Vattenfall, GASAG oder Stromnetz Berlin? Die erste Strom- und Gasanmeldung ist weiterhin Sache der Mieterin bzw. des Mieters

Wer gerade in eine Berliner Wohnung mit eigenem Zähler eingezogen ist und noch keinen Vertrag unterschrieben hat: die Anmeldung von Strom und Gas ist tatsächlich Sache der Mieterin bzw. des Mieters, nicht der Vermieterseite, genau wie Vattenfalls eigene Kunden-FAQ direkt feststellt. Berlin teilt diese Aufgabe auf drei getrennte Unternehmen auf statt auf einen kombinierten Versorger: die Vattenfall Europe Sales GmbH ist der regionale Grundversorger für Strom, GASAG ist der regionale Grundversorger für Gas, und die Stromnetz Berlin GmbH ist der Stromnetzbetreiber, das Unternehmen, dem das physische Netz gehört und das Zählerablesungen koordiniert, mit dem man selten direkt zu tun hat, außer bei einem technischen Anliegen. Für die Anmeldung bei einem beliebigen Anbieter braucht man die neue Adresse, das Einzugsdatum, die auf dem Zähler selbst aufgedruckte Zählernummer, und idealerweise die 11-stellige Marktlokations-Identifikationsnummer (MaLo-ID) von der letzten Rechnung der Vormieterin bzw. des Vormieters oder von der Vermieterseite. Eine echt wichtige, aktuelle Änderung: seit dem 6. Juni 2025 akzeptiert Vattenfall keine rückwirkenden Stromanmeldungen oder -abmeldungen mehr, also vor oder genau bei der Schlüsselübergabe anmelden, nicht Wochen später, während GASAG die rückwirkende Wahl eines Gasanbieters bis zu sechs Wochen nach der Übergabe weiterhin erlaubt. Wer es ganz vergisst, bleibt trotzdem nicht ohne Strom oder Heizung, beide Grundversorger springen ab Tag eins automatisch ein, auch wenn Vattenfalls eigener Grundversorgungstarif Stand April 2026 weiterhin bei brutto 37,93 Cent pro kWh liegt, tatsächlich teurer als die meisten aktiv wählbaren Markttarife.

Die offizielle Regel

In eine Berliner Wohnung einzuziehen und anzunehmen, die Vermieterseite werde Strom schon irgendwie im Stillen regeln, oder zu befürchten, man müsse das irgendwie über die Hausverwaltung koordinieren, sind beides echt verbreitete Annahmen, und beide sind falsch. Die Anmeldung von Strom und Gas für eine Wohnung mit eigenem Zähler ist Sache der Mieterin bzw. des Mieters selbst. Vattenfalls eigene FAQ zur Stromanmeldung ist direkt: “Für die Stromanmeldung sind Sie selbst verantwortlich.” Niemand erledigt das automatisch.

Was viele Neuankömmlinge stolpern lässt, besonders alle, die zuvor an einem Ort mit einem einzigen kombinierten kommunalen Versorger gelebt haben, ist, dass Berlin diese Aufgabe auf drei getrennte Unternehmen statt eines aufteilt.

Wer bei einer Berliner Strom-/Gasanmeldung tatsächlich was macht
UnternehmenRolleWann man direkt mit ihm zu tun hat
Vattenfall Europe Sales GmbHStrom-Grundversorger (Standardanbieter), zugleich einer von vielen wählbaren Markttarif-AnbieternAnmeldung des eigenen Stromvertrags und Bezahlung der Stromrechnung
GASAGGas-Grundversorger (Standardanbieter), Grundversorgungstarif unter der Marke "ERDGAS Komfort"Anmeldung des eigenen Gasvertrags, falls die Wohnung einen eigenen Gasanschluss oder eine Gasetagenheizung hat
Stromnetz Berlin GmbHStromnetzbetreiber, Eigentümer des physischen NetzesSelten direkt, hauptsächlich bei Zählerinstallation/-austausch, jährlichen Zählerablesungen, oder falls die eigene MaLo-ID unbekannt ist

Die Vattenfall Europe Sales GmbH ist Berlins regionaler Strom-Grundversorger, direkt bestätigt auf Stromnetz Berlins eigener Seite zu Einzug, Auszug und Anbieterwechsel: wählt man aktiv keinen Anbieter, fällt man auf “dem regional zuständigen Grundversorger, derzeit die Vattenfall Europe Sales GmbH” zurück. GASAG spielt für Gas dieselbe Rolle, die eigene Website stellt direkt fest: “In Berlin ist GASAG der Grundversorger.” Beide Unternehmen verkaufen zusätzlich zu ihrer Grundversorgungsrolle konkurrierende Markttarife, eine Anmeldung bei Vattenfall oder GASAG bedeutet also nicht automatisch, auf dem teureren Standardtarif festzusitzen.

Die Stromnetz Berlin GmbH ist ein echt anderes Unternehmen, mit dem man selten selbst zu tun haben wird. Sie besitzt und wartet das physische Stromnetz in der ganzen Stadt, installiert und tauscht Zähler aus, und koordiniert die jährliche Zählerablesung, die jeder Haushalt einmal im Jahr braucht. Für die Anmeldung der eigenen Entnahmestelle für eine neue Stromversorgung erklärt Stromnetz Berlins eigene Seite, dass die Adresse, die Zählernummer und die 11-stellige Marktlokations-Identifikationsnummer (MaLo-ID) benötigt werden. In der Praxis erledigt aber der gewählte Anbieter (Vattenfall oder ein anderer) diese Anmeldung im Rahmen der eigenen Vertragsanmeldung, man reicht normalerweise selbst nichts bei Stromnetz Berlin ein, außer man findet die eigene MaLo-ID wirklich nicht und muss sie direkt nachschlagen, oder es gibt ein technisches Problem mit dem Zähler selbst.

Was bei der Anmeldung bei einem Anbieter tatsächlich verlangt wird, ist kurz. Sowohl Vattenfalls eigene Anmelde-FAQ als auch GASAGs Anmeldeseite nennen den eigenen Namen und die neue Adresse, das geplante Einzugsdatum, die direkt auf dem Zähler aufgedruckte Zählernummer, den aktuellen Zählerstand, und, falls vorhanden, die MaLo-ID. Kennt man die MaLo-ID noch nicht, sagen beide Unternehmen, dass sie später nachgereicht werden kann, es lohnt sich aber, frühzeitig die Vermieterseite oder die Vormieterin bzw. den Vormieter danach zu fragen, da sie meist auf der letzten Energierechnung der Wohnung steht.

Ein echt aktuelles Detail, das sich zu wissen lohnt: die Zeitregeln haben sich vor Kurzem für Strom verschärft, für Gas nicht. Vattenfalls eigene FAQ stellt fest, dass “seit dem 6. Juni 2025 für Stromverträge keine rückwirkenden An- und Abmeldungen mehr zulässig sind”. Diese bundesweite Änderung geht auf § 20a Abs. 2 des Energiewirtschaftsgesetzes zurück, das seinerseits auf der EU-Richtlinie 2019/944 beruht, und war zuvor bis zu sechs Wochen rückwirkend möglich. Das bedeutet, man muss sich tatsächlich vor oder genau bei der eigenen Schlüsselübernahme anmelden, nicht Wochen danach. Gas ist nachsichtiger: GASAGs eigene Seite empfiehlt eine Anmeldung rund sechs Wochen vor dem geplanten Einzugsdatum für einen reibungslosen Übergang, merkt aber an, dass die Wahl des eigenen Gasanbieters generell weiterhin bis zu sechs Wochen nach der tatsächlichen Übergabe rückwirkend möglich ist, falls man es tatsächlich vergessen hat.

Es komplett zu vergessen, lässt einen nicht ohne Strom oder Heizung, setzt aber auf den teureren Standardtarif. Beide Versorger bestätigen, dass man, wenn man sich nie aktiv anmeldet, ab Tag eins automatisch vom lokalen Grundversorger beliefert wird, Vattenfall für Strom, GASAG für Gas, und danach jederzeit zu einem gewählten Tarif wechseln kann. Diese Rückfalllösung ist aber nicht günstig: laut Vattenfalls eigener Newsroom-Ankündigung sank der brutto Arbeitspreis des Grundversorgung-Basistarifs zum 1. April 2026 auf 37,93 Cent pro kWh, eine Senkung um 6,46 Cent, die einem durchschnittlichen Berliner Haushalt (2.200 kWh/Jahr) rund 112 Euro im Jahr spart, eine Reduktion um 10,12 Prozent. Selbst nach dieser Senkung ist er generell teurer als ein aktiv gewählter Markttarif, die Grundversorgung-Rückfalllösung ist also ein echtes Sicherheitsnetz, kein guter langfristiger Plan.

Wer noch keine deutsche Schufa-Historie hat, wird dadurch bei der Grundversorgung nicht blockiert. Deutschlands Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verpflichtet den Grundversorger, Vattenfall und GASAG in ihrer Rolle als Grundversorgung, jeden Haushalt unabhängig von der eigenen Bonitätsgeschichte zu beliefern. Beantragt man stattdessen bei einem der beiden Unternehmen oder einem Wettbewerber einen bestimmten Markttarif, kann dieser Vertrag eine Bonitätsprüfung beinhalten, und ohne deutsche Kredithistorie können Anbieter eine Vorauskasse oder eine Kaution als Alternative zu einer direkten Kreditzusage verlangen, eine von der eigenen grundlegenden gesetzlichen Versorgungspflicht getrennte kommerzielle Entscheidung.

Eine Hand hält ein Smartphone und fotografiert einen offenen Strom- und Gaszählerschrank in einem Berliner Treppenhaus, Zählerskalen und Beschriftungen außerhalb lesbaren Fokus

Was echte Leute sagen

Neu in Berlin ankommende Mietende beschreiben immer wieder dieselbe erste Verwirrung: anzunehmen, dass jemand anders den Vertrag schon regeln muss, weil das Gebäude bereits Strom hat, und dann Wochen später einen Brief zu bekommen, der zeigt, dass man die ganze Zeit zum Grundversorgungssatz abgerechnet wurde, ohne ihn je aktiv gewählt zu haben. Der wiederkehrende Rat von Leuten, die das durchgemacht haben: sich bei einem Anbieter anmelden, bevor man überhaupt die Schlüssel erhält, wenn möglich, da man die Zählernummer und die MaLo-ID ohnehin braucht, und diese Nummern ein paar Tage vor der Übergabe von der ausziehenden Person oder der Hausverwaltung zu erfragen, erspart hinterher Hektik.

Ein Tipp, der oft genug auftaucht, um wiederholt zu werden: den Zählerstand fotografieren, idealerweise mit Zeitstempel, in dem Moment, in dem man die Schlüssel erhält, bevor irgendein Möbelstück den Zugang dazu blockiert. Tagesspiegels eigene Verbraucherberatungskolumne gibt genau diese Empfehlung speziell an Vattenfall-Kundschaft, um spätere Abrechnungsstreitigkeiten zu vermeiden, da ein dokumentierter Zählerstand bei Übergabe der klarste Beweis ist, falls die erste Rechnung jemals falsch aussieht.

Schritt für Schritt

  1. Die Vermieterseite oder die ausziehende Person ein paar Tage vor der eigenen Schlüsselübernahme nach der Zählernummer und, wenn möglich, der MaLo-ID fragen, beide stehen meist auf der letzten Energierechnung der Wohnung.
  2. Sich vor oder genau bei der Schlüsselübergabe bei einem Stromanbieter anmelden, Vattenfall oder ein Marktwettbewerber. Seit dem 6. Juni 2025 akzeptiert Vattenfall keine rückwirkenden Stromanmeldungen mehr, also nicht warten.
  3. Gas separat bei GASAG oder einem anderen Anbieter anmelden, idealerweise rund sechs Wochen vor dem eigenen Einzugsdatum, Gas erlaubt weiterhin eine rückwirkende Anmeldung bis zu sechs Wochen nach der Übergabe bei Verspätung.
  4. Den Zählerstand in dem Moment fotografieren, in dem man die Schlüssel erhält, dieser dokumentierte Stand schützt, falls eine spätere Rechnung falsch aussieht.
  5. Schafft man die Anmeldung wirklich nicht rechtzeitig, fällt man automatisch auf Vattenfalls/GASAGs Grundversorgungstarif zurück, keine Stromabschaltung, aber einen Wechsel zu einem gewählten Tarif nach dem Einleben einplanen, da der Rückfalltarif (Stand April 2026 brutto 37,93 Cent/kWh) meist über einem Markttarif liegt.
  6. Hat man noch keine deutsche Schufa-Akte, wissen, dass die eigene Grundversorgung trotzdem gesetzlich garantiert ist, Kreditprüfungen und Vorauskasse-Anforderungen gelten nur bei einem bestimmten Markttarif, nicht bei der Grundversorgung-Rückfalllösung selbst.

Hinweis zur Verlässlichkeit

Diese Seite erklärt den allgemeinen Rahmen für die Anmeldung von Strom und Gas als Mieterin bzw. Mieter in Berlin, aktuell zum Stand Mitte 2026. Sie ist keine Rechts- oder Finanzberatung. Anmeldungsregeln, Tarife und Preise können sich ändern, die eigene konkrete Situation direkt bei Vattenfall, GASAG oder Stromnetz Berlin bestätigen lassen, bevor auf eine Zahl hier vertraut wird.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Wir haben gerade einen Berliner Mietvertrag unterschrieben und noch keinen Stromanbieter gewählt. Ist es Aufgabe unserer Vermieterseite, das zu klären?

Nein, tatsächlich nicht. Vattenfalls eigene Kunden-FAQ stellt klar fest, dass man für die eigene Stromanmeldung selbst verantwortlich ist, nicht die Hausverwaltung oder die Vermieterseite. Die einzige Ausnahme ist eine enge Rückfalllösung: wurde man vorab darüber informiert und hat bis zum tatsächlichen Übergabetermin trotzdem noch keinen eigenen Vertrag unterschrieben, kann die Vermieterseite die eigenen Grunddaten an Vattenfall weitergeben, damit man nicht ohne Strom bleibt, aber das ist ein Sicherheitsnetz, kein Ersatz für die eigene Anmeldung.

Warum sind drei verschiedene Unternehmen beteiligt, Vattenfall, GASAG und Stromnetz Berlin, für etwas, das sich wie eine einzige Rechnung anfühlen sollte?

Weil Berlin die Aufgabe aufteilt, statt sie in einem kombinierten kommunalen Versorger zu bündeln. Vattenfall und GASAG sind die Unternehmen, mit denen tatsächlich ein Vertrag unterschrieben und bezahlt wird, sie sind die Grundversorger, die regionalen Standardanbieter für Strom bzw. Gas, und man kann über sie oder einen Wettbewerber auch einen anderen Markttarif wählen. Die Stromnetz Berlin GmbH ist ein separates Unternehmen, dem das physische Stromnetz gehört und das die Installation und Ablesung von Zählern koordiniert, man hat für eine normale Anmeldung generell nie direkt mit ihm zu tun, der gewählte Anbieter erledigt das im Hintergrund über die eigene Zählernummer und MaLo-ID.

Was passiert tatsächlich, wenn wir es vor dem Einzug nicht schaffen, uns anzumelden?

Man bleibt nicht ohne Strom oder Gas. Ab Tag eins beliefern Vattenfall (Strom) und GASAG (Gas) automatisch als Grundversorger der eigenen Region, das ist ein gesetzlicher Anspruch, unabhängig von der eigenen Bonitätsgeschichte. Das kostet aber meist mehr als ein gewählter Markttarif, Stand April 2026 liegt Vattenfalls eigener Grundversorgung-Basistarif bei brutto 37,93 Cent pro kWh, weshalb es sich lohnt, nach dem Einleben aktiv einen Tarif zu wählen, statt unbegrenzt in der Rückfalllösung zu bleiben.

Können wir unsere Stromanmeldung noch nachträglich vornehmen, wenn wir es nach dem Einzug tatsächlich ein paar Wochen vergessen?

Für Strom, nein, nicht mehr. Seit dem 6. Juni 2025 gilt eine bundesweite gesetzliche Änderung nach § 20a Abs. 2 EnWG, die auf der EU-Richtlinie 2019/944 beruht: rückwirkende An- und Abmeldungen von Stromverträgen sind nicht mehr zulässig, also bei oder vor der eigenen Schlüsselübernahme anmelden, nicht danach. Gas funktioniert anders: GASAGs eigene Anleitung sagt, dass die Wahl des Gasanbieters generell weiterhin bis zu sechs Wochen nach dem Übergabetermin rückwirkend möglich ist, auch wenn die Anmeldung rund sechs Wochen vor dem eigenen Einzugsdatum bei beiden Versorgungsarten der tatsächlich reibungslosere Weg ist.

Wir haben noch keine deutsche Schufa-Historie. Können Vattenfall oder GASAG uns die Belieferung verweigern?

In ihrer Rolle als Grundversorger nicht. Deutschlands Energiewirtschaftsgesetz garantiert die Grundversorgung unabhängig von der eigenen Bonitätsgeschichte, Vattenfall und GASAG müssen in dieser Funktion beliefern. Beantragt man stattdessen bei ihnen oder einem anderen Anbieter einen günstigeren Markttarif, kann dieses Unternehmen eine Bonitätsprüfung durchführen und ohne deutsche Kredithistorie ablehnen oder eine Vorauskasse bzw. eine Kaution verlangen, das ist eine separate kommerzielle Entscheidung, getrennt vom eigenen grundlegenden Anspruch auf Versorgung.