Lebensmittel aus der Heimat finden: Münchens internationale und ethnische Märkte
Die Frage, welche Supermarktkette in München am günstigsten ist, und die Frage, wo man die Zutaten findet, die die eigene Küche tatsächlich braucht, haben zwei völlig unterschiedliche Antworten, und REWE oder Edeka lösen die zweite selten. München hat ein echtes, über Jahrzehnte gewachsenes Netz unabhängiger internationaler Lebensmittelgeschäfte, organisiert nach Küche statt nach Kette: türkische Geschäfte konzentriert um Sendling, Giesing und Pasing mit Halal-Fleischtheke, frischer Yufka und einem Gemüseangebot, das über jeden Standardsupermarkt hinausgeht; Läden für den Nahen Osten und den Iran vor allem entlang der Dachauer Straße und der Landwehrstraße; mindestens zwei indische Geschäfte, allen voran das kleine, aber gut sortierte Bollywood in der Augustenstraße; asiatische Supermärkte, verteilt auf mehrere Standorte in der Innenstadt und am Hauptbahnhof, die vietnamesische, thailändische, japanische, koreanische und chinesische Grundzutaten getrennt statt in einem einzigen Asia-Regal führen; osteuropäische Geschäfte für russische, polnische, bosnische und armenische Produkte; und ein kleiner, aber echter lateinamerikanischer Feinkoststand direkt im Viktualienmarkt selbst. Bei einer generischen Google-Maps-Suche nach Supermarkt taucht davon so gut wie nichts zuverlässig auf, die Namen und Stadtteile weiter unten sind der eigentliche Ausgangspunkt.
Die Lage vor Ort
Wer fragt, wo der günstigste Supermarkt in München ist, bekommt mit Edeka, REWE, Aldi und Lidl den größten Teil der Antwort. Wer fragt, wo die eigene Küche die Zutaten findet, die sie wirklich braucht, bekommt eine völlig andere Landkarte: gewachsen aus unabhängigen, oft familiengeführten Geschäften, organisiert nach Küche und Community statt nach Kette. Mit Vergnügen München, ein lokales Kulturmagazin, das diese Szene seit Jahren begleitet, bestätigt das bis heute: Münchens internationale Marktlandschaft ist real, gewachsen und lohnt sich Stadtteil für Stadtteil kennenzulernen, statt auf eine einzige Suche zu hoffen.
Türkische Geschäfte bilden die tiefste und am längsten gewachsene Schicht, ein Spiegel von Münchens großer türkischer Community, und sie konzentrieren sich auf einige wenige, klar erkennbare Bereiche statt sich gleichmäßig zu verteilen. Güney Cavusoglu in Sendling führt seit über 30 Jahren türkische Grundzutaten neben bulgarischen, griechischen und nahöstlichen Produkten, frische grüne Mandeln zählen zu den überraschenderen Saisonartikeln. Burak Supermarkt in Giesing und die Filialen von Istanbul Supermarkt in Pasing und nahe dem Harras runden das Bild ab, alle mit denselben Stärken: einer Halal-Fleischtheke, frischer, oft täglich gelieferter oder vor Ort gebackener Yufka und Fladenbrot, und einer Gemüseabteilung, die deutlich über das hinausgeht, was ein Standardsupermarkt führt.
Geschäfte für den Nahen Osten und den Iran liegen vor allem an der Dachauer Straße und der Landwehrstraße. Verdi an der Landwehrstraße führt frisches Gemüse, Kräuter, Oliven, arabisches Brot und betreibt eine gut laufende Dönertheke. Jordan Supermarkt an der Dachauer Straße ist klar persisch geprägt: Halva, Tee, kiloweise eingelegtes Gemüse im Glas, iranische Reiskocher und, wie Kundschaft immer wieder berichtet, wirklich gutes persisches Speiseeis.
Indische Geschäfte sind die dünnste Kategorie im Verhältnis zur Nachfrage. City Starlings, ein Expat-Blog, das Münchens internationale Geschäfte ausführlich getestet hat, beschreibt das Bollywood in der Augustenstraße als klein, aber eindeutig den Favoriten, mit einem freundlichen Inhaber, der auf Anfrage gezielt Produkte nachbestellt, die gerade nicht vorrätig sind. Derselbe Bericht nennt auch einen echten praktischen Kompromiss: Manche Artikel tragen kein einzelnes Preisschild, und der Laden stellt nicht immer einen detaillierten Kassenbon aus, ein erster Besuch braucht also etwas mehr Geduld als eine normale Supermarktkasse.
Asiatische Geschäfte trennen klar nach Herkunftsland, statt in einem einzigen Regal zu verschwimmen. Go Asia ist inzwischen mit drei Filialen in München vertreten, am Stachus, in Schwabing an der Hohenzollernstraße und, seit Ende 2025 neu eröffnet, direkt am Hauptbahnhof, und kommt einer breiten, mehrere Länder abdeckenden Auswahl am nächsten. Für etwas Konkreteres lohnt sich der spezialisierte Blick: Mikado Feinkost in der Baaderstraße konzentriert sich seit 1986 auf japanische Grundzutaten und Sushi-Zutaten und gilt als eines der größten japanischen Fachgeschäfte in Süddeutschland, Asia Lebensmittel in der Mozartstraße wird koreanisch geführt und hat eine kleine tägliche Imbisstheke, und Tran Soan ist seit über 20 Jahren auf vietnamesische, thailändische und weitere südostasiatische Küche ausgerichtet. Wer noch nicht weiß, welches Land er eigentlich sucht, ist mit der Go-Asia-Filiale am Stachus meist gut beraten, sie liegt mitten in der Stachus Passagen und ist von der Altstadt und vom Sendlinger Tor aus in wenigen Gehminuten erreichbar. Ein früherer, eigenständiger Asia-Markt direkt am Sendlinger Tor an der Adresse Oberanger taucht in aktuellen Verzeichnissen und Bewertungsportalen inzwischen als geschlossen auf, für diesen zentralen Bedarf ist die Stachus-Filiale von Go Asia derzeit die verlässlichere Adresse.
Osteuropäische Geschäfte decken unter diesem einen Etikett ein wirklich breites Spektrum ab. Russischer Standard an der Humboldtstraße, im Stadtbezirk Au-Haidhausen, führt russische, polnische, armenische und ukrainische Produkte nebeneinander, Pelmeni, russisches Bier und Birkensaft zählen zu den auffälligeren Artikeln. Polonika, das inzwischen an der Theresienstraße in der Maxvorstadt zu finden ist (der Laden ist von seiner früheren Adresse an der Heßstraße dorthin umgezogen), ist klar polnisch geprägt, mit Pierogi im Gewichtsverkauf, und Deja Markt an der Bayerstraße konzentriert sich auf bosnische Produkte, fein gemahlenen Kaffee, Lokum und geräuchertes Trockenfleisch vom Rind.

Lateinamerikanische Lebensmittel haben einen kleinen, aber echten Anker mitten in der Stadt. Mercado Latino, bestätigt im offiziellen Händlerverzeichnis des Viktualienmarkts der Stadt München als aktiver Stand in Abteilung III, führt Produkte aus ganz Südamerika und der Karibik, Wein, argentinische Empanadas und Yerba Mate zählen dazu, und fungiert als eine Art informeller Treffpunkt für Münchens lateinamerikanische Community.
- 1 Güney Cavusoglu Supermarkt, türkische Lebensmittel, Halal-Fleisch, frische Yufka, Sendling
- 2 Verdi, Lebensmittel aus dem Nahen Osten und Dönertheke, Landwehrstraße
- 3 Bollywood Store, indische Lebensmittel, klein aber gut sortiert, Augustenstraße
- 4 Go Asia am Stachus, asiatische Lebensmittel, zentrale Lage in der Stachus Passagen, Karlsplatz
- 5 Russischer Standard, russische, polnische, armenische und ukrainische Produkte, Au-Haidhausen
- 6 Mercado Latino, lateinamerikanischer Stand direkt im Viktualienmarkt
Was echte Leute sagen
Der Toytown-Germany-Forumsthread zu internationalen Lebensmittelgeschäften läuft seit Jahren, genau weil das eine wiederkehrende Frage für Neuankömmlinge ist, und das Muster in den Erfahrungsberichten ist immer dasselbe: Niemand entdeckt dieses Netz aus einer einzigen Quelle, es setzt sich Stadtteil für Stadtteil zusammen, oft nachdem eine Freundin oder ein Kollege aus derselben Herkunftscommunity auf den eigenen Stammladen hingewiesen hat. City Starlings’ zweiteiliger Guide zu Münchens internationalen Geschäften liest sich ganz ähnlich, ausdrücklich als die Art von Liste gedacht, die man sich im ersten Monat gewünscht hätte statt sie erst im dritten Jahr zusammenzusuchen.
Ein Motiv, das in diesen Berichten immer wieder auftaucht: Kleinere, familiengeführte Läden belohnen ein bisschen Beziehungsarbeit. Den Inhaber direkt zu fragen, ob ein bestimmtes Produkt zu bekommen ist, statt anzunehmen, es gäbe es einfach nicht, weil es an diesem Tag nicht im Regal steht, wird über verschiedene Läden und Küchen hinweg so oft berichtet, dass es ein echtes Muster ist und kein Einzelfall.
Schritt für Schritt
- Starten Sie bei Ihrer konkreten Küche, nicht bei einer allgemeinen Suche nach “internationalem Supermarkt”, die Stadtteile oben sind nach ihrer jeweiligen Spezialisierung gruppiert, ein türkischer Markt deckt vietnamesische Grundzutaten nicht automatisch besser ab als REWE.
- Für türkische Lebensmittel probieren Sie zuerst Sendling, Giesing oder Pasing, das sind die am längsten etablierten Cluster mit der größten Auswahl an Halal-Fleisch und frischem Brot.
- Für asiatische Lebensmittel entscheiden Sie zuerst, welches Land Sie eigentlich brauchen, bevor Sie einen Laden auswählen, die mehreren Filialen von Go Asia sind die sicherere allgemeine Wahl, ein länderspezifischer Laden ist besser für eine genaue, schwer zu findende Zutat.
- Für indische Lebensmittel gehen Sie zuerst ins Bollywood in der Augustenstraße, es ist klein, rufen Sie also vorher an oder rechnen Sie damit, den Inhaber direkt zu fragen, wenn ein bestimmtes Produkt nicht sichtbar im Regal steht.
- Für lateinamerikanische Produkte schauen Sie zuerst am Mercado-Latino-Stand im Viktualienmarkt vorbei, bevor Sie annehmen, online bestellen zu müssen, zwischen den bekannteren bayerischen Marktständen lässt er sich leicht übersehen.
- Bringen Sie bei den kleinsten Läden Kleingeld mit und rechnen Sie mit einer eher informellen Kassenerfahrung, nicht alle stellen detaillierte Kassenbons aus oder nehmen bei kleinen Einkäufen Karte an.
Rechtlicher Hinweis
Diese Seite zeigt eine Momentaufnahme unabhängiger, oft kleiner, familiengeführter Geschäfte, und Details wie genaue Adressen, Öffnungszeiten und Sortiment können sich ohne große Vorankündigung ändern. Bestätigen Sie aktuelle Öffnungszeiten direkt beim jeweiligen Geschäft, bevor Sie extra dorthin fahren, besonders außerhalb der zentralen Stadtteile.
Häufige Fragen & Stolperfallen
Deckt ein einzelner Laden den Großteil der asiatischen Küche ab, oder brauche ich mehrere?
Rechnen Sie eher mit mehreren Läden als mit einem einzigen. Münchens asiatische Marktszene ist nach Herkunftsland organisiert, nicht nach einem gemeinsamen Regal: Ein vietnamesisch geprägter Laden, ein koreanischer und ein japanischer wie Mikado Feinkost in der Baaderstraße führen tatsächlich unterschiedliche Grundzutaten und Marken. Go Asia kommt einer breiten, mehrere Länder abdeckenden Auswahl unter einem Dach am nächsten und ist inzwischen mit drei Filialen in München vertreten: am Stachus, in Schwabing an der Hohenzollernstraße und seit Ende 2025 auch direkt am Hauptbahnhof. Für eine ganz bestimmte, schwer zu findende regionale Zutat ist ein spezialisierter Laden trotzdem meist die bessere erste Anlaufstelle.
Sind diese Geschäfte spürbar teurer als ein normaler Supermarkt?
In der Regel nicht, und bei dem Produkt, auf das sie spezialisiert sind, sind sie oft sogar günstiger, als eine importierte Spezialversion desselben Artikels im normalen Supermarkt zu bezahlen. Teurer werden unabhängige Läden eher bei verpackten Importwaren mit langer Lieferkette: Gewürze, Snacks und Getränke, die gezielt für eine bestimmte Community eingeführt werden. Frische Ware, Brot und Gemüse gibt es häufig zu Preisen, die mit dem Standardsupermarkt mithalten oder sogar darunter liegen.
Was mache ich, wenn ein Laden das gesuchte Produkt gerade nicht führt?
Fragen Sie direkt nach, bevor Sie einen Laden komplett abschreiben. Berichte über Geschäfte wie das Bollywood beschreiben immer wieder, dass der Inhaber Produkte auf Wunsch gezielt nachbestellt, und das ist bei den kleineren, familiengeführten internationalen Geschäften eher die Regel als eine Ausnahme. Ein echter Kompromiss bei den kleinsten Läden: Manche stellen keine detaillierten Kassenbons aus, und nicht jedes Produkt trägt ein einzelnes Preisschild, ein erster Besuch braucht also etwas mehr Geduld als an einer Supermarktkasse.
Muss ich Deutsch sprechen, um in diesen Geschäften einzukaufen?
Selten wirklich ein Hindernis. Viele dieser Geschäfte werden von und für Communities geführt, in denen Deutsch ebenfalls eine Zweitsprache ist, und Inhaberinnen und Inhaber wechseln je nach Kundschaft zwischen Deutsch, Englisch und ihrer eigenen Muttersprache. Produktetiketten sind ohnehin oft in der Sprache des Herkunftslands statt auf Deutsch, Verpackungen und Markennamen wiederzuerkennen zählt also mehr als fließendes Deutsch.