REWE, Picnic oder Flink? Hamburgs Karte aus planmäßiger Lieferung und Quick Commerce

Hamburgs Lebensmittellieferszene teilt sich in dieselben zwei großen Kategorien wie anderswo in Deutschland, vollsortimentige planmäßige Lieferung gegenüber Quick Commerce, aber wer hier tatsächlich aktiv ist, unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von München oder Berlin. Der REWE Lieferservice deckt die Stadt über die jeweils zuständige Filiale ab, mit einem Mindestbestellwert von rund 50 Euro (je nach Gebiet 40 bis 60 Euro), einer Liefergebühr von bis zu 4,90 Euro, die ab 120 Euro entfällt, Lieferfenstern von 1 bis 2 Stunden am Folgetag und vom Fahrer eingesammelter Pfandrückgabe. Picnic, der niederländische Dienst nach 'Milchmann'-Prinzip, ist seit dem 11. April 2023 in Hamburg aktiv, gestartet in Hamburg-Nord, Eimsbüttel und Wandsbek sowie in Norderstedt und Halstenbek knapp außerhalb der Stadtgrenze, und ist seither weiter gewachsen; die Lieferung ist ab einem Mindestbestellwert von 45 Euro immer kostenlos, das Lieferfenster wird am Liefertag selbst auf präzise 20 Minuten eingegrenzt, und über eine Partnerschaft mit Edeka laufen rund 10.000 Produkte durch das Sortiment. Auffällig fehlend: Knuspr, der vollsortimentige Dienst, der die frühere Marke Bringmeister übernommen hat und inzwischen in München, Berlin und Frankfurt läuft, hat den Hamburg-Start wiederholt verschoben und hatte bis Ende 2025 kein bestätigtes Datum, gegenüber supermarktblog.com hieß es nur: 'Hamburg wird kommen, aber ein konkreter Zeitplan steht noch nicht fest.' Wer also aus München oder Berlin zuzieht und dieselbe Knuspr-Option erwartet, findet sie hier nicht; einzelne Edeka-Märkte betreiben stattdessen ihre eigenen kleinen Lieferdienste, mit Gebühren, Bestellfenstern und Abdeckung, die von Filiale zu Filiale unterschiedlich sind. Im Quick-Commerce-Bereich ist Flink der einzige große verbliebene Anbieter, nachdem sowohl Gorillas als auch Getir, das Gorillas Ende 2022 übernommen hatte, am 15. Mai 2024 den deutschlandweiten Betrieb einstellten; Flink deckt eine Gruppe überwiegend westlicher, zentraler und nördlicher Hamburger Stadtteile ab, nicht die ganze Stadt, und liefert rund 2.400 Produkte in etwa 10 Minuten für eine Gebühr von 1,80 bis 2,99 Euro, die ab 50 Euro entfällt. REWE selbst hält einen Anteil an Flink und beliefert es mit Ware, dennoch fand eine unabhängige Preisstudie vom Februar 2025 REWE insgesamt rund 7,63 Prozent günstiger, Quick Commerce bleibt also das richtige Werkzeug für einen dringenden Nachkauf, kein Ersatz für den Wocheneinkauf.

Zwei wirklich verschiedene Aufgaben, jetzt mit mehr Optionen als München oder Berlin

Lebensmittellieferung in Deutschland teilt sich in zwei Geschäftsmodelle, die sich zufällig denselben allgemeinen Raum teilen: vollsortimentige Dienste, aufgebaut um den geplanten Wocheneinkauf, und Quick Commerce, aufgebaut für kleine, dringende Nachkäufe, die in Minuten geliefert werden. Diese Grundeinteilung gilt überall im Land gleich. Was sich in Hamburg unterscheidet, ist, welche Marken genau auf welcher Seite auftauchen. Wer aus München oder Berlin zuzieht und dieselbe Auswahl erwartet, insbesondere Knuspr, findet hier eine merklich andere Karte vor, und ein Detail lohnt sich besonders zu verstehen, bevor man danach sucht: ein vollsortimentiger Dienst, der hier bis heute gar nicht gestartet ist.

REWE Lieferservice: Der stadtweite Standard für den geplanten Einkauf

Der REWE Lieferservice ist die konsistenteste vollsortimentige Option in ganz Hamburg, geliefert von der jeweils zuständigen REWE-Filiale, auf beiden Elbufern. Der Mindestbestellwert liegt bei rund 50 Euro, kann je nach beliefernder Filiale aber auch nur 40 Euro oder bis zu 60 Euro betragen. Die Liefergebühr staffelt sich zwischen 0 und 4,90 Euro und entfällt vollständig ab einem Bestellwert von 120 Euro. Die Lieferung selbst erfolgt nicht am selben Tag: Es wird ein 1-bis-2-Stunden-Fenster für den nächsten Tag gewählt, montags bis samstags, und die Fahrerin oder der Fahrer sammelt bei der nächsten Lieferung Pfandflaschen ein, dieselbe Bequemlichkeit wie bei einem eigenen Getränkelieferdienst wie Flaschenpost.

Eine Stofftasche und ein Netzbeutel voller Lebensmittel, darunter Zitrusfrüchte, frische Kräuter und ein Milchkarton, auf einer Steintreppe abgestellt, keine Personen, Logos oder lesbaren Texte sichtbar

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Picnic: Hamburgs Milchmann-Modell

Picnic ist seit dem 11. April 2023 in Hamburg aktiv und arbeitet nach einem grundlegend anderen Prinzip als REWEs Fenster-System. Statt mehrerer Lieferfenster am Tag fährt ein fester elektrischer Lieferwagen einmal täglich eine Route an der eigenen Straße entlang, so wie früher der Milchmann, und erst am tatsächlichen Liefertag wird das auf ein präzises 20-Minuten-Fenster eingegrenzt. Bestellt wird jeweils bis etwa 22 Uhr am Vorabend für die Lieferung am nächsten Tag.

Picnic startete mit einer Abdeckung von rund 600.000 Haushalten in Hamburg-Nord, Eimsbüttel und Wandsbek, plus den angrenzenden Gemeinden Norderstedt und Halstenbek knapp außerhalb der Stadtgrenze, und ist seither weiter gewachsen. Die Lieferung ist ab einem Mindestbestellwert von 45 Euro immer kostenlos, und das Sortiment umfasst rund 10.000 Produkte, bezogen über eine Partnerschaft mit Edeka. Auch hier sammeln die Fahrerinnen und Fahrer Pfandflaschen an der Tür ein. Wer noch keine Abdeckung in der eigenen Straße hat, findet über Picnics App und den bundesweiten Abdeckungs-Check am schnellsten Klarheit, da der Dienst Stadtteile schrittweise hinzufügt statt von Anfang an die ganze Stadt abzudecken.

Die Knuspr-Lücke, und was sie tatsächlich füllt

Hier liegt das Detail, das sich wirklich von München oder Berlin unterscheidet: Knuspr, der vollsortimentige Lieferdienst, der 2023 die frühere, Edeka-nahe Marke Bringmeister übernahm, liefert in Hamburg bis heute nicht. Knuspr betreibt derzeit München (profitabel seit 2023), Berlin (inzwischen der größte deutsche Markt, mit rund 125.000 Lieferungen im Monat, Ziel Profitabilität bis Ende 2025) und Frankfurt/Rhein-Main. Für Hamburg wurde wiederholt ein Start angekündigt und verschoben, zuerst für September 2024, dann Anfang 2025, dann ein vages „Frühjahr”, keiner davon trat ein. Die eigene Aussage des Unternehmens lässt keine Zweideutigkeit zu: „Hamburg wird kommen, aber ein konkreter Zeitplan steht noch nicht fest”, Hamburg kommt also irgendwann, aber ohne konkreten Zeitplan. Als Strategie wird genannt, bestehende Regionen profitabel zu machen und dort in Logistikautomation zu investieren, bevor neue Städte eröffnet werden, ein deutlich anderer Ansatz als Picnics fortlaufende regionale Expansion.

Vier Wege zur Lebensmittellieferung in Hamburg
REWE LieferservicePicnicEinzelne Edeka-MärkteFlink
Ausgelegt fürGeplanter WocheneinkaufGeplanter WocheneinkaufGeplanter Einkauf, marktabhängigDringende kleine Nachkäufe
LiefermodellGewähltes 1-2-Std.-Fenster, FolgetagEine Route pro Straße, 20-Min.-Fenster am LiefertagJe nach Markt (Telefon/E-Mail-Bestellung, feste Tage)Typisch ~10 Minuten
Mindestbestellwert~50 Euro (je nach Gebiet 40-60 Euro)45 EuroJe nach MarktAb 1 Euro
LiefergebührBis 4,90 Euro, ab 120 Euro kostenlosAb Mindestbestellwert immer kostenlosUnterschiedlich (z.B. pauschal 7,50 Euro bei einer Niemerszein-Filiale)1,80-2,99 Euro, ab 50 Euro kostenlos
AbdeckungStadtweit über nächste FilialeWächst, Start in Hamburg-Nord/Eimsbüttel/WandsbekNur nahe dem jeweiligen MarktGruppe westlicher/zentraler/nördlicher Stadtteile

In der Praxis füllen einzelne Edeka-Märkte einen Teil der Lücke, die Knuspr hinterlassen hat, allerdings nur fragmentiert, Markt für Markt, statt über eine einheitliche Plattform. EDEKA Struve in Bramfeld nimmt Bestellungen per Telefon, E-Mail oder über den eigenen Online-Shop entgegen. EDEKA Bandelt in Altona betreibt einen eigenen, separaten Shop mit Liefer- und Selbstabholungsoption. EDEKA Hollender nimmt nur montags, mittwochs und freitags Telefon- oder E-Mail-Bestellungen an. EDEKA Niemerszein verspricht Lieferung am selben Tag für eine pauschale Gebühr von 7,50 Euro, wenn bis 13 Uhr bestellt wird. Abdeckung, Preis und verfügbare Tage hängen vollständig davon ab, welcher konkrete Edeka-Markt der eigenen Adresse am nächsten liegt, ein Blick auf die eigene Seite dieses Marktes lohnt sich also mehr als die Annahme eines stadtweiten Standards.

Flink ist inzwischen der einzige große Quick-Commerce-Betreiber in Hamburg, beliefert aus kleinen Stadtteil-Dark-Stores und liefert rund 2.400 Produkte im Schnitt in 10 Minuten. Der Mindestbestellwert liegt technisch bei nur 1 Euro, die Liefergebühr bei 1,80 bis 2,99 Euro, ab einem Bestellwert von 50 Euro entfällt sie. Die Öffnungszeiten laufen an den meisten Tagen von 7:30 bis 23 Uhr, freitags und samstags bis Mitternacht.

Die Abdeckung ist nicht stadtweit. Flinks Hamburger Stadtteile konzentrieren sich vor allem im Westen, in der Mitte und im Norden: Altona, Altona-Nord, Ottensen, St. Pauli, Sternschanze, Eimsbüttel, Rotherbaum, Harvestehude, Hoheluft, Eppendorf, Bahrenfeld, Othmarschen, Lokstedt, Barmbek, Wandsbek und Stellingen. Das Unternehmen beschreibt das Netz als kontinuierlich wachsend, liegt die eigene Adresse aber außerhalb dieses Bereichs, ist Quick Commerce dort möglicherweise schlicht noch keine Option, ein direkter Blick in die App bringt eher Klarheit als eine Annahme.

Warum nur noch eine Quick-Commerce-Option übrig ist

Flink hat diese Position nicht dadurch gewonnen, der einzige Wettbewerber gewesen zu sein, der hier je existierte. Gorillas startete im Dezember 2020 aus einem Dark Store im Schanzenviertel in Hamburg und eröffnete bis 2021 weitere Standorte in der Stadt. Getir, ein türkisches Quick-Commerce-Unternehmen, kaufte Gorillas Ende 2022, führte die beiden Marken aber nie zu einem einzigen, kosteneffizienten Betrieb zusammen, eine Entscheidung, die den Abu-Dhabi-Mehrheitsaktionär Mubadala offenbar frustrierte. Im April 2024 bestätigte Getir den vollständigen Rückzug aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden, mit dem deutschen Rückzug wirksam ab dem 15. Mai 2024. Genau dieses eine Ereignis ist der Grund, warum Flink heute Hamburgs einziger großer Quick-Commerce-Anbieter ist, nicht weil es nie andere versucht hätten.

Eine Beziehung, die man beim Preisvergleich kennen sollte: REWE ist kein reiner externer Konkurrent zu Flink, sondern auch Anteilseigner. REWE hielt seit 2021 zunächst einen Anteil von 7 Prozent an Flink und investierte in späteren Finanzierungsrunden weiter, beliefert Flink zusätzlich mit Ware. Trotz dieser Beziehung fand ein unabhängiger Daltix-Preisvergleich vom Februar 2025, der rund 260 identische Produkte umfasste, REWE im Schnitt rund 7,63 Prozent günstiger als Flink, wobei einzelne Kategorien wie Käse oder Soßen bei Flink tatsächlich günstiger ausfielen. Im Mai 2025 kündigte Flink an, das Sortiment so umzugestalten, dass für vergleichbare Produkte nicht mehr gezahlt werden müsse als beim Anteilseigner REWE, dieses Versprechen hatte die Lücke zum Zeitpunkt dieses Beitrags aber noch nicht vollständig geschlossen.

Der Reihe nach vorgehen

  1. Für einen echten Wocheneinkauf zuerst prüfen, ob Picnic die eigene Straße abdecktdie immer kostenlose Lieferung ab 45 Euro schlägt REWEs gestaffelte Gebühr, wenn die feste tägliche Route des Milchmann-Modells zum Tagesablauf passt.
  2. Wer eine bestimmte Lieferstunde braucht, nutzt stattdessen den REWE Lieferservicedessen 1-bis-2-Stunden-Fenster am Folgetag geben mehr Kontrolle als Picnics einmal täglicher Route, für einen Mindestbestellwert von rund 50 Euro.
  3. Nicht nach Knuspr suchenanders als in München, Berlin oder Frankfurt gibt es laut der letzten Unternehmensaussage noch immer kein bestätigtes Hamburg-Startdatum.
  4. Wer in der Nähe eines kleinen, unabhängigen Edeka-Marktes wohnt, sollte dessen eigene Lieferseite prüfen oder vorab anrufenBedingungen (Bestelltage, Gebühren, Bestellschluss) unterscheiden sich von Markt zu Markt, ohne stadtweiten Standard.
  5. Flink speziell für echte, dringende Nachkäufe reservierenund zuerst prüfen, ob die genaue Adresse abgedeckt ist, da sich der Hamburger Fußabdruck auf westliche, zentrale und nördliche Stadtteile konzentriert, nicht auf die ganze Stadt.
  6. Flinks echten, wenn auch bescheidenen Preisaufschlag einplanenlaut der letzten unabhängigen Studie im Schnitt rund 7,63 Prozent über REWE, selbst wenn REWE selbst an Flink beteiligt ist.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag vergleicht die allgemeinen Geschäftsmodelle, die Abdeckung und die typische Preisgestaltung der in Hamburg verfügbaren Lebensmittellieferdienste, Stand Mitte 2026. Er ist keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter. Liefergebiete, Mindestbestellwerte, Gebühren und Marktteilnehmer in diesem Sektor ändern sich schnell, gerade im Quick-Commerce-Bereich haben sich in den letzten Jahren große Anbieter vollständig aus dem deutschen Markt zurückgezogen. Aktuelle Details und die Abdeckung der eigenen Adresse vor der Bestellung direkt bei jedem Dienst bestätigen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Ist Flink an meiner genauen Hamburger Adresse tatsächlich verfügbar?

Vielleicht, und ein Blick lohnt sich mehr als eine Annahme. Laut der letzten Prüfung (Mai 2026) konzentriert sich Flinks Hamburger Abdeckung vor allem auf westliche, zentrale und nördliche Stadtteile, darunter Altona, Altona-Nord, Ottensen, St. Pauli, Sternschanze, Eimsbüttel, Rotherbaum, Harvestehude, Hoheluft, Eppendorf, Bahrenfeld, Othmarschen, Lokstedt, Barmbek, Wandsbek und Stellingen, jeweils von kleinen Stadtteil-Dark-Stores aus beliefert. Das ist ein echter Teil Hamburgs, aber nicht die ganze Stadt, und laut Unternehmensangaben wächst die Abdeckung kontinuierlich, eine Adresse knapp außerhalb dieser Zone könnte also später hinzukommen. Der einzige verlässliche Weg, es zu wissen, ist die eigene Adresse in der Flink-App oder auf wolt.com einzugeben, da das Einzugsgebiet eines Dark Stores manchmal an einer bestimmten Straße endet statt an einem ganzen Stadtteil.

Kommt Knuspr irgendwann wirklich nach Hamburg?

Es gibt kein bestätigtes Datum, und das Unternehmen selbst dämpft inzwischen die Dringlichkeit. Knuspr, das 2023 die frühere, Edeka-nahe Marke Bringmeister übernahm, betreibt derzeit München (profitabel seit 2023), Berlin (Ziel Profitabilität bis Ende 2025, inzwischen der größte deutsche Standort mit rund 125.000 Lieferungen im Monat) und Frankfurt/Rhein-Main. Für Hamburg wurde mehrfach ein Start angekündigt und wieder verschoben, zuerst für September 2024, dann Anfang 2025, dann ein vages 'Frühjahr', keiner davon trat ein. Die eigene Aussage des Unternehmens ist direkt: 'Hamburg wird kommen, aber ein konkreter Zeitplan steht noch nicht fest', Hamburg kommt also irgendwann, aber ohne konkreten Zeitplan. Als Grund wird eine bewusste Strategieänderung genannt, bestehende Regionen profitabel zu machen und dort in Logistikautomation zu investieren, statt neue Städte nach festem Zeitplan zu eröffnen. Wer von München oder Berlin nach Hamburg gezogen ist und dieselbe Knuspr-Option sucht, findet sie hier wirklich noch nicht, und es gibt keine Möglichkeit vorherzusagen, wann sich das ändert.

War Gorillas nicht auch ein Hamburger Unternehmen? Was ist eigentlich daraus geworden?

Gorillas war tatsächlich in Hamburg aktiv, gestartet im Dezember 2020 aus einem Dark Store im Schanzenviertel und bis 2021 auf weitere Hamburger Standorte ausgeweitet. Getir, ein türkisches Quick-Commerce-Unternehmen, kaufte Gorillas Ende 2022, führte die beiden Marken aber nie zu einem einzigen, kosteneffizienten Betrieb zusammen, eine Entscheidung, die den Abu-Dhabi-Mehrheitsaktionär Mubadala offenbar frustrierte. Im April 2024 bestätigte Getir den vollständigen Rückzug aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden, der deutsche Rückzug trat am 15. Mai 2024 in Kraft. Das bedeutet, sowohl Gorillas als auch Getir sind heute aus Hamburg (und ganz Deutschland) verschwunden, genau deshalb ist Flink inzwischen der einzige große Quick-Commerce-Anbieter in der Stadt.

Sollten wir für unseren Haupteinkauf REWE oder Picnic nutzen?

Das hängt wirklich davon ab, welches Liefermodell besser zum Tagesablauf des eigenen Haushalts passt, denn beide arbeiten trotz vollem Sortiment ziemlich unterschiedlich. Der REWE Lieferservice lässt aus mehreren verfügbaren 1-bis-2-Stunden-Fenstern für den nächsten Tag wählen, was mehr Kontrolle darüber gibt, wann die Lieferung ungefähr ankommt, erfordert aber jedes Mal eine Verfügbarkeitsprüfung; der Mindestbestellwert liegt je nach zuständiger Filiale bei rund 50 Euro (40 bis 60 Euro), die Liefergebühr sinkt ab 120 Euro auf null. Picnic fährt stattdessen nach Milchmann-Prinzip: statt 15 Lieferfenstern am Tag fährt eine feste Route einmal täglich an der eigenen Straße vorbei, und erst am tatsächlichen Liefertag wird das auf ein präzises 20-Minuten-Fenster eingegrenzt. Picnics Lieferung ist ab 45 Euro Mindestbestellwert immer kostenlos, wirklich hilfreich, wenn REWEs gestaffelte Liefergebühr stört, dafür gibt es weniger Mitsprache, zu welcher Tageszeit der Wagen kommt. Haushalte mit vorhersehbarem Wochenrhythmus bevorzugen meist Picnics Einfachheit; wer ein bestimmtes Zeitfenster um Arbeit oder Schulabholung herum braucht, bevorzugt meist REWEs Flexibilität.

Ist Flink wirklich teurer, obwohl REWE teilweise daran beteiligt ist?

Ja, messbar, zumindest laut der aktuellsten verfügbaren unabhängigen Studie. REWE hält seit 2021 einen Kapitalanteil an Flink (ursprünglich 7 Prozent, mit weiteren Investitionen in späteren Finanzierungsrunden) und beliefert Flink zusätzlich mit Ware. Trotz dieser Beziehung fand ein unabhängiger Daltix-Preisvergleich vom Februar 2025, der rund 260 identische Produkte umfasste, REWE im Schnitt rund 7,63 Prozent günstiger als Flink, wobei einzelne Kategorien wie Käse oder Soßen bei Flink tatsächlich günstiger waren. Im Mai 2025 kündigte Flink an, das Sortiment so umzugestalten, dass Kundinnen und Kunden für vergleichbare Artikel nicht mehr zahlen als beim Anteilseigner REWE, dieses Versprechen hatte die Lücke zum Zeitpunkt dieses Beitrags aber noch nicht vollständig geschlossen. Die praktische Erkenntnis bleibt: Flinks echten, wenn auch bescheidenen Preisaufschlag als Preis der Geschwindigkeit einplanen, und nicht davon ausgehen, dass REWEs Teilbeteiligung ihn beseitigt hat.

In meiner Straße gibt es nur kleine, unabhängige Edeka-Märkte. Wie funktioniert Lieferung dort eigentlich?

An jedem einzelnen Laden anders, und das ist die wichtigste Sache, die man vorher wissen sollte. Anders als Knusprs einheitliche Plattform in München oder Berlin betreiben Hamburgs einzelne Edeka-Märkte jeweils ihren eigenen, kleinen Lieferdienst mit eigenen Regeln. EDEKA Struve in Bramfeld nimmt Bestellungen per Telefon, E-Mail oder über den eigenen Online-Shop entgegen. EDEKA Bandelt in Altona betreibt einen eigenen Online-Shop mit Liefer- und Selbstabholungsoption. EDEKA Hollender nimmt nur montags, mittwochs und freitags Telefon- oder E-Mail-Bestellungen an. Und EDEKA Niemerszein verspricht Lieferung am selben Tag bei Bestellung bis 13 Uhr, für eine pauschale Gebühr von 7,50 Euro. Es gibt keinen stadtweiten Standard, auf den man sich wie bei REWE oder Picnic verlassen könnte, deshalb bleibt nur, direkt den konkreten Edeka-Markt in der Nähe der eigenen Adresse zu prüfen, statt anzunehmen, die eigene Erfahrung entspreche der eines Bekannten in einem anderen Hamburger Stadtteil.