machen, oder nur bei einer Wanderung im Umland?
Nach Angaben des städtischen Gesundheitsreferats ist München selbst, nicht nur das umliegende Land, seit 2023 ein amtliches FSME-Risikogebiet. Zecken leben im hohen Gras an Stadtparkrändern, entlang der Isar und an Gartenrändern, nicht nur im tiefen Wald. Dieselben Vorsichtsmaßnahmen, schützende Kleidung und eine Körperkontrolle danach, gelten für einen Nachmittag im Englischen Garten genauso wie für eine Wochenendwanderung in den Alpen.