Berlins Feiertagskalender und die Sonntagsruhe: Warum es nur 10 Feiertage gibt und wieso der Späti trotzdem offen hat
Berlin hat nur 10 gesetzliche Feiertage im Jahr, drei weniger als Bayerns 13, und einer davon ist bundesweit eine Seltenheit: der Internationale Frauentag am 8. März, seit 2019 bezahlter Feiertag in Berlin und seit 2023, als Mecklenburg-Vorpommern nachzog, nur noch in einem weiteren Bundesland verankert. Komplett fehlen in Berlin Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen, in Bayern und anderen katholisch geprägten Ländern echte freie Tage. Darunter liegt eine eigene, strengere Regel: Nach dem Berliner Ladenöffnungsgesetz (BerlLadÖffG) müssen Verkaufsstellen an jedem Sonn- und Feiertag grundsätzlich geschlossen bleiben, mit eng gefassten Ausnahmen. Blumenläden, Bäckereien, Zeitungskioske und Milchstände dürfen von 7 bis 16 Uhr öffnen, Souvenir- und Reisebedarfsläden von 13 bis 20 Uhr, und Läden in Bahnhöfen, am Flughafen sowie an Tankstellen unterliegen gar keiner Zeitgrenze, weshalb Supermärkte wie der Rewe am Ostbahnhof, der Edeka im Bahnhof Friedrichstraße und der denn's Biomarkt im Hauptbahnhof sonntags tatsächlich geöffnet haben. Der Späti an der Ecke ist unübersichtlicher: Manche sind über eine eigene Gaststättenerlaubnis, die einem ganz anderen Gesetz untersteht, an jedem Tag legal offen, andere bewegen sich in einer geduldeten Grauzone, die der Senat immer wieder mit Kontrollen bedroht. Beim Tanzverbot an stillen Feiertagen ist Berlins Fassung deutlich enger als die bayerische: Geschützt sind nur drei Tage (Karfreitag, Volkstrauertag, Totensonntag), und das Verbot öffentlicher Tanzveranstaltungen gilt nur von 4 bis 21 Uhr, sodass Clubs am selben Abend wieder legal zum Tanzen öffnen dürfen.
Die offizielle Regel
Wer mit einem bayerischen Feiertagskalender im Kopf nach Berlin zieht, wird überrascht sein, wie kurz die Liste hier ausfällt. Laut Berlins offiziellem Tourismusportal gelten in der Stadt genau 10 gesetzliche Feiertage: Neujahr (1. Januar), Internationaler Frauentag (8. März), Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit (1. Mai), Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) sowie die beiden Weihnachtsfeiertage. Das sind drei weniger als in Bayern mit 13 Feiertagen. Komplett fehlen in Berlin Heilige Drei Könige (6. Januar), Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt (15. August) und Allerheiligen (1. November), in Bayern und anderen katholisch geprägten Bundesländern reguläre, bezahlte freie Tage. Wer den eigenen Kalender mit einer aus München zugezogenen Kollegin oder einem Kollegen abgleicht, sollte nicht automatisch von denselben freien Tagen ausgehen.
| Feiertag | 2026 | 2027 |
|---|---|---|
| Neujahr | 1. Jan. (Do) | 1. Jan. (Fr) |
| Internationaler Frauentag | 8. März (So) | 8. März (Mo) |
| Karfreitag | 3. Apr. (Fr) | 26. März (Fr) |
| Ostermontag | 6. Apr. (Mo) | 29. März (Mo) |
| Tag der Arbeit | 1. Mai (Fr) | 1. Mai (Sa) |
| Christi Himmelfahrt | 14. Mai (Do) | 6. Mai (Do) |
| Pfingstmontag | 25. Mai (Mo) | 17. Mai (Mo) |
| Tag der Deutschen Einheit | 3. Okt. (Sa) | 3. Okt. (So) |
| Weihnachten (1. Feiertag) | 25. Dez. (Fr) | 25. Dez. (Sa) |
| Weihnachten (2. Feiertag) | 26. Dez. (Sa) | 26. Dez. (So) |
Der 8. März verdient eine genauere Erklärung, weil sein Status bundesweit ungewöhnlich ist. Das Abgeordnetenhaus hat den Internationalen Frauentag 2019 als bezahlten Feiertag eingeführt, Berlin war damit deutschlandweit die erste Region mit diesem Schritt. Mecklenburg-Vorpommern folgte 2023. Damit ist der Tag, Stand 2026, in genau zwei der 16 Bundesländer gesetzlicher Feiertag, und Berlin bleibt der einzige Stadtstaat unter beiden. Ein direkter Vergleich der beiden Jahre in der Tabelle oben zeigt den Unterschied konkret: 2026 fällt der 8. März auf einen Sonntag und bringt damit keinen zusätzlichen freien Tag, 2027 fällt er auf einen Montag und bringt einen. Es lohnt sich also jedes Jahr neu zu prüfen, auf welchen Wochentag der Termin fällt, bevor man fest mit einem langen Wochenende plant.
Unter dem Feiertagskalender liegt eine eigene, strengere Regel für gewöhnliche Sonntage. Der Berliner Senat formuliert es unmissverständlich: “An Sonn- und Feiertagen müssen Verkaufsstellen grundsätzlich geschlossen bleiben”, heißt es auf der offiziellen Seite zu den Ladenöffnungszeiten. Grundlage ist das Berliner Ladenöffnungsgesetz (BerlLadÖffG), und die Ausnahmen sind eng gefasst statt eine allgemeine Kulanz für “nur einen kurzen Einkauf”.
| Kategorie | Rechtsgrundlage | Erlaubte Zeiten |
|---|---|---|
| Souvenirs, Landkarten, Reiseführer, Tabak, Film, Waren zum sofortigen Verzehr | § 4 Abs. 1 Nr. 1 | 13 bis 20 Uhr |
| Blumen, Pflanzen, Zeitungen, Bäckerei- und Milchprodukte | § 4 Abs. 1 Nr. 3 | 7 bis 16 Uhr |
| Tankstellen, Apotheken, Läden in Bahnhöfen, am Flughafen, an Busbahnhöfen | § 5 | ohne Zeitgrenze |
| Verkaufsoffene Sonntage, stadtweite Verordnung | § 6 Abs. 1 | bis zu 8 Tage/Jahr, 13 bis 20 Uhr |
| Verkaufsoffene Sonntage, Einzelantrag eines Geschäfts | § 6 Abs. 2 | 2 weitere Tage/Jahr, 2 Wochen Vorlauf beim Bezirksamt |
Die Bahnhofs-Ausnahme ist diejenige, die tatsächlich einen echten Sonntagseinkauf ermöglicht. Berlins eigenes Stadtportal listet auf, welche Supermärkte dafür infrage kommen: den Rewe am Ostbahnhof, den Edeka im Bahnhof Friedrichstraße und den denn’s Biomarkt im Hauptbahnhof. Der Rewe am Hauptbahnhof, Europaplatz, hat laut eigener Filialseite sonntags konkret von 8 bis 22 Uhr geöffnet, ein wirklich brauchbares Zeitfenster, falls sonntagnachmittags etwas ausgeht. Auf einen gewöhnlichen Rewe oder Edeka im Kiez lässt sich das nicht übertragen, egal wie groß oder gut besucht er ist: Die Ausnahme hängt an der Lage (im Bahnhof, an der Tankstelle, in der Apotheke), nicht an Größe oder Beliebtheit des Ladens.
- 1 Ostbahnhof: Rewe, sonn- und feiertags geöffnet
- 2 Bahnhof Friedrichstraße: Edeka, sonn- und feiertags geöffnet
- 3 Hauptbahnhof: denn's Biomarkt, plus der Rewe am Europaplatz (sonntags 8-22 Uhr)
Der Späti an der Ecke folgt einer anderen, unübersichtlicheren Logik, und es lohnt sich, den Unterschied zu verstehen, statt einfach dem nächsten erleuchteten Schaufenster zu vertrauen. Ein echter legaler Weg existiert: Ein Laden mit Gaststättenerlaubnis untersteht dem Gaststättengesetz statt dem Ladenöffnungsgesetz und darf nach § 7 GastG an jedem Wochentag, auch sonntags, Getränke und zubereitete Speisen sowie Nebenware wie Flaschenbier, alkoholfreie Getränke, Presse, Tabak und Süßwaren verkaufen. Laut einer juristischen Einordnung von haerting.de kommt es dabei nicht darauf an, welche Warengruppe den größten Umsatzanteil ausmacht, sondern nur darauf, dass die Gaststätte tatsächlich als solche betrieben wird. Das ist ein echter, rechtlich tragfähiger Weg zum Sonntagsverkauf. Viele Spätis haben diese Erlaubnis aber nie beantragt, und für sie liegt die Sonntagsöffnung komplett außerhalb der Regeln. taz hat es unumwunden formuliert: Die Sonntagsöffnung “war vorher zwar normal in Berlin, legal war es freilich nie. Es wurde geduldet”, und Berlins zuständige Senatsverwaltung hat öffentlich erklärt, dass Betreiber ohne die passende Erlaubnis gegen das Gesetz verstoßen, begleitet von wiederkehrenden, dann wieder abflauenden Ankündigungen schärferer Kontrollen. Das praktische Ergebnis: Manche geöffneten Spätis stehen auf solidem rechtlichem Boden, andere werden gerade nur toleriert, und von außen, an der Tür, lässt sich das nicht unterscheiden.

Beim Tanzverbot an stillen Feiertagen liegt der größte Unterschied zu Bayern. Die offizielle Berliner Seite zum Sonn- und Feiertagsrecht nennt genau drei geschützte stille Tage: Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag, geregelt in § 4 der Feiertagsschutzverordnung (FSchVO). Bayern schützt neun solcher Tage, darunter Aschermittwoch, Gründonnerstag, Karsamstag, Allerheiligen, Buß- und Bettag und Heiligabend, von denen in Berlin keiner eine Sonderregel auslöst. Auch die Uhrzeiten sind enger gefasst. Eine schriftliche Antwort aus dem Jahr 2019 der Senatsverwaltung für Inneres an das Abgeordnetenhaus stellt es direkt fest: Nach § 4 Nr. 3 FSchVO sind öffentliche Tanzveranstaltungen an Karfreitag, Totensonntag und Volkstrauertag “in der Zeit von 4:00 Uhr bis 21:00 Uhr” untersagt, und dasselbe Dokument zieht die Konsequenz gleich selbst: Ab 21 Uhr desselben Tages darf wieder legal getanzt werden. Zum Vergleich, in Bayern gilt das Tanzverbot am Karfreitag faktisch den ganzen Tag. Die allgemeinen Ruhe- und Arbeitsbeschränkungen nach § 2 FSchVO gelten weiterhin an jedem Sonn- und Feiertag, nicht nur an den drei stillen Tagen, aber das speziell auf Tanzveranstaltungen bezogene Verbot ist der Teil, der Neuankömmlinge überrascht, und in Berlin fällt er sowohl bei der Liste als auch bei den Uhrzeiten deutlich schmaler aus als anderswo.
Wie ernst das Ganze in der Praxis kontrolliert wird, beantwortet sich am besten über die eigenen Zahlen der Verwaltung. Dieselbe parlamentarische Antwort aus 2019 schlüsselt die FSchVO-Fälle 2017 und 2018 nach Bezirken auf: Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick, Lichtenberg, Pankow, Mitte, Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf meldeten in beiden Jahren null Verstöße. Neukölln verhängte 2017 ein Bußgeld von 250 Euro wegen eines Ladenschluss-Verstoßes (§ 2 in Verbindung mit § 5 FSchVO). Friedrichshain-Kreuzberg belegte zwei Tanzveranstaltungen, eine an Totensonntag 2017, eine an Karfreitag 2018, mit je 100 Euro. Tempelhof-Schöneberg verhängte 2017 ein Bußgeld von 100 Euro wegen eines Verstoßes gegen die Sonn- und Feiertagsruhe. Ein Bezirk teilte dem Senat unverblümt mit, die FSchVO sei “kaum wirksam vollzugsfähig”, das Ordnungsamt reagiere größtenteils nur auf konkrete Hinweise aus der Nachbarschaft, und zahlreiche Veranstalter würden das Tanzverbot umgehen, indem sie eine Veranstaltung, insbesondere Tanzschulen, als Trainings- oder Übungsstunde deklarieren oder den Zutritt auf einen geschlossenen privaten Kreis beschränken. Wer abwägt, ob sich die genaue Einhaltung überhaupt lohnt, findet in Berlins eigenen Unterlagen eine ehrliche Antwort: Kontrollen finden statt, sind aber tatsächlich selten.
Was die Praxis noch zeigt
Über die reinen Rechtsgrundlagen hinaus lohnt sich ein Blick auf die verkaufsoffenen Sonntage selbst, denn Berlin gibt davon deutlich weniger frei als viele erwarten. Laut aktuellen Terminübersichten für 2026 hat der Senat für das ganze Jahr nur eine Handvoll fester, meist bezirks- oder centergebundener Termine freigegeben, darunter einen stadtweiten Termin rund um die Fête de la Musique am 21. Juni mit Öffnungszeiten von 13 bis 20 Uhr, sowie einzelne Termine an Standorten wie dem Designer Outlet Berlin, dem Tempelhofer Hafen und Einkaufszentren wie dem Gesundbrunnen Center oder dem Eastgate in Marzahn. Wichtig für die Planung: Diese Termine werden nicht automatisch garantiert. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di klagt in Berlin wie in anderen Bundesländern regelmäßig gegen einzelne verkaufsoffene Sonntage, mit dem Argument, der jeweils vorgeschriebene sachliche Anlass (etwa ein Straßenfest oder eine Messe) trage die Ausnahme nicht, und Gerichte haben solchen Klagen wiederholt stattgegeben und Termine kurzfristig kippen lassen. Wer einen verkaufsoffenen Sonntag fest einplant, etwa für einen größeren Einkauf, sollte die Öffnung deshalb kurz vor dem Termin noch einmal auf der Seite des jeweiligen Centers oder Bezirksamts bestätigen, statt sich allein auf eine im Voraus veröffentlichte Liste zu verlassen.
Schritt für Schritt
- Vor der Planung eines langen Wochenendes den aktuellen offiziellen Berliner Feiertagskalender prüfen, da mehrere Termine mit Ostern wandern und der Wochentag des Internationalen Frauentags jedes Jahr wechselt, was direkt entscheidet, ob der 8. März tatsächlich einen freien Tag bringt.
- Den eigentlichen Wocheneinkauf auf Samstag legen. Davon ausgehen, dass jeder gewöhnliche Laden, auch große Supermärkte, an Sonntagen und an allen 10 Feiertagen geschlossen ist.
- Bei akutem Bedarf an einem Sonntag zuerst einen Bahnhofs- oder Flughafenladen, eine Apotheke oder eine Tankstelle ansteuern. Diese unterliegen nach § 5 BerlLadÖffG keiner Zeitgrenze und sind die verlässlichere Option, nicht der Späti um die Ecke, von dem man nur hofft, dass er offen hat.
- Einen geöffneten Späti nicht automatisch als garantiert legal einordnen. Manche verfügen über eine echte Gaststättenerlaubnis und agieren voll im Rahmen der Regeln, andere werden gerade nur geduldet. So oder so bleibt er eine Rückfalloption, keine Gewissheit.
- Bei der Planung einer öffentlichen Tanzveranstaltung gilt in Berlin nur an Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag eine Einschränkung, und auch nur von 4 bis 21 Uhr. Die Abende dieser Tage sind frei, und kein weiterer stiller Tag greift hier so wie in Bayern.
- Wer einen Sonn- oder Feiertagsverstoß melden möchte, wendet sich an das Ordnungsamt des jeweiligen Bezirks, nicht an die Polizei. Berlins eigene Kontrolldaten zeigen, dass das hinweisgestützt und von Bezirk zu Bezirk uneinheitlich gehandhabt wird, ein schnelles oder sicheres Ergebnis sollte man daher nicht erwarten.
Hinweis zur Verlässlichkeit
Diese Seite erklärt den allgemeinen Rahmen für Berlins gesetzliche Feiertage, die Sonntags-Ladenschlussregeln und die Einschränkungen an stillen Feiertagen, Stand Mitte 2026. Sie ersetzt keine Rechtsberatung. Feiertagstermine, Öffnungsausnahmen und die Kontrollpraxis können sich ändern oder von Bezirk zu Bezirk unterscheiden, aktuelle Regeln bitte direkt beim Land Berlin oder dem zuständigen Ordnungsamt bestätigen, bevor man sich auf eine der hier beschriebenen Ausnahmen verlässt.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Ist der 8. März wirklich nur in Berlin ein Feiertag?
Das war er von 2019 bis 2022 tatsächlich allein. Das Abgeordnetenhaus hat den Internationalen Frauentag 2019 als zehnten Berliner Feiertag beschlossen, Berlin war damit bundesweit die erste Region mit einem freien 8. März. Mecklenburg-Vorpommern zog 2023 nach, sodass der Tag heute in genau zwei der 16 Bundesländer gesetzlicher Feiertag ist. Unter den Stadtstaaten ist Berlin weiterhin allein. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und den übrigen 14 Ländern gibt es ihn nach wie vor nicht, wer also mit Kolleginnen oder Kollegen aus anderen Bundesländern vergleicht, sollte nicht von einem gemeinsamen freien Tag ausgehen.
Wenn der Supermarkt um die Ecke sonntags zu ist, gibt es in Berlin zuverlässig geöffnete Alternativen?
Ja, aber es handelt sich um eine kurze, konkrete Liste und keine allgemeine Regel. Berlins eigenes Stadtportal nennt den Rewe am Ostbahnhof, den Edeka im Bahnhof Friedrichstraße und den denn's Biomarkt im Hauptbahnhof als Supermärkte, die sonn- und feiertags tatsächlich öffnen, weil Läden in Bahnhöfen, am Flughafen und an Tankstellen nach dem Ladenöffnungsgesetz keiner Sonntagszeitgrenze unterliegen. Ein gewöhnlicher Kiez-Supermarkt bekommt diese Ausnahme nicht automatisch, auch wenn er groß oder gut besucht ist.
Dürfen Spätis sonntags überhaupt legal öffnen, oder verstößt da jeder gegen das Gesetz?
Das hängt tatsächlich vom einzelnen Laden ab. Ein Späti mit Gaststättenerlaubnis darf Getränke, zubereitete Speisen und Nebenware wie Flaschenbier, alkoholfreie Getränke, Presse und Tabak an jedem Tag verkaufen, auch sonntags, weil für eine echt betriebene Gaststätte das Gaststättengesetz dem Ladenöffnungsgesetz vorgeht, unabhängig davon, welcher Umsatzanteil auf welche Warengruppe entfällt. Spätis ohne diese Erlaubnis fallen unter keine Sonderregel. Wie taz berichtet hat, war die Sonntagsöffnung für solche Läden in Berlin zwar üblich, rechtlich aber nie gedeckt, sie wurde lediglich geduldet, und Berlins zuständige Senatsverwaltung hat öffentlich erklärt, dass Betreiber ohne passende Erlaubnis gegen das Gesetz verstoßen, mit wiederkehrenden Ankündigungen schärferer Kontrollen. Praktisch heißt das: Ob ein geöffneter Späti auf sicherem rechtlichem Boden steht oder gerade nur toleriert wird, lässt sich von außen nicht erkennen.
Was genau ist an einem stillen Feiertag in Berlin verboten, und betrifft das auch eine private Feier?
Berlin schützt nach § 4 der Feiertagsschutzverordnung (FSchVO) nur drei stille Tage: Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag. An diesen drei Tagen sind öffentliche Tanzveranstaltungen konkret von 4 bis 21 Uhr untersagt, woraus laut der Senatsverwaltung selbst folgt, dass ab 21 Uhr desselben Tages wieder legal getanzt werden darf. Betroffen sind ausschließlich öffentliche Veranstaltungen. Eine geschlossene, nur auf Einladung zugängliche private Feier oder Hochzeit fällt gar nicht unter das Tanzverbot der FSchVO.
Wie streng werden diese Regeln in Berlin tatsächlich kontrolliert?
Uneinheitlich, und von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich. Eine schriftliche Anfrage aus dem Jahr 2019, die 2017 und 2018 abdeckt, zeigt, dass Charlottenburg-Wilmersdorf, Treptow-Köpenick, Lichtenberg, Pankow, Mitte, Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf in beiden Jahren null FSchVO-Verstöße erfasst haben. Neukölln verhängte 2017 ein Bußgeld von 250 Euro wegen eines Ladenschluss-Verstoßes, Friedrichshain-Kreuzberg belegte zwei Tanzveranstaltungen (eine an Totensonntag, eine an Karfreitag) mit je 100 Euro, und Tempelhof-Schöneberg verhängte 2017 ein Bußgeld von 100 Euro wegen eines Verstoßes gegen die Sonn- und Feiertagsruhe. Ein Bezirk teilte dem Senat direkt mit, die FSchVO sei praktisch kaum wirksam vollzugsfähig, weil das Ordnungsamt größtenteils auf konkrete Hinweise aus der Nachbarschaft reagiere, und dass viele Veranstalter das Tanzverbot umgehen, indem sie eine Veranstaltung, besonders bei Tanzschulen üblich, als Trainings- oder Übungsstunde deklarieren oder den Zutritt auf einen geschlossenen privaten Kreis beschränken.