Hamburgs Kinderpsychiatrie-Zahlen sagen Überversorgung. Familien erleben etwas anderes.

KVH's eigene Bedarfsplanungstabelle, Stand 1. Juli 2025, setzt Hamburgs Kinder- und Jugendpsychiater (die medizinischen Fachärztinnen und Fachärzte, die diagnostizieren und Medikamente verschreiben dürfen) stadtweit auf 218,84 Prozent Versorgung, mehr als das Doppelte dessen, was die Formel als volle Versorgung behandelt, und die Fachrichtung ist formal für Neuzulassungen geschlossen, bei null offenen Plätzen. Nach derselben Tabelle liegen allgemeine Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bei 154,99 Prozent. Beide Zahlen wirken beruhigend. Hamburgs eigener Psychiatrieplan 2025 unterläuft diese Beruhigung im nächsten Abschnitt selbst: Weder KVH noch die zuständige Behörde erheben irgendwelche Daten dazu, wie lange eine Familie tatsächlich zwischen einem Erstgespräch und dem Beginn echter Therapie wartet. Niemand in Hamburgs Gesundheitsverwaltung kann derzeit die ehrliche Zahl nennen, nur, dass die Mathematik auf dem Papier großzügig aussieht. Belegt ist: Eine schriftliche Anfrage 2023 an die Bürgerschaft fand Wartezeiten von bis zu 8 Monaten für die Erstbewilligung früher therapeutischer Intervention durch den Jugendpsychiatrischen Dienst, und Hamburgs eigene psychiatrische Personaldaten zeigen, dass sich die Kinderpsychiater und Psychotherapeuten der Stadt überwiegend rund um die Alster konzentrieren, in Altona, Eimsbüttel und Hamburg-Nord, während Harburg und Bergedorf mit Abstand die wenigsten Vollzeitäquivalente jedes Hamburger Bezirks haben. Ein Kinderpsychiater ist ein Arzt, der diagnostizieren und verschreiben kann, ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut ist ein nichtärztlicher Gesprächstherapeut, der das nicht kann. Familien brauchen oft beide, und Hamburgs eigene Versorgungstabelle erfasst nur den ersten getrennt.

Die Zahl, die zu gut aussieht

Öffnet man KVH’s eigene Bedarfsplanungstabelle, Stand 1. Juli 2025, und sucht nach Kinder- und Jugendpsychiater, steht in der Spalte Versorgungsgrad 218,84 Prozent. Das ist kein Tippfehler und kein Rundungsartefakt. Gegen eine Sollzahl von 21,6 Ärztinnen und Ärzten für Hamburgs rund 329.430 Kinder und Jugendliche zählt die Stadt 47,2. Der Planungsbereich ist formal für Neuzulassungen geschlossen, ohne verbleibende Plätze oberhalb der Sperrgrenze. Eine Zeile weiter oben in derselben Tabelle liegt Psychotherapeuten, die Sammelzeile für jede in Hamburg zugelassene Psychotherapeutin und jeden Psychotherapeuten, erwachsenen- und jugendorientiert zusammen, bei 154,99 Prozent gegen die knapp zwei Millionen Gesamteinwohner der Stadt. Beide Zahlen beschreiben eine Fachrichtung, die auf dem Papier so überversorgt ist, dass das Planungssystem keine weitere Praxis mehr zulässt.

Hamburgs eigener Psychiatrieplan 2025 unterläuft diese Beruhigung im nächsten Atemzug. Abschnitt 2.1 schreibt ohne Umschweife: „Daten zu Wartezeiten vom Erstgespräch bis zum Beginn der Psychotherapie werden durch die KVH nicht erhoben und der zuständigen Behörde liegen auch darüber hinaus keine Daten dazu vor.” Daten zur Wartezeit vom Erstgespräch bis zum tatsächlichen Beginn der Psychotherapie werden weder von KVH erhoben, noch liegen sie der zuständigen Sozialbehörde vor, weder für Kinder noch für Erwachsene. Ein Versorgungsprozentsatz und eine ehrliche Wartezeitschätzung sind zwei verschiedene Dinge, und Hamburgs eigene Gesundheitsbehörde hat aktenkundig eingeräumt, nur den ersten zu besitzen.

Derselbe Abschnitt zitiert immerhin eine wirklich beruhigende bundesweite Zahl: Die vorläufigen Ergebnisse der ES-RiP-Studie (Evaluation der Strukturreform der Richtlinien-Psychotherapie) fanden, dass Wartezeiten in Deutschland inzwischen meist unter drei Monaten liegen, kürzer als lange angenommen. Der Psychiatrieplan fügt aber sofort die eigene Einschränkung hinzu: Menschen mit schwereren Erkrankungen, Schizophrenie oder bestimmte Persönlichkeitsstörungen unter den genannten Beispielen, schaffen es häufig gar nicht erst in ambulante psychotherapeutische Versorgung. Eine kürzere Durchschnittswartezeit für die, die hineinkommen, sagt nichts über die Familien, die es nicht schaffen.

Hamburgs Bedarfsplanung für die relevanten Fachgruppen, Stand 1. Juli 2025 (Beschlussfassung 12. November 2025)
FachgruppeBevölkerungsbasisVersorgungsgradFür Neuzulassungen geschlossen?
Kinder- und Jugendpsychiater (medizinisch, dürfen diagnostizieren und verschreiben)~329.430 (altersgewichtet)218,84%Ja, stadtweit, 0 offene Plätze
Psychotherapeuten (alle, Erwachsene und Jugendliche zusammen, nicht gesondert ausgewiesen)1.973.896 (ganz Hamburg)154,99%Ja, stadtweit, 0 offene Plätze

Eine Tabellenzeile, zwei unterschiedliche Berufe

Die obige Tabelle verbirgt eine Unterscheidung, die Familien kennen sollten, bevor sie überhaupt anfangen zu telefonieren. Ein Kinderpsychiater (formal eine Fachärztin oder ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie) ist ein Arzt: Er kann formal diagnostizieren, Medikamente verschreiben und bei Bedarf zur Klinikaufnahme überweisen. Ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut ist kein Arzt; er leistet Richtlinienpsychotherapie, Gesprächstherapie, die nach denselben gesetzlichen Regeln erstattet wird, kann aber nichts verschreiben. Beide sind für dasselbe belastete Kind zu unterschiedlichen Zeitpunkten relevant, manchmal braucht eine Familie zuerst eine Diagnose und Medikamentenmanagement, manchmal ist laufende Gesprächstherapie die ganze Antwort, und manchmal laufen beide parallel.

KVH’s eigene Bedarfsplanungstabelle trennt nur die erste Gruppe gesondert aus. Kinder- und Jugendpsychiater bekommen eine eigene Zeile, verfolgt gegen dieselbe altersgewichtete Bevölkerungsbasis wie Kinderärzte. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten bekommen keine eigene Zeile; sie sind in der einzigen stadtweiten Psychotherapeuten-Zeile enthalten, zusammen mit jeder erwachsenenorientierten Psychotherapeutin, jedem Psychotherapeuten und jedem Nervenarzt der Stadt. Anders gesagt: Die konkrete Zahl für nichtärztliche Kinder- und Jugendtherapeuten, wohl der Beruf, den die meisten Familien am Ende suchen, ist nirgends in Hamburgs offiziellen Versorgungsdaten gesondert veröffentlicht.

Ein einzelner beigefarbener Ledersessel in einem ruhigen, leeren Raum mit gefliesten Wänden, einem leeren Bilderrahmen und einem hohen Fenster, keine Personen sichtbar

Foto von Monstera Production auf Pexels

Wo die Stellen tatsächlich sitzen

Hamburgs Psychiatrieplan 2025 veröffentlicht auch eine Personalaufschlüsselung, die einen Teil der Lücke zwischen der stadtweiten Prozentzahl und der tatsächlichen Erfahrung einer Familie erklärt. Zum 1. Januar 2024 zählte die Stadt in Vollzeitäquivalenten: 976 Psychotherapeuten, 161,5 Nervenärzte und 39,35 Kinder- und Jugendpsychiater, zusammen 1.180,85 über das gesamte ambulante psychiatrische und psychotherapeutische Personal. Von dieser Gesamtzahl sitzen 786,85 Vollzeitäquivalente, rund zwei Drittel, in nur drei Bezirken: Altona, Eimsbüttel und Hamburg-Nord, den Stadtteilen rund um die Alster. Dasselbe Dokument schreibt unumwunden, dass Harburg und Bergedorf mit klarem Abstand die wenigsten Vollzeitäquivalente jedes Hamburger Bezirks für diese kombinierte Fachgruppe haben, Hamburg-Mitte und Wandsbek liegen dazwischen.

Das ist dasselbe strukturelle Muster, das schon für Hamburgs Kinderärzte belegt ist: Die ganze Stadt zählt als ein einziger Planungsbereich nach der Bedarfsplanungs-Richtlinie, anders als Berlins postleitzahlbasierte Planungszonen, sodass dieses bezirksweise Ungleichgewicht in keiner öffentlichen KVH-Tabelle als eigene, niedrigere Versorgungszahl auftaucht. Ein stadtweiter Versorgungsgrad von 218,84 Prozent und ein wirklich unterversorgter Bezirk sind hier keine widersprüchlichen Tatsachen, sie sind dasselbe System, nur auf zwei verschiedene Arten gemessen.

Was die Bürgerschaft tatsächlich fand

Hamburg hat eine dokumentierte, datierte Wartezeitzahl, nur nicht von KVH. 2023 setzte eine schriftliche parlamentarische Anfrage, Drucksache 22/12200, eine Zahl auf Verzögerungen beim Jugendpsychiatrischen Dienst (JpD), dem bezirklichen öffentlichen Kinder- und Jugendpsychiatriedienst für frühe diagnostische Einschätzungen, getrennt von privaten Kinderpsychiater-Praxen. Die Antwort des Senats bestätigte Bearbeitungszeiten von bis zu 8 Monaten für die JpD-Erstbewilligung isolierter heilpädagogischer Frühförderung, und markierte separat Verzögerungen bei den Gutachten, die Familien für einen Integrationsplatz in einer Kita brauchen, Verzögerungen ernst genug, dass manche Kinder ihren Kita-Platz bereits verloren hatten, während sie auf die Unterlagen warteten. Eine frühere schriftliche Anfrage von 2015 hatte reguläre JpD-Wartezeiten bereits mit 6 bis 9 Monaten beziffert, und eine Antwort von 2023 zur pandemiebedingten Belastung bestätigte, dass die Wartezeiten schon vor Corona bestanden und sich danach verschlimmert hatten.

Nichts davon deckt sich direkt mit KVH’s Kassenarztsystem, der JpD ist ein bezirklicher Gesundheitsamtsdienst, keine private Praxis, aber es ist die ehrlichste, am besten belegte Zahl, die Hamburgs eigene Regierung für diese Bevölkerungsgruppe schriftlich hinterlegt hat, und sie passt zum Eingeständnis des Psychiatrieplans, dass auch die KV-seitige Wartezeit nicht verfolgt wird.

Zwei echte Programme, die einen Anruf wert sind, nicht nur KVH’s Verzeichnis

Hamburg hat ein wirklich nützliches, derzeit laufendes Brückenprogramm speziell für diesen Mangel. DreiFürEins verbindet vier Regionale Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) in Wandsbek, Harburg und Altona direkt mit den Kinder- und Jugendpsychiatrien am Asklepios Klinikum Harburg und im Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, dazu den Fachämtern Jugend- und Familienhilfe der jeweiligen Bezirke. Ursprünglich über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses finanziert, läuft es inzwischen auf Notfinanzierung, geteilt zwischen Hamburgs Krankenkassen, der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Sozialbehörde, garantiert nur bis zum 31. März 2026, während der G-BA entscheidet, ob es dauerhaft in die reguläre gesetzliche Versorgung übernommen wird. Für ein Kind, das bereits einem dieser vier ReBBZ-Zentren bekannt ist, bündelt es Schul-, psychiatrische und Jugendhilfeplanung in einem Prozess statt in drei getrennten Wartelisten. Es ist nicht stadtweit, und die Finanzierung hat ein Ablaufdatum, aber es ist real und lohnt sich, direkt bei einer Schulberatung oder dem Kinderarzt beim Namen zu nennen.

Für eine namentlich bekannte Klinikabteilung statt eines Programms betreibt das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik, an der Martinistraße 52, mit mehr als 100 kombinierten stationären und tagesklinischen Betten. Sie ist eine von fünf Hamburger Kliniken mit eigener Kinder- und Jugendpsychiatrie-Abteilung, neben Asklepios Klinikum Harburg und Wilhelmstift. Eine separate Tagesklinik speziell für junge Erwachsene in der Übergangsphase, den Jahren, in denen Erkrankungen wie Schizophrenie am häufigsten erstmals auftreten, entsteht in Altona. Diese klinikgebundenen ambulanten Angebote führen ihre eigenen Aufnahmeprozesse, ganz getrennt von 116117’s Terminservicestelle-System, und sie direkt anzurufen, neben privaten Praxen, ist ein normaler Teil davon, wie Familien in dieser Situation tatsächlich einen Termin bekommen.

Die bundesweite Garantie, und ihre echte Grenze

Unter all diesen Hamburg-spezifischen Details liegt ein bundesweiter Mechanismus, und es lohnt sich genau zu wissen, was er verspricht und was nicht. Über 116117 erreicht, kann bei Hamburgs Terminservicestelle eine psychotherapeutische Sprechstunde, ein Erstgespräch, angefragt werden, und mit einem Dringlichkeitscode (einem 12-stelligen Prioritätscode, den Kinderarzt oder Hausarzt auf einem PTV-11-Überweisungsformular vermerken) muss sie innerhalb von 4 Wochen eines anbieten. Dieses Gespräch ist wirklich nützlich, es entscheidet, ob eine laufende Therapie angezeigt ist, und kann schneller zu Probatorik führen, ist aber ein Bewertungstermin, kein garantierter fortlaufender Behandlungsplatz. Die mehrmonatige Wartezeit, die Hamburgs eigener Psychiatrieplan nicht beziffern will, entsteht danach, nicht davor.

Ist ein Kind in einer echten akuten Krise, kann nicht zur Schule gehen oder droht eine echte Klinikaufnahme, ist Akutbehandlung ein separater, echter Anspruch, kein informelles Entgegenkommen einer Praxis: bis zu 24 Sitzungen zu 25 Minuten oder 12 zu 50 Minuten, ohne vorherige Genehmigung der Krankenkasse, und die Terminservicestelle muss speziell für diese Kategorie innerhalb von 2 Wochen vermitteln.

Das richtig angehen, in der Reihenfolge

  1. Um eine als dringend markierte Überweisung bitten, keine gewöhnliche. Ein Dringlichkeitscode auf einem PTV-11-Formular ist das, was 116117’s 4-Wochen-Sprechstunden-Garantie auslöst; eine gewöhnliche Überweisung tut das nicht.
  2. 116117 anrufen und ausdrücklich die Sprechstunde nach Namen verlangen, über das PTV-11-Verfahren, statt allgemein nach einem Psychotherapietermin zu fragen.
  3. Handelt es sich um eine echte Krise, ausdrücklich nach Akutbehandlung beim Namen fragen; nicht darauf warten, dass eine Praxis sie von sich aus anbietet.
  4. Direkt bei der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE, dem Asklepios Klinikum Harburg und dem Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift anrufen, parallel zu jeder privaten Praxissuche, da deren ambulante Aufnahme getrennt von 116117 läuft.
  5. Ist Ihr Kind bereits über die Schule aufgefallen, direkt fragen, ob Ihr ReBBZ eines der vier DreiFürEins-Zentren ist, bevor es im März 2026 ausläuft; falls ja, kann es drei Wartelisten in einen Prozess bündeln.
  6. Während auf einen Kinderpsychiater oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gewartet wird, parallel bei der Erziehungsberatungsstelle des eigenen Bezirks anmelden. Sie ist kostenlos, braucht keine Diagnose oder Überweisung, und viele Hamburger Familien nutzen sie als Brücke, während ein psychiatrischer oder psychotherapeutischer Platz noch aussteht.
  7. Niedrigschwellige Krisenangebote nutzen, etwa die Nummer gegen Kummer, wenn ein Kind vor einem geplanten Termin jemanden zum Reden braucht.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag erklärt die allgemeine Struktur des Zugangs zu Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Hamburg, einschließlich aktueller Bedarfsplanungszahlen, parlamentarischer Dokumente und namentlich genannter Einrichtungen, Stand Mitte 2026, aber Versorgungsgrade, Programmfinanzierung (besonders DreiFürEins, nur bis zum 31. März 2026 garantiert) und die Verfügbarkeit einzelner Praxen oder Kliniken ändern sich. Dies ist keine medizinische Beratung. Für die konkrete Situation Ihres Kindes wenden Sie sich direkt an Kinderarzt, Hausarzt oder eine Psychiaterin, einen Psychiater, eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten, und behandeln Sie eine akute Sicherheitssorge als Notfall, indem Sie 112 anrufen oder die nächste Notaufnahme aufsuchen.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Was ist der tatsächliche Unterschied zwischen einem Kinderpsychiater und einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten?

Ein Kinderpsychiater, formal eine Fachärztin oder ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, ist ein Arzt. Er kann diagnostizieren, Medikamente verschreiben und bei Bedarf zur Klinikaufnahme überweisen. Ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut ist kein Arzt; er leistet Gesprächstherapie (Richtlinienpsychotherapie) unter denselben gesetzlichen Versicherungsregeln, kann aber nichts verschreiben. In KVH's eigener Bedarfsplanungstabelle bekommen nur die Ärztinnen und Ärzte eine eigene Zeile, Kinder- und Jugendpsychiater, verfolgt gegen dieselbe altersgewichtete Bevölkerungsbasis wie Kinderärzte. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten fallen in eine einzige stadtweite Psychotherapeuten-Zeile, zusammen mit jedem erwachsenenorientierten Psychotherapeuten und Nervenarzt, sodass die konkrete Zahl für kinderfokussierte Gesprächstherapeuten nirgends in den öffentlichen Daten gesondert auftaucht. Viele Familien brauchen im Verlauf beide Berufe, erst eine psychiatrische Diagnose, dann laufende nichtärztliche Therapie, oder umgekehrt.

Wenn Hamburgs eigene Zahlen die Kinderpsychiatrie bei 218,84 Prozent zeigen, warum sollte sich dann jemand mit einem Termin schwertun?

Weil die Bedarfsplanungsformel registrierte Praxissitze zählt, nicht die tatsächliche Terminverfügbarkeit, und Hamburgs eigener Psychiatrieplan 2025 sagt das für genau diese Fachrichtung klar: Daten zu Wartezeiten vom Erstgespräch bis zum Beginn der Psychotherapie werden von KVH nicht erhoben, und auch der zuständigen Behörde liegen keine solchen Daten vor. Dasselbe Dokument zitiert eine national beruhigende Zahl, die ES-RiP-Studie fand, dass die meisten bundesweiten Wartezeiten inzwischen unter drei Monaten liegen, fügt aber die eigene Einschränkung hinzu: Menschen mit schweren Erkrankungen wie Schizophrenie oder bestimmten Persönlichkeitsstörungen schaffen es häufig gar nicht in ambulante psychotherapeutische Versorgung. Eine kürzere Durchschnittswartezeit für die, die hineinkommen, sagt nichts über die Familien, die es nicht schaffen.

Ist der Mangel in manchen Teilen Hamburgs wirklich schlimmer als in anderen?

Hamburgs eigene Personalzählung sagt ja, im selben Dokument, das auch die Versorgungsprozente veröffentlicht. Zum 1. Januar 2024 zählte die Stadt in Vollzeitäquivalenten 976 Psychotherapeuten, 161,5 Nervenärzte und 39,35 Kinder- und Jugendpsychiater, zusammen 1.180,85. Von dieser Gesamtzahl arbeiten 786,85 Vollzeitäquivalente, rund zwei Drittel, in nur drei Bezirken: Altona, Eimsbüttel und Hamburg-Nord, den Stadtteilen rund um die Alster. Dasselbe Dokument schreibt unumwunden, dass Harburg und Bergedorf mit deutlichem Abstand die wenigsten Vollzeitäquivalente jedes Hamburger Bezirks für diese kombinierte Fachgruppe haben. Wie schon bei Hamburgs Kinderärzten zählt die ganze Stadt als ein einziger Planungsbereich nach der Bedarfsplanungs-Richtlinie, sodass dieses bezirksweise Ungleichgewicht in keiner öffentlichen KVH-Tabelle als eigene, niedrigere Versorgungszahl auftaucht.

Was bekommt eine Familie über 116117 tatsächlich, und wie schnell?

116117 fungiert auch als Hamburgs Terminservicestelle, und für Psychotherapie speziell ist die Garantie enger, als sie klingt. Mit einem Dringlichkeitscode, einem 12-stelligen Prioritätscode, den Kinderarzt oder Hausarzt auf einem PTV-11-Überweisungsformular vermerken, muss die Terminservicestelle eine psychotherapeutische Sprechstunde, ein Erstgespräch, innerhalb von 4 Wochen anbieten. Dieses Gespräch entscheidet, ob eine laufende Therapie angezeigt ist, und kann schneller zu Probatorik oder Akutbehandlung führen, ist aber selbst kein garantierter fortlaufender Behandlungsplatz. Ist ein Kind in einer echten akuten Krise, kann nicht zur Schule gehen oder droht eine Klinikaufnahme, ist Akutbehandlung ein separater, echter Anspruch: bis zu 24 Sitzungen zu 25 Minuten oder 12 zu 50 Minuten, ohne vorherige Genehmigung der Krankenkasse, und die Terminservicestelle muss speziell dafür innerhalb von 2 Wochen vermitteln. Keine dieser Garantien verlangt von KVH, danach nachzuverfolgen oder zu veröffentlichen, wie lange die Wartezeit auf einen fortlaufenden Platz dauert, genau die Lücke, die Hamburgs eigener Psychiatrieplan einräumt.

Was ist DreiFürEins, und könnte eine Hamburger Familie das tatsächlich nutzen?

DreiFürEins ist ein reales, derzeit laufendes Programm, kein Vorschlag, ursprünglich über den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses finanziert und inzwischen über Notfinanzierung am Leben gehalten, die zwischen Hamburgs Landesvertretungen der Krankenkassen, der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Sozialbehörde geteilt wird, während der G-BA entscheidet, ob es dauerhaft in die reguläre gesetzliche Versorgung übernommen wird, garantiert nur bis zum 31. März 2026. Es verbindet vier Regionale Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) in Wandsbek, Harburg und Altona direkt mit den Kinder- und Jugendpsychiatrien des Asklepios Klinikums Harburg und des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift, dazu den Jugendämtern der Bezirke, sodass ein bereits über die Schule aufgefallenes Kind gebündelte Diagnostik-, Behandlungs- und Unterstützungsplanung über alle drei Systeme zugleich bekommt, statt drei getrennter Wartelisten. Es ist auf diese ReBBZ-Einzugsgebiete begrenzt, also keine stadtweite Lösung, aber für eine Familie, deren Kind bereits einem dieser vier Zentren bekannt ist, ein wirklich schnellerer Weg als ein kalter Start bei 116117.

Gibt es eine große, namentlich bekannte Klinikabteilung für Kinderpsychiatrie in Hamburg?

Ja. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf betreibt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik, Hamburgs universitäre Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, an der Martinistraße 52, mit mehr als 100 stationären und tagesklinischen Betten über ihre Gebäude verteilt. Sie ist eine von fünf Hamburger Kliniken mit eigener Kinder- und Jugendpsychiatrie-Abteilung, neben dem Asklepios Klinikum Harburg und dem Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. Separat entsteht in Altona eine neue Tagesklinik speziell für junge Erwachsene in der Übergangsphase zwischen Jugend und Erwachsenenalter, den Jahren, in denen Erkrankungen wie Schizophrenie am häufigsten erstmals auftreten. Diese universitären und klinikgebundenen ambulanten Angebote führen ihre eigenen Aufnahmeprozesse, getrennt von 116117's Terminservicestelle-System, und lohnen sich, direkt neben privaten Praxen angerufen zu werden.