Pfandringe, Flaschensammler und Hamburgs eigene Geschichte der Pfandspende

Ein Pfandring ist ein Metallring oder ein kleines Regal, das außen an einem öffentlichen Mülleimer befestigt wird, damit leere Pfandflaschen sichtbar oben liegen statt im Müll zu verschwinden, sodass eine Flaschensammlerin oder ein Flaschensammler sie nehmen kann, ohne im Abfall zu wühlen. Hamburg hat kein einziges stadtweites Pfandring-Programm, hat die Idee aber, anders als manche andere deutsche Stadt, gleich zweimal auf institutioneller Ebene ausprobiert: Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) entwarf selbst ein Regal für fünf Flaschen und testete es ab dem 2. Juni 2014 an 10 von 160 neuen, dicht verschlossenen Mülleimern in der Innenstadt, nachdem es Kritik gegeben hatte, dass die neuen Eimer das Herausholen von Flaschen erschwerten. Der Hamburger Bezirk Altona startete 2016 einen eigenen Pfandring-Pilotversuch, eine Grünen-Initiative, die Ringe an Laternenmasten und Straßenschildern (unter anderem am Bahnhof Altona) für 320 Euro pro Ring anbrachte, mit dem erklärten Ziel von bis zu 100 Ringen im ganzen Bezirk. Getrennt davon hängte das Hamburger Getränkeunternehmen Lemonaid bereits im März 2012 Spendenkisten an Laternenmasten im Schanzenviertel auf, inspiriert von Berlins ursprünglicher Idee 'Pfand gehört daneben'. Das Programm, das tatsächlich Bestand hat, ist 'Spende dein Pfand' am Hamburg Airport, das seit September 2015 gemeinsam mit dem Straßenmagazin Hinz&Kunzt läuft: Zum zehnjährigen Bestehen im September 2025 waren mehr als 3 Millionen Flaschen gesammelt worden, und das Programm finanziert bis heute bezahlte Stellen als Leergutbeauftragte für fünf ehemals langzeitarbeitslose Hinz&Kunzt-Verkäufer. Sammlerinnen und Sammler sind laut Berichten am stärksten rund um den Hauptbahnhof und in Ausgehvierteln wie St. Pauli unterwegs, wo alleinstehende Sammlerinnen berichten, nachts nicht allein arbeiten zu wollen.

Die offizielle Regel

Eine „offizielle Regel” gibt es hier eigentlich nicht, eher einen Flickenteppich kleiner, echter Versuche, und genau das lohnt sich zu wissen, bevor man auf die Suche nach einem Ring geht, der vielleicht existiert und vielleicht nicht. Ein Pfandring ist ein Metallring oder ein kleines Regal, das außen an einem öffentlichen Mülleimer befestigt wird, damit leere Pfandflaschen sichtbar oben liegen statt im Müll zu verschwinden, sodass eine Flaschensammlerin oder ein Flaschensammler sie nehmen kann, ohne im Abfall zu wühlen. Die Idee selbst ist keine Hamburger Erfindung, aber Hamburg gehört zu den vergleichsweise wenigen deutschen Städten, in denen eine öffentliche Stelle tatsächlich mehr als einmal eine Version davon ausprobiert hat, nur nie im gesamten Stadtgebiet.

Hamburgs institutionelle Flaschenspende-Versuche im Überblick
InitiativeBeginnTrägerUmfang
SRH-Pfandregal2. Juni 2014Stadtreinigung Hamburg (städtisch)10 von 160 neuen Innenstadt-Mülleimern, nur Test
Altona Pfandring-Pilot2016Bezirk Altona, Grünen-Initiative6 Ringe installiert, Ziel bis zu 100
Lemonaid Schanzenviertel-KistenMärz 2012Lemonaid (Hamburger Getränkeunternehmen)Anfangs 15 Kisten, mehrere binnen Wochen verschwunden
Hamburg Airport „Spende dein Pfand"September 2015Hamburg Airport, Hinz&Kunzt, Der Grüne PunktÜber 3 Millionen Flaschen zum 10-Jahres-Jubiläum (2025)

Zwei offizielle Versuche, keiner stadtweit

Das eigene Regal der Stadtreinigung Hamburg kam zuerst, und es entstand aus echtem Gegenwind. Im April 2014 stellte die SRH 160 neue, solarbetriebene Mülleimer in der Innenstadt auf. Die neuen Eimer hatten dicht verschlossene Deckel, eine Konstruktion, die es Flaschensammlerinnen und -sammlern erheblich erschwerte, an die Pfandflaschen im Inneren zu gelangen, und damit über Nacht eine Einkommensquelle kappte. Ein Verkäufer des Straßenmagazins Hinz&Kunzt namens Sascha schrieb öffentlich über das Problem, und die Kritik traf. Die Reaktion der SRH war bescheiden, aber echt: Das eigene Designteam baute ein kleines Regal, das Pfandregal, für bis zu fünf Flaschen, und montierte es ab dem 2. Juni 2014 an 10 der 160 neuen Eimer. SRH-Sprecher Reiner Fiedler machte unumwunden klar, dass es sich um ein Experiment handelte, nicht um eine feste Linie: „Wir werden einen kleinen Versuch machen”, sagte er gegenüber Reportern, und äußerte offen seine eigene Unsicherheit, ob Menschen das Regal tatsächlich für Flaschen nutzen würden oder es am Ende, in seinen eigenen Worten, nur mit weggeworfenen Kaffeebechern vollgestopft wäre.

Zwei Jahre später ging ein Hamburger Bezirk auf eigene Initiative weiter. 2016 wurde Altona, angestoßen von der Grünen-Fraktion des Bezirks statt von der SRH selbst, der erste Hamburger Bezirk mit einem echten Pfandring-Pilotversuch. Die erste Phase brachte sechs Ringe an Straßenschildern und Laternenmasten im Bezirk an, darunter einen direkt am Bahnhof Altona, zu Kosten von 320 Euro pro Ring, gemeinsam finanziert vom bezirklichen Fachamt für Umwelt und Energie und der Bezirksversammlung. Die grüne Umweltpolitikerin Ulrike Sparr formulierte das Ziel ausdrücklich menschlich: Pfandringe „können ein menschenwürdiges Einsammeln ermöglichen”, während ihr Grünen-Kollege Holger Sülberg anmerkte, „Altona bemüht sich schon seit Jahren, Alternativen für das Wegwerfen von Pfandflaschen in Müllbehälter zu bieten”. Das erklärte Ziel lag bei bis zu 100 Ringen im gesamten Bezirk. Ob dieses Ziel je erreicht wurde oder wie viele der ursprünglichen Installationen heute noch stehen, ließ sich nicht unabhängig bestätigen, weshalb ein Ring, der einem in Altona begegnet, eher als netter Fund gelten sollte als als etwas, worauf man sich stadtweit verlassen kann.

Nahaufnahme eines leeren, schlichten und unbeschrifteten schwarzen Drahtgeflecht-Mülleimers, die Art von alltäglichem Behälter, um den herum diese Spendenetikette entstanden ist

Foto von Steve A Johnson auf Pexels

Das Programm, das wirklich Bestand hat: Spende dein Pfand am Flughafen

Von allem, was Hamburg ausprobiert hat, ist ein Programm ununterbrochen gelaufen und zu etwas wirklich Substanziellem gewachsen: „Spende dein Pfand” am Hamburg Airport, seit September 2015 in Partnerschaft mit dem Straßenmagazin Hinz&Kunzt und dem Recyclingunternehmen Der Grüne Punkt. Der Mechanismus ist einfach. In den Terminals stehen durchsichtige Sammelbehälter, meist vor den Sicherheitskontrollen platziert, sodass abfliegende Passagiere eine ungeöffnete Pfandflasche dort abgeben können, statt sie vor der Kontrolle in den normalen Müll zu werfen. Hinz&Kunzt-Mitarbeitende leeren, sortieren und bearbeiten die Behälter, Der Grüne Punkt übernimmt die Recyclinglogistik und gibt den Pfandwert an das Programm zurück.

Der Umfang ist inzwischen real. Zum zehnjährigen Bestehen im September 2025 hatte das Programm laut der eigenen Jubiläumsberichterstattung von Hinz&Kunzt seit dem Start mehr als 3 Millionen Flaschen gesammelt, ein Anstieg gegenüber den zuletzt offiziell veröffentlichten 2,5 Millionen Flaschen und über 630.000 Euro Pfandwert. Dieses Pfandgeld finanziert direkt bezahlte Arbeit statt bloß Wohltätigkeit: Fünf ehemals langzeitarbeitslose Hinz&Kunzt-Verkäufer, im Jubiläumsbeitrag 2025 namentlich genannt als Klaus Peterstorfer, Robert Fudro, Andrzej Fidala, Uwe Tröger und Herbert Kosecki, arbeiten heute als Leergutbeauftragte, eine echte, versicherte Berufsbezeichnung, die vollständig ums Sortieren fremder Leergutflaschen herum aufgebaut ist.

Ehrlich dazu gehört auch: Die Entwicklung verlief nicht nur nach oben. Die jährlichen Flaschenzahlen erreichten 2017 mit rund 470.000 einen Höchststand und waren bis 2024 auf etwa 370.000 gesunken, ein Rückgang, den das Programm vor allem auf weniger Fluggäste seit der Pandemie zurückführt, wodurch von vornherein weniger Flaschen durch die Terminals kommen, zusammen mit gestiegenen Personalkosten, die eine Finanzierungslücke geöffnet haben, die Hinz&Kunzt inzwischen teilweise aus eigenen Spenden deckt. Zum Jubiläum 2025 läuft das Programm weiterhin, nur in kleinerem Maßstab als auf seinem Höhepunkt Mitte der 2010er Jahre.

Die Schanzenviertel-Kisten, und wo Sammlerinnen und Sammler tatsächlich arbeiten

Hamburgs früheste dokumentierte organisierte Flaschenspenden-Initiative liegt zwei Jahre vor sowohl dem SRH-Regal als auch den Altonaer Ringen. Im März 2012 hängte das Hamburger Getränkeunternehmen Lemonaid speziell entworfene Kisten an Laternenmasten im Schanzenviertel auf, auf dem Abschnitt zwischen der Roten Flora und dem Haus 73, mit einem Design von Tim John, das sich direkt an einen Mast kabelbinden ließ. Lemonaids Jakob Berndt schrieb die Idee Berlin zu, konkret Matthias Gomilles ursprünglichem Konzept „Pfand gehört daneben” (eine Geschichte, die SettledIns Hamburger Pfand-Beitrag ausführlicher behandelt, da eine Hamburgerin oder ein Hamburger auch an einer parallelen Version dieser Bewegung mitgründete). Der Start im Schanzenviertel begann mit 15 Kisten; innerhalb von etwa einem Monat waren bereits 5 verschwunden, eine Erinnerung daran, dass unbetreute Straßeninstallationen meist keine lange Lebensdauer haben. Das Konzept verbreitete sich danach über Hamburg hinaus, erreichte Kreuzberg, Wiesbaden, Kassel und Leipzig, mit Hannover, Frankfurt und München als damals genannten nächsten Schritten.

Dieser Abschnitt im Schanzenviertel ist auch kein zufälliger Standort. Als beständig aktive Sammelgebiete in Hamburg gelten der Hauptbahnhof und der Heidi-Kabel-Platz, dazu Ausgeh- und Studierendenviertel wie St. Pauli und das Schanzenviertel, wo Fußgängerverkehr und Trinken im Freien einen stetigen Nachschub an Leergut erzeugen. Ein Sicherheitsdetail, das man nicht übergehen sollte: Alleinstehende Sammlerinnen berichten, nachts in St. Pauli nicht allein arbeiten zu wollen, eine Erinnerung, dass Sammeln echte, mitunter prekäre Arbeit ist, keine Kuriosität.

Der Umfang dieser Arbeit ist bundesweit größer, als die meisten Zugezogenen annehmen. Eine im Juli 2024 im Auftrag von „Pfand gehört daneben” mit YouGov durchgeführte Studie zählte 1.191.700 aktive Flaschensammlerinnen und -sammler in ganz Deutschland, 31 Prozent gaben an, erstmals 2024 speziell wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten mit dem Sammeln begonnen zu haben, 36 Prozent sammelten häufiger oder in größeren Mengen als zuvor. Bemerkenswert: Das Unternehmen hinter dieser Studie, fritz-kola, hat selbst seinen Hauptsitz in Hamburg, zog Mitte 2026 in die Schanzenstraße um, mitten ins Schanzenviertel, dasselbe Viertel, in dem Lemonaids Kisten über ein Jahrzehnt zuvor zum ersten Mal hingen.

Der Reihe nach vorgehen

  1. Nicht darauf bauen, am eigenen Mülleimer einen Pfandring vorzufindenHamburg hat kein stadtweites Programm; der eigene Regal-Test der SRH 2014 deckte nur 10 Eimer ab, und Altonas Pilotversuch von 2016 hätte selbst bei seinem erklärten Ziel nur einen Bezirk abgedeckt.
  2. Wer in Altona unterwegs ist, kann auf Straßenschilder und Laternenmasten achtendas ist der eine Teil Hamburgs mit einem tatsächlich bezirklich finanzierten Ringprogramm, auch wenn dessen aktueller Umfang unbestätigt ist.
  3. Überall in der Stadt eine Flasche standardmäßig neben, nicht in den öffentlichen Mülleimer stellendas funktioniert auch ohne vorhandenen Ring oder Regal, SettledIns Beitrag zu Hamburgs Pfandsystem behandelt die ausführlichere Etikette und ihre Entstehungsgeschichte.
  4. Bei einem Aufenthalt am Hamburg Airport die markierten Sammelbehälter vor der Sicherheitskontrolle nutzendas ist das eine Hamburger Programm, das seit 2015 ununterbrochen läuft und direkt bezahlte Arbeitsplätze finanziert.
  5. Für eine größere Menge Flaschen diese sauber und unbeschädigt statt zerdrückt oder zerbrochen haltendas zählt umso mehr in dicht besammelten Gegenden wie St. Pauli, dem Schanzenviertel oder rund um den Hauptbahnhof, wo eine sammelnde Person an einem Abend viele Mülleimer durchgeht.
  6. Aufmerksam, aber nicht demonstrativ seineine Flasche sichtbar und sicher neben einen Mülleimer zu stellen hilft; stehen zu bleiben und beim Einsammeln zuzusehen, hilft nicht.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt informelle Spendenpraktiken sowie bestimmte kommunale und private Pilotprogramme in Hamburg, Stand Mitte 2026, keine stadtweite gesetzliche Pflicht und kein einzelnes offizielles Programm. Der aktuelle Betriebsstatus von Altonas Pfandring-Pilotversuch und der Schanzenviertel-Spendenkisten ließ sich zum Zeitpunkt dieses Beitrags nicht unabhängig bestätigen; die Zahlen zum Programm „Spende dein Pfand” am Hamburg Airport spiegeln die zuletzt veröffentlichten offiziellen und Presseangaben wider und können sich seither geändert haben.

Häufige Fragen & Stolperfallen

Hat Hamburg ein offizielles, stadtweites Pfandring-Programm wie manche andere deutsche Städte?

Nein. Es gibt kein einziges städtisches Programm, das ganz Hamburg abdeckt. Stattdessen gab es zwei separate, kleinere institutionelle Versuche. Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) entwarf und testete 2014 selbst ein Pfandregal an einer Handvoll Innenstadt-Mülleimer, und Jahre später führte der Bezirk Altona ab 2016 seinen eigenen kleinen Pfandring-Pilotversuch an Laternenmasten durch. Keines der beiden Projekte wuchs jemals auf die ganze Stadt, deshalb kann man sich in den meisten Teilen Hamburgs nicht darauf verlassen, am eigenen Mülleimer einen Ring oder ein Regal vorzufinden.

Worum ging es beim Pfandregal-Test der Stadtreinigung 2014 genau?

Im April 2014 stellte die Hamburger Stadtreinigung 160 neue, solarbetriebene Mülleimer in der Innenstadt auf, mit dicht verschlossenen Deckeln, die es Flaschensammlerinnen und -sammlern deutlich erschwerten, Pfandflaschen herauszuholen. Nachdem ein Verkäufer des Straßenmagazins Hinz&Kunzt namens Sascha die Konstruktion öffentlich kritisiert hatte, reagierte die SRH mit einem eigenen kleinen Test: einem selbst entworfenen Regal, dem Pfandregal, das bis zu fünf Flaschen fasst, montiert an 10 der 160 neuen Eimer ab dem 2. Juni 2014. SRH-Sprecher Reiner Fiedler machte offen deutlich, dass es sich um einen Versuch handelte: 'Wir werden einen kleinen Versuch machen', und äußerte selbst Zweifel, ob das Regal wirklich für Flaschen genutzt würde oder am Ende nur mit weggeworfenen Kaffeebechern vollgestopft wäre. Es lohnt sich, im Kopf zu behalten, dass dies ein begrenzter Pilotversuch an einem kleinen Bruchteil der städtischen Mülleimer war, keine stadtweite Lösung.

Was ist aus Altonas Pfandring-Pilotversuch geworden, gibt es die Ringe noch?

2016 wurde Altona, auf Initiative der Grünen-Fraktion im Bezirk, der erste (und bislang einzige) Hamburger Bezirk mit einem echten Pfandring-Pilotversuch. In der ersten Phase wurden sechs Ringe an Straßenschildern und Laternenmasten angebracht, darunter einer direkt am Bahnhof Altona, zu Kosten von 320 Euro pro Ring, gemeinsam finanziert vom Fachamt für Umwelt und Energie des Bezirks und der Bezirksversammlung. Das damals erklärte Ziel waren bis zu 100 Ringe im gesamten Bezirk. Ob dieses Ziel je erreicht wurde oder wie viele der ursprünglichen Installationen heute noch stehen, ließ sich zum Zeitpunkt dieses Beitrags nicht unabhängig überprüfen, deshalb sollte ein Ring, der einem in Altona an einem Laternenmast begegnet, eher als netter Fund gelten denn als etwas, worauf man sich stadtweit verlassen kann.

Wo kann ich in Hamburg tatsächlich eine größere Menge Flaschen spenden, statt nur eine neben einen Mülleimer zu stellen?

Die mit Abstand verlässlichste Option ist das Programm 'Spende dein Pfand' am Hamburg Airport, das seit September 2015 ununterbrochen läuft, in Partnerschaft mit dem Straßenmagazin Hinz&Kunzt und dem Recyclingunternehmen Der Grüne Punkt. In den Terminals stehen durchsichtige Sammelbehälter, vor allem vor den Sicherheitskontrollen, sodass abfliegende Passagiere ungeöffnete Pfandflaschen dort abgeben können, statt sie vor der Kontrolle wegzuwerfen. Zum zehnjährigen Bestehen im September 2025 hatte das Programm laut der eigenen Jubiläumsberichterstattung von Hinz&Kunzt seit dem Start mehr als 3 Millionen Flaschen gesammelt, ein Anstieg gegenüber den zuletzt offiziell veröffentlichten 2,5 Millionen Flaschen und über 630.000 Euro Pfandwert. Dieses Pfandgeld finanziert direkt bezahlte Arbeit: Fünf ehemals langzeitarbeitslose Hinz&Kunzt-Verkäufer, in der Jubiläumsberichterstattung 2025 namentlich genannt als Klaus Peterstorfer, Robert Fudro, Andrzej Fidala, Uwe Tröger und Herbert Kosecki, arbeiten heute als Leergutbeauftragte, die Spenden sortieren und bearbeiten.

Läuft das Flughafenprogramm eigentlich noch so gut wie früher?

Nicht ganz, und das ehrlich zu sagen gehört dazu. Die jährlichen Flaschenzahlen sind von einem Höchststand von rund 470.000 im Jahr 2017 auf etwa 370.000 im Jahr 2024 gesunken, hauptsächlich weil seit der Pandemie weniger Fluggäste unterwegs sind und dadurch von vornherein weniger Flaschen durch die Terminals kommen. Gleichzeitig sind die Löhne des Personals gestiegen, was eine Finanzierungslücke geöffnet hat, die Hinz&Kunzt inzwischen teilweise aus eigenen Spenden deckt statt allein aus dem Pfanderlös. Zum Jubiläum 2025 läuft das Programm weiterhin, nur in kleinerem Maßstab als auf seinem Höhepunkt Mitte der 2010er Jahre.

Wo in Hamburg sehe ich tatsächlich Flaschensammlerinnen und Flaschensammler bei der Arbeit, und wie sollte ich mich verhalten?

Als beständig aktive Sammelgebiete werden der Hauptbahnhof und der Heidi-Kabel-Platz genannt, dazu Ausgeh- und Studierendenviertel wie St. Pauli und das Schanzenviertel, wo das Hamburger Getränkeunternehmen Lemonaid bereits im März 2012 Spendenkisten an Laternenmasten aufhängte. Ein Sicherheitshinweis, der die Erwähnung verdient: Alleinstehende Sammlerinnen berichten, nachts in St. Pauli nicht allein arbeiten zu wollen. Bei der Etikette selbst gilt, was ohnehin in ganz Hamburg gilt, ausführlicher erklärt in SettledIns Beitrag zu Hamburgs Pfandsystem: eine saubere, unbeschädigte Flasche neben statt in den Mülleimer stellen, das ist sowohl für die sammelnde Person sicherer (kein Wühlen an zerbrochenem Glas) als auch leichter zu erkennen.